Sie sind hier: Startseite / News / Täglich ein Freibad voller Bier?

Täglich ein Freibad voller Bier?

Der Q11-Wirtschaftskurs besichtigte die Oettinger Brauerei.

 

Unser Q11 - Wirtschaftskurs hatte am Dienstag, den 20. März