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"Verstellung schafft Verwirrung"

Erfolgreiche Premiere von "Was ihr wollt!" durch das P-Seminar Theater Q12

 

„Verstellung schafft Verwirrung“, ein treffender Satz aus der Inszenierung der Komödie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare durch das P-Seminar Theater Q12. Frauen treten als Männer auf und lieben scheinbar als Männer Männer, sind aber Frauen, Frauen lieben Männer, die aber Frauen sind und wollen doch einen Mann heiraten, der aber nur der Bruder der Schwester ist… Schließlich ist die Verwirrung perfekt und jeder ist verliebt und niemand weiß, wer der andere und wer man selber wirklich ist, wer soll da noch den Überblick behalten? Shakespeare mutet mit seiner Verwechslungskomödie sowohl dem Zuschauer als auch den Protagonisten einiges zu. Letztere meisterten ihre Aufgabe jedenfalls mit Bravour. Es war bei der Fülle des Textes, der bilderreichen Sprache mit oft sehr komplizierter Syntax beeindruckend wie sicher die jungen Schauspieler, die in der Regel zum ersten Mal auf der Bühne standen, ihren Part beherrschten. Schon nach kurzer Zeit legten sie ihre verständliche anfängliche Nervosität ab und begeisterten ihr Publikum mit wohlgesetzten Pointen, deutlich erkennbarer Spielfreude am Liebeswirrwar und sogar mit Mut zum Slapstick.
Einem Schiffsbruch der Küste von Illyrien entronnen, verkleidet sich Viola als Mann, um an den Hof von Herzog Orsino zu kommen. Der beauftragt Viola, die sich nun Cesario nennt, mit Liebesbotschaften an Gräfin Olivia. Olivia ist zugänglich – nicht aber für Orsinos Anträge, sondern für den Charme des schönen und vermeintlichen jungen Mannes Cesario. Viola wiederum ist verliebt in Orsino. Maja Gunzenhauser verkörpert die Viola/Cesario Rolle engagiert und ausdrucksstark.  Ebenso Jacqueline Huber, die die Viola mit Hingabe – gleichzeitig naiv und beherzt gekonnt interpretiert. Zwischen den beiden reibt sich ein von Liebesleid geplagter, ratloser wie beratungsresistenter Orsino auf. Kai Weeber schien wie geschaffen für diese Rolle. Mit klarer Artikulation steigerte er sich mit wahrer Inbrunst in sein Liebesweh hinein und erntete mehrfach Szenenapplaus. Ebensolchen erhielten Sabrina Fall die als ständig betrunkener Sir Toby Rülps über die Bühne stakst, aber trotzdem nie albern wirkt, Cynthia Beyhl als Sir Andrew Kränklich, ein bedauernswerter Ritter von der traurigen Gestalt – inklusive einer Rüstung aus Plastik, die lustige und einfallsreiche Emily Faaß in der Rolle der Maria, Zofe der Gräfin Olivia und nicht zuletzt Verena Bruckmeyer, die als Narr Feste und gleichzeitig als Barde wie es einem Narren zukommt ein verbindendes und zugleich interpretierendes Element des Spiels ist. Ein Höhepunkt: Das gemeinsam von Sir Toby, Kränklich und Feste mit Inbrunst gesungene „Einst ging ich am Ufer der Donau entlang…“ Das steht so nicht bei Shakespeare, bekanntlich schreckte der aber auch vor keiner Zote zurück. Die Drei lassen es so richtig krachen, ohne aber lächerlich zu wirken. Der Witz zündet und das Publikum honoriert dies mit viel Applaus.
Nicht vergessen werden darf Leonie Schnith als Malvolio, Haushofmeister bei Olivia. Sie liefert eine wahre Paradenummer kleinbürgerlicher Machtgelüste ab. Ausgezeichnet interpretiert sie die Rolle mit Hochmut und Eitelkeit bis sie durch eine von Sir Toby Rülps und Maria entfachte Intrige getäuscht glaubt, seine Herrin liebe ihn. Genauso überzeugend steigert sie sich so verblendet nun in Calvin Klein Unterwäsche und Lowrider bis zur völligen Lächerlichkeit. Kursleiterin Ruth Gruber-Stöcklein ist es gelungen aus den Seminarteilnehmern ein Ensemble zu bilden, das in relativ kurzer Zeit diese Herausforderung nicht nur annahm, sondern auch meisterte, auch weil sich die Darstellerinnen der Nebenrollen, wie Laura Müller als Antonia, Elena Jahn als Sebastian und Rebecca Koffler als Fabian ausgezeichnet in die Inszenierung einbrachten und so maßgeblich am Erfolg beteiligt waren.
Schließlich gab es, wie bei einer Komödie üblich, ein Happyend, das der Narr wie in Shakespeares Original  mit einem „Hopp, heißa, bei Regen und Wind!“ besang.

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