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Vergangenheit kennen - Gegenwart verstehen!

Die fünften Klassen besuchten das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth

 

"Warum war Deutschland geteilt?" "Warum gab es in Berlin eine Mauer?" Diese und ähnliche Fragen tauchten immer wieder auf, als die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen während des Projektes "Litera-Tour durch Deutschland" in Teams die verschiedenen Regionen Deutschlands in "Begleitung" jeweils eines Schriftstellers erforschten. Interessante Fragen, die nach Antworten verlangten und zwar dann, wenn sie auftreten und nicht, wenn es der Lehrplan vorsieht. Deshalb entschlossen sich die Deutsch-Geo Lehrer Linda Lutter, Johanna Zettler und Günther Schmalisch, mit den Kindern den Ort zu besuchen, an dem die Geschichte der Teilung und die Bedeutung, die diese Grenze quer durch Deutschland für die Menschen hatte, wohl am besten zu vermitteln ist: Das kleine Dorf Mödlareuth am Dreiländereck Thüringen-Bayern-Sachsen. Die Amerikaner nannten es "Little Berlin", weil es genauso wie die Haupstadt durch eine Mauer geteilt war. Ein kleiner Bach, der Tannbach, bildete die Grenze, schon vor dem Krieg und auch jetzt wieder. Heute teilt er das Dorf in einen bayerischen und einen thüringischen Teil, aber zu keiner Zeit waren die Folgen der Teilung für die etwa 50 Einwohner so einschneidend wie zwischen 1961 und 1989. Familien wurden getrennt, die Bewohner auf der Ostseite durften weder grüßen und winken, viele wurden umgesiedelt. Der Besuch des etwa hundert Meter entfernt wohnenden Bruders bedurfte mehrerer Anträge, einer etwa 100 Kilometer weiten und dreieinhalb Stunden langen Anreise.
Um nachfolgenden Generationen einen möglichst intensiven Eindruck von diesen massiven, ausgeklügelten, für zahlreiche Menschen auch todbringenden Grenzanlagen und ihren schlimmen Folgen für die Bewohner über Jahrzehnte hinweg zu vermitteln, beschlossen die Mödlareuther Bürger 1990 nicht die gesamte Mauer und Sperranlagen abzureißen, sondern einen Teil stehen zu lassen. Das Leben der aktuell 52 Einwohner Mödlareuths geht heute seinen ganz normalen Gang, während jedes Jahr tausende Besucher den Ort aufsuchen, damit sie "die Vergangenheit kennen und dadurch die Gegenwart verstehen" können, wie es auf einem Plakat im Freigelände aufgeschrieben ist. Damit auch die Schülerinnen und Schüler dieses Ereignis der Geschichte, das viele als "Wunder" bezeichnen, kennen lernen können und etwas besser verstehen, dass der Frieden, in dem wir gegenwärtig leben, dass wir reisen können, wohin wir wollen, sagen und schreiben können, was wir denken, kaufen können, wonach unser Herz begehrt und oft noch viel mehr als das, dass das alles nicht selbstverständlich ist, anders war und sich auch jederzeit wieder ändern kann, dass wir alles dafür tun müssen, dass Menschen nie mehr durch solch eine menschenverachtende Grenze getrennt werden, darüber nachzudenken das war letzendlich das Ziel dieser Reise. Das man diesem Ziel doch sehr nahe kam, zeigten der Eifer, mit dem die Schülerinnen und Schüler ihre Materialblätter vor Ort bearbeiteten, die sie mit Bildern und Fragen zu wichtigen Punkten führten, die vielen interessierten Fragen, die sie den Begleitlehrern stellten und mit wieviel Engagement sie am folgenden Tag in der Schule sie interessierende Themen zur Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands bearbeiteten und das, obwohl es der vorletzte Schultag des Jahres war.

Unterstützt und begleitet wurden die Kinder an diesen Tagen auch von den Geschichtslehrern Lydia Saur, Teresa Herrmann, Rechter sowie Pfarrer Paul Sattler, der viel Authentisches aus seinem eigenen Erleben in einem totalitären Staat den Schülerinnen und Schülern vermitteln konnte. Dass dieses Thema auch bei Erwachsenen auf großes Interesse stieß, bewiesen vier Mitglieder des Elternbeirates, die sich spontan entschlossen hatten, die Gelegenheit zu nutzen und ebenfalls nach Mödlareuth mit zu fahren. "Es hat sich wirklich gelohnt!", so die einhellige Meinung. Dank gebührt dem Elternbeirat auch für die finanzielle Unterstützung der Reise und die spürbare Entlastung der Eltern.

