Sie sind hier: Startseite / News / Top sets, dress code und personal development

Top sets, dress code und personal development

StRin Anita Hönle berichtet von ihrer Hospitation am Exmouth Community College im südenglischen Devon.

 

Das Exmouth Community College in Devon, Südengland, ist eine sogenannte Comprehensive School – vergleichbar mit einer Gesamtschule im deutschen Schulsystem –, zählt mit circa 2500 Schülern zu den größten Schulen Europas und ist damit etwa dreimal so groß wie das Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen. Es umfasst sieben Jahrgangsstufen und führt seine Schüler von Year 7 zum GCSE in Year 11 bzw., sofern sie die Schule nach dem GCSE nicht verlassen, bis zu den A Levels in Year 13.

Zu Beginn ihrer Schullaufbahn am Exmouth Community College in Year 7 werden die Schüler in sogenannte tutor groups eingeteilt. Anders als am A-E-G verbleiben die Schüler für den Unterricht in den verschiedenen Fächern jedoch nicht grundsätzlich innerhalb einer tutor group; vielmehr werden für jedes Fach assessments durchgeführt, anhand derer die Schüler gemäß ihren Fähigkeiten einer bestimmten Lerngruppe zugewiesen werden, von den work-based groups für students with special needs / learning difficulties, in denen lediglich die Grundlagen unterrichtet werden und die mit besonderen Fördermaßnahmen (spezielle Kurse, Einsatz von teaching assistants, Unterstützung durch das Learning Support Centre) verbunden sind, bis hin zu den top sets für die leistungsstarken Schüler.

In den Jahrgangsstufen 7 bis 9 haben die Schüler neben Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen (z. B. Französisch, Spanisch, Deutsch), Geographie, Geschichte, Religion, Informatik, Kunst, Musik und Sport auch Unterricht in technology, einem Fach, das annäherungsweise einer Kombination aus Werkunterricht und Hauswirtschaft entspricht. Anders als am A-E-G, wo Latein verpflichtend als erste oder zweite Fremdsprache belegt werden muss, ist Latein ein Fach, für das besonders begabte Schüler ausgewählt werden. Auch die Praxis in Keystage 4 ist anders als am A-E-G: In den Jahrgangsstufen 10 und 11 müssen die Schüler zwar noch ein Kerncurriculum verpflichtend belegen, das aus Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik, Religion und Sport besteht, dürfen aber aus den anderen Optionen mindestens drei weitere Fächer selbst wählen.

Am Exmouth Community College gibt es einen dress code für Schüler und Lehrer: Jeans sind nicht erlaubt. Schüler bis einschließlich Year 11 sind verpflichtet, ihre Schuluniform zu tragen und sich an andere, ihr Äußeres betreffende Vorschriften zu halten; so sind grelle Haarfarben und Makeup sowie Schmuck untersagt.

Der Schultag am Exmouth Community College beginnt um 08.30 Uhr mit 15 Minuten registration time innerhalb der tutor group, die z. B. der Überprüfung des Zustands der Schuluniform und des homework diaries und anderen organisatorischen Aufgaben dient. Die folgenden Schulstunden dauern jeweils 60 Minuten; zwischen den einzelnen Stunden haben die Schüler jeweils 5 Minuten Zeit, um sich in das Klassenzimmer zu begeben, in dem ihre nächste Unterrichtsstunde stattfindet. Lediglich am Mittwoch, der mit 30 Minuten Zeit für registration and personal development beginnt, dauern die Unterrichtsstunden nur 55 Minuten. Der Sc

hultag endet in der Regel um 15.00 Uhr; danach haben die Schüler die Möglichkeit, sogenannte extra curricular activities zu belegen, wie z. B. caving, rock climbing, cycling, art, drama, music, dance, computer club, oder German club. Zudem verfügt das Exmouth Community College über Schulteams in Rugby, Fußball, Cricket und American Football.

Ermöglicht wurde mir meine Hospitation an der englischen Schule durch Frau Baumann vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) in Bonn in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, durch unsere Schulleiterin, OStDin Langer, und vor allem durch den Einsatz des Koordinators für Internationale Austauschmaßnahmen am A-E-G, OStR Hüttinger. Von britischer Seite zeichnet neben dem Schulleiter, Mr Alexander, die englische Lehrkraft Julia Boswell verantwortlich, die mich umfassend betreute und bei der ich auch untergebracht war; dank ihres großen Engagements konnte ich in verschiedenen Klassen im language department, aber auch im religion department hospitieren und mithilfe einer pupil pursuit auch einen Schultag einer Year 9-Schülerin miterleben.
Die Hospitation ermöglichte es mir, gute Praxis in verschiedenen Bereichen zu vergleichen und zu reflektieren. Besonders interessant war es für mich, Unterrichtseinheiten in der gleichen Jahrgangsstufe und im gleichen Fach bei verschiedenen Lehrkräften und / oder auf verschiedenen Leistungsniveaus zu beobachten und einem Elternabend beizuwohnen. Schulpersonal und die Schulleitung zeigten sich mir gegenüber stets sehr entgegenkommend und hilfsbereit und machten mir deutlich, dass ich ein willkommener Gast war.
Fachlich äußerst interessant fand ich die von mir beobachteten Religionsstunden zu Themengebieten wie Schöpfung und Evolution, Eschatologie, Philosophischer Ethik und Bioethik. Das Exmouth Community College hat nämlich keinen konfessionellen, sondern für alle Konfessionen und Religionen einen gemeinsamen Religionsunterricht auf christlicher Basis. Umso überraschender war es für mich, dass in vergleichbaren Jahrgangsstufen großenteils dieselben Themen wie am A-E-G unterrichtet werden und dass die Religionsstunden auf allgemein christlicher Basis dem konfessionellen Religionsunterricht am A-E-G thematisch sehr ähnlich sind.

Während ich in den Religionsstunden eine reine Beobachterrolle einnahm, konnte ich mich in vielen Französischstunden in den Unterricht einbringen, sei es als „französischsprachiger Ausländer“, dem die Schüler Informationen in der Fremdsprache entlocken mussten, sei es als unterstützende Lehrkraft, die in Gruppen- und Einzelarbeitsphasen die Rolle eines zweiten Lernberaters einnehmen konnte.
In Frau Boswells Deutschstunden stand ich der Klasse als Muttersprachlerin für Fragen zur Verfügung. In Year 11, 12 und 13 arbeitete ich viel mit einzelnen Schülern, um sie in der mündlichen und schriftlichen Textproduktion zu fördern. Zudem versuchte ich, den Schüler durch mitgebrachte authentische Materialien wie den Text aktueller Charthits und Erzählungen über Deutschland, Oettingen und das A-E-G einen positiven Eindruck von Deutschland zu vermitteln und sie so für die Teilnahme am Schüleraustausch und das Deutschlernen zu motivieren.

Die Hospitation hat sich für mich fachlich, aber auch persönlich als sehr gewinnbringend erwiesen. Ich habe einiges gelernt und einen neuen Blickwinkel auf manches Althergebrachte gewinnen können.

Anita Hönle, StRin (E/F/K)