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Wie viel sind diese Kunstschätze wohl wert?

Die zehnten Klassen auf Bildungsfahrt in Dresden

Keine leichte Frage für uns begleitende Lehrkräfte, als wir von einem Schüler um eine Werteinschätzung der Kunstgegenstände im Historischen Grünen Gewölbe gebeten wurden. Man weiß ja, welche astronomischen Summen bei Versteigerungen über die bekannten Auktionshäuser in London erzielt werden... Hinter der Frage aber stand wohl mehr das Erstaunen über die Versammlung einer solchen Pracht in einer Räumlichkeit.

Aber der Reihe nach: Ein vollbesetzter 58er-Bus ging um 8:00 Uhr auf die Reise Richtung Dresden. Kurz nach 13:00 Uhr trafen wir bei bestem Wetter in der sächsischen Landeshauptstadt ein.

Nach einem kleinen Fußweg in die Altstadt präsentierte sich als erster Höhepunkt die Dresdner Frauenkirche unter blauem Himmel. Dieser Sakralbau steht als ganz herausgehobenes Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands. 1726 bis 1743 von George Bähr erbaut, stürzte sie nach den verheerenden Luftangriffen am 14. Februar 1945 in sich zusammen und überdauerte die DDR-Zeit als Ruine. 1994 begann der von Prof. Ludwig Güttler initiierte Wiederaufbau, der 2004 abgeschlossen werden konnte. Mehr als 180 Millionen € kostete die Wiederherstellung des Gotteshauses, der weit überwiegende Teil davon als Spenden aus aller Welt, darunter auch aus den USA und Großbritannien.

Nächstes Ziel war die Brühlsche Terrasse, eine ursprünglich als Wehranlage gedachtes Bauwerk, heute aber in erster Linie eine Ansammlung von "architektonischer Herrlichkeiten" wie z.B.  Kunstakademie und Belvedere. Besonders schön: Der Elbbogen mit seinen Brücken und die Aussicht auf das gegenüberliegende Elbufer mit seinen Wiesen... Studieren in Dresden?

Die Semperoper als dritter Anlaufpunkt ist das Opernhaus der Sächsischen Staatsoper Dresden, benannt nach dem Baumeister Gottfried Semper. Hier wurden die Schüler überrascht: Die Pflastersteine auf dem Vorplatz, auf denen wir uns befanden, stammen noch aus dem "VEB Mansfeldkombinat Wilhelm Pieck" und sind schwach kontaminiert mit Bismut 214! Allerdings sieht das Bundesamt für Strahlenschutz keine Gefahr - sonst wäre der Platz auch gesperrt.

Die SchülerInnen hatten nun ca. 3 Stunden Zeit, auf eigene Faust in Gruppen Dresden zu erkunden. Gegen 16:45 Uhr trafen wir uns wieder im Eingangsbereich des Historischen Grünen Gewölbes. Hier ist wegen der wertvollen Stücke alles streng geregelt: Einlass nur zur gebuchten Zeit, keine Photographien erlaubt; Taschen, Rucksäcke, Jacken etc. dürfen nicht mitgenommen werden und Einlass nur per gescannter Eintrittskarte durch eine Luftschleuse. In neun Räumen werden ausgesuchte Kunstschätze vor allem aus der Zeit Augusts des Starken präsentiert - allesamt kommentiert per Audio-Guide in sächsischer Mundart - ein besonderes Erlebnis.

Der Zwinger schließlich beeindruckte uns mit seiner Vielzahl an Pavillons. In der einbrechenden Dämmerung schon festlich beleuchtet treten besonders der Porzellan- und der Glockenpavillon in den Vordergrund. Im Porzellanpavillon sind außerordentlich schöne Stücke des Meißner Porzellans ausgestellt. Im Glockenpavillon werden die Töne sogar auf Glocken aus Hartporzellan angeschlagen - August der Starke versuchte mit seiner barocken Prachtentfaltung alles, um sich selbst als Kaiser zu empfehlen.

Pünktlich um 19:15 Uhr trafen wir uns alle wieder vor der Frauenkirche zum Besuch des Gesprächskonzerts mit dem Titel „Man kann oft staunen, wie es zugeht bei Trompeten, Hörnern, Tuba und Posaunen…“ in dessen Mittelpunkt diesmal Blechblasinstrumente standen. Es begann gleich furios und klanggewaltig mit einem bekannten Ohrwurm der Bläserliteratur: Trumpet Tune and Air von Henry Purcell, gespielt von Ludwig Güttler und seinem Ensemble.

Güttler, nicht nur einer der weltweit führenden Trompetenvirtuosen, sondern auch Dirigent und Gründer verschiedenster Ensembles, hatte in Milko Kersten einen idealen Partner in der Moderation.

Der Bogen wurde weit gespannt. Die Schüler erfuhren von der Funktion als Signalinstrument wie Militärtrompete oder Jagdhorn mit ihren Vorfahren aus Tierhorn, Knochen oder wie der vorgeführten Muschel, erlebten die Unterschiede in Klang, Bauweise und Spielart von Trompete, Horn, Tuba und Posaune, die jeweils von ihren Spielern vorgestellt wurden und lernten Fachbegriffe wie Mensur, Naturtonreihe, Namen alter Blasinstrumente wie Zink und Serpent oder die geschichtliche Bedeutung der Zunft der Trompeter und ihre erstaunliche Virtuosität auf damals noch ventillosen Instrumenten. Das alles eingebettet in Blechbläsermusik auf höchsten Niveau von Renaissance bis zur Romantik. Dank der Erläuterungen des Moderators konnten die Jugendlichen die musikalischen Besonderheiten der Kompositionen wie das Musizieren in mehreren „Chören“ bei G. Gabrieli, das musikalische Ausdeuten einer Textvorlage bei den Bearbeitungen von Chorwerken von Heinrich Schütz oder der ganz besonders erhabenen und feierlichen Klanggestaltung bei Anton Bruckner gut nachvollziehen.

Von der Klangpracht, die ein solches Blechbläserensemble entfalten kann, waren die Zuhörer sichtlich beeindruckt und erklatschten sich als Zugabe ein weiteres populäres Highlight der Bläsermusik, den Prince of Denmark´s March des englischen Barockkomponisten Jeremiah Clarke.

Von ca. 21:00 Uhr an konnten unsere Schüler dann noch einmal das nächtliche Dresden genießen. Interessant, dass hier nicht wenige kulinarische Angebote oder hochwertige Waren durchaus zweisprachig angepriesen werden - auf deutsch und in russischer Sprache. Der Flughafen Dresden wird regelmäßig angeflogen aus Moskau und St. Petersburg, vor allem in der vorweihnachtlichen Zeit.

Gegen 22:30 Uhr schließlich war die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit unseres Busfahrers beendet und wir erreichten Oettingen gegen 03:10 Uhr. Sicherlich ein Stressprogramm für alle Beteiligten, aber vielleicht auch ein "kulturelles Appetithäppchen" für ein Dresden-Wochenende mit der Familie.

 

Petra Hanke und Herbert Neuhaus