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Zwischen Geocaching, Zirkusspielen und Waldkindergarten

Die Schüler der SMV organisierten mit ihren Verbindungslehrern einen Projekttag.

„Wir könnten doch dieses Jahr für die gesamte Schule einen Projekttag organisieren!“ - Ich bin mir nicht mehr sicher, wer diese Idee am Anfang des Schuljahres im SMV-Seminar in Schopflohe zuerst äußerte, aber ich erinnere mich daran, dass sie sofort von allen Schülern der SMV und den Jahrgangsstufensprechern begeistert aufgenommen wurde und innerhalb weniger Minuten die verschiedensten Projektvorschläge im Raum standen.

Sicher konnte keiner von uns so recht abschätzen, was es bedeutet, knapp 800 Schüler sechs Schulstunden sinnvoll zu beschäftigen. Trotzdem – oder gerade deswegen – beschlossen wir mit einer großen Portion Optimismus und Enthusiasmus: Ende März soll dieser Tag stattfinden.

Bereits zeitig begannen die Vorbereitungen: Carolin Deinzer, Schülerin der Klasse 9c, erwies sich als wahres Organisationstalent und übernahm als Projektleiterin die Koordination der Aufgaben. Mit Unterstützung unserer Schülersprecher, dem aktiven Kern der SMV und der beiden Verbindungslehrer Linda Lutter und Martin Graf wurden in der Folgezeit zahlreiche E-Mails geschrieben und Gespräche geführt.  Dabei mussten wir bei einigen potenziellen Projektpartnern echte Überzeugungsarbeit leisten, andere wiederum waren von unserer Idee genauso begeistert wie wir. Neben vielen Schülern und Kollegen, die dankenswerterweise Kurse übernahmen, konnten wir auch über 30 externe Partner für unseren Tag gewinnen und somit viele verschiedene Kurse zur Auswahl anbieten.

In unzähligen Stunden wurden nach der Schülerwahl Listen ausgewertet, den Kursen zugewiesen, umgetragen, abgeschrieben, verglichen und letztendlich abgetippt und ausgehängt. Der Projekttag konnte also kommen. Und wer am 23.03.2012 durch unsere Schule gelaufen ist, der konnte sich von der Vielfalt des Projekttages selbst überzeugen.

Da gab es zunächst das sportliche Angebot: Einige Schweißtropfen haben die Schülerinnen und Schüler ganz sicher beim Handballturnier, beim Basketballtraining mit den Heli-Girls Nördlingen oder beim Fußballtraining mit David Schittenhelm, der beim 1. FC Heidenheim 1846 unter Vertrag steht, verloren. Nicht weniger anstrengend waren sicherlich die Projekte Steppen, Hip-Hop-Tanzfabrik und Kampf gegen den Winterspeck, wobei es den Schülern gelang, innerhalb kurzer Zeit anspruchsvolle Choreografien einzustudieren. Auf Geschick und Mut kam es hingegen beim Skateboarden für Anfänger oder beim Bauen von Menschenpyramiden im Projekt Zirkusspiele an. Unterdessen lernten die Teilnehmer des Kurses Flugartistik unter fachkundiger Anleitung des Kunstturntrainers Roland Grimm erstaunlich schnell akrobatische Elemente mit einem Mini-Tramp. Eine andere Gruppe erarbeitete derweil individuell abgestimmte Trainingspläne für verschiedene Nutzer unseres Fitnessraums in der Turnhalle. Und wer nach so viel sportlicher Betätigung dann eine Entspannungsphase brauchte, der konnte sich im Kurs Massieren lernen wieder regenerieren.

Eher gesellschaftliches Engagement war bei Projekten gefragt, die in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen Oettingens außerhalb der Schule stattfanden. Beim Besuch des Altenheims sowie der Tagespflege Demenzkranker im Rahmen der vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen ins Leben gerufenen Kampagne ganz jung, ganz alt, ganz ohr konnten bei gemeinsamen Spielen und Gesprächen Vorurteile und Berührungsängste zwischen den Generationen abgebaut werden. Wiederum andere Schülerinnen unterstützten die Kleinen des Waldkindergartens beim Bestücken eines Insektenhauses. Aber nicht nur außerhalb der Schule, auch innerhalb der Schülerschaft wurden soziale Aspekte aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit unserer Schulpsychologin Livia Muhanna Strategien gegen Mobbing an Schulen diskutiert.

Eine ganz wichtige Säule des SMV-Projekttages bildeten die kreativen Angebote:  Egal ob mit dem Skizzenblock durchs Oettinger Schloss, beim Gestalten eines meterlangen Kunstwerkes, beim Herstellen von Raumskulpturen aus Draht oder beim Batiken: Künstlerisch konnten sich die Schüler voll und ganz austoben. Improvisationstalent und Ausdrucksfähigkeit waren währenddessen im Theaterworkshop, beim Schauspieltraining mit Kerstin Becke von der Nördlinger Schauspielmanufaktur oder beim orientalischen Tanz gefragt. Wer schon immer mal wissen wollte, was in aktuellen englischsprachigen Charthits und in Klassikern eigentlich gesungen wird, war beim Projekt English Songs richtig aufgehoben, ganz Kreative verfassten beim Songwriting selbst eigene Lieder oder erlernten Grundlagen zum Umgang mit Nadel und Faden bei den Workshops Trachten entwerfen und Nähen einer Tasche.

Naturwissenschaftlich interessierte Schüler erfuhren im Chemielabor, wie man mit einfachen Mitteln aus verschiedenen Chemikalien eine Batterie baut oder wie Indigo, der Farbstoff, mit dem Jeanshosen gefärbt werden, hergestellt wird. Natürlich wurden im Anschluss daran auch eigene Kleidungsstücke blau eingefärbt. Im Biologietrakt des A-E-G untersuchten Schüler und Schülerinnen nach einer kurzen Gebrauchsanweisung zum Mikroskopieren Einzeller aus Gewässern und züchteten Kristalle, geographisch-physikalische Aspekte wurden hingegen beim Klimacheck unseres Schulgebäudes aufgegriffen und vertieft.

Das technische Verständnis wurde im Computer-Crash-Kurs, beim Erstellen eines Podcasts sowie im Projekt Fotografie und Bildbearbeitung geschult, ihre sprachlichen Fähigkeiten konnten indessen die Teilnehmer des Rhetorik-Kurses verbessern, wiederum andere Schüler und Schülerinnen lernten im Einführungskurs Spanisch bei Sportlehrerin Carmen Lechner Grundlagen der Sprache und spanischen Traditionen. Nebenan beantwortete Frank Drechsler von den Rieser Nachrichten die Frage, wie es gelingt, dass unsere Tageszeitung jeden Morgen pünktlich zum Frühstück auf unserem Tisch liegt und vermittelte einen Eindruck über den Redaktionsalltag der Tageszeitung. Währenddessen verwandelte sich unser Medienraum an diesem Tag ins Albrecht-Ernst-Kino. Auf dem Programm stand ein Film zum Thema Umwelt, der im Anschluss diskutiert wurde.

Eine Kombination aus technischem Verständnis, Abenteuerlust und Liebe zur Natur brachten die „Schatzjäger“ beim Geocaching, einer Freizeitbeschäftigung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut, mit. Eine anderer Zeitvertreib, dem die Oberstufenschüler gern auch in den Pausen nachgehen, ist Schafkopf spielen. Anfänger erlernten hier bei den „Könnern“ der Oberstufe die Regeln und erhielten hilfreiche Tipps und Tricks für den Spielverlauf. Und wer sich in den Pausen gern gesünder ernähren möchte, der war in der Arbeitsgruppe „Man ist, was man isst“ bestens aufgehoben, denn hier wurden Fragen zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung erörtert.

Im Außengelände der Schule erfuhren die Projektteilnehmer der Kurse Powerdrink und Powerfood – Die Kraft der Wildkräuter Wissenwertes zur Pflanzenwelt unserer Region, für unsere Breiten eher ungewöhnliche Pflanzen bestaunten die Besucher des Oettinger Kakteengarten. Eine Zeitreise in die Vergangenheit unternahmen hingegen die Besucher unseres Heimatmuseums. In der Sonderausstellung Im Schweinsgalopp durch die Vergangenheit erlebten sie den radikalen Wandel der Ess- und Lebensgewohnheiten Oettingens. Ebenfalls ins Museum ging es für kulturell Interessierte: Im Völkerkundemuseum tauchten die Schülerinnen und Schüler in die faszinierende Welt des Buddhismus ein.

Dass unser Schulgebäude viele Besonderheiten zu bieten hat, das ist sicher kein Geheimnis. Eines dieser Highlights stellt die schuleigene Steinmeyer-Orgel dar. Und die Möglichkeit, dieses Wunderwerk der Technik von innen zu sehen, bietet sich nicht alle Tage. Wer also wissen wollte, wie Orgelpfeifen gebaut werden, warum bei Tastendruck ein Ton erklingt und weshalb die Pfeifen so unterschiedlich klingen, ließ sich den Workshop "Orgelbau" nicht entgehen. Gemeinsam mit dem Architekten Korbinian Meitinger erkundete eine andere Gruppe währenddessen unser Schulhaus, um die unterschiedlichen Qualitäten der Räume kennenzulernen und beschreiben zu lernen. Ziel war es, dass sich Schüler (und Lehrer) zu ihren Bedürfnissen ihrer Arbeitsumgebung differenziert äußern können und Freude an Gestaltung entwickeln. So entstanden am Ende des Projekttages viele neue Ideen, wobei Korbinian Meitinger bei der Planung des Umbaus unserer Schule sicher den ein oder anderen Vorschlag aufgreifen wird.

Darüber hinaus wurde der Tag genutzt, um bereits länger existierende Projekte an unserer Schule wie das Comenius-Projekt, das Griechisch-Theater oder unseren A-E-G-Lernplaner weiter voranzubringen.

Nun ist dieser Tag, den wir wochenlang geplant, durchdacht, und der uns einige schlaflose Nächte bereitet hat, erfolgreich über die Bühne gegangen. Ich persönlich freue mich besonders, was die Schüler der SMV neben dem Unterricht, anstehenden Schulaufgaben und privaten Verpflichtungen hier geleistet haben, wie viel Zeit, Mühe und Ideen sie investiert haben, forderte dieser Tag doch Spontaneität und detaillierte Organisation, Teamarbeit und Eigenverantwortlichkeit gleichermaßen.

Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle nochmals allen Projektleitern aussprechen, die mit ihrem Engagement zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

 

Linda Lutter

(Verbindungslehrerin)

Bilder vom Projekttag...