In den kommenden Wochen und Monaten, wird Ihnen und uns allen das Thema ohnehin in den Medien häufig begegnen, feiern wir doch am 3. Oktobere 2015 den 25 Jährigen Jahrestag der Wiedervereinigung. Um die begonnenen Recherchen weiter zu führen und die Aktualität des Themas auch im neuen auf zu greifen, werden die dann 6. Klässler in einem Deutsch/Geschichte Projekt ihre Nachforschungen vertiefen, dann begleitet von drei interessanten Jugendbüchern, in denen Kinder im geteilten Deutschland die Hauptrollen spielen.

Im folgenden Bericht fassen Clara und Julia aus der Klasse 5b ihre Eindrücke des Besuches in Mödlareuth zusammen:

"Am 29.07.2015 besuchten wir das Dorf Mödlareuth in der Nähe von Hof. Mitten durch dieses Dorf ging früher die Grenze zwischen DDR und BRD. Am 9. Dezember 1989 wurde die Mauer durchbrochen und am 17. Juni 1990 ganz abgerissen. Fast ganz, einen Teil ließ man stehen, damit man Menschen – wie uns – die die Zeit der Teilung Deutschlands nicht miterlebt haben, zeigen kann, wie schlimm diese Grenze für die Menschen damals war.

Um ca. acht Uhr begannen wir unseren Ausflug. Dazu trafen wir uns in der kleinen Aula, in der alle fünften Klassen des Albrecht-Ernst-Gymnasiums auf ihre Busse warteten. Herr Schmalisch teilte ein Aufgabenblatt „Deutsch-Deutsches Museum in Mödlareuth “ aus, indem wir die Fahrtstrecke einzeichnen und mehrere Fragen beantworten konnten. Nach einer dreistündigen Busfahrt erreichten wir „ Little Berlin“. Dort angekommen schauten wir einen kurzen Film, der uns einen kleinen Überblick über das Dorf und seine Geschichte verschaffte. Anschließend durften wir uns frei im Dorf bewegen. Das Dorf mit ungefähr 50 Einwohnern hat zwei Museen. Im Gelände standen zahlreiche Informationsschilder, auf denen wir viel Interessantes zu den Anlagen lesen konnten. Mit diesen Informationen konnten wir die Lücken unseres Aufgabenblattes vervollständigen. Uns wurde klar, wie schrecklich es für die Dorfbewohner gewesen sein musste, dass sie sich z.B. nicht einmal mehr grüßen durften. Deshalb machten die Dorfbewohner geheime Zeichen aus. Neben der Grenzmauer befand sich ein Beobachtungsturm, den man sogar besteigen konnte. Eine weitere Bewachungsmaßnahme war die „Hundelaufanlage“. Die Hunde wurden dazu an ein 80 Meter langes Seil angehängt. Sie bewachten so die Grenze. Wenn jemand flüchten wollte, bellten die Hunde laut auf. Nun liefen wir in Richtung Fahrzeugmuseum. Dort standen zahlreiche alte Autos und Panzer. Unter anderem gab es einen Panzerspähwagen, von dem es weltweit nur noch zwei Exemplare gibt. Er diente zur Absicherung des Baus der Grenze. Außerdem befand sich dort auch ein Grenzpfosten der DDR. Interessanterweise ist Mödlareuth auch heute noch geteilt: Es gehört zu zwei Landkreisen, besitzt zwei Bürgermeister, hat zwei Telefonvorwahlen, zwei unterschiedliche Ortsschilder…. Das liegt daran, dass der Tannbach früher die Grenze zwischen DDR und BDR war, heute ist er die Grenze zwischen den Bundesländern Bayern und Thüringen. Aber die Folgen dieser Teilung sind doch ganz anders. Jetzt können die Menschen sich frei bewegen und über die Grenzen gehen bzw. fahren, sie dürfen frei ihre Meinung äußern usw. Mittlerweile waren wir fast drei Stunden in dem kleinen Dorf und traten langsam den Rückweg an, aber mit viel mehr Informationen. Weil wir die Vergangenheit nun besser kennen, können wir die Gegenwart besser verstehen. So steht es auch auf einem Plakat in Mödlareuth."

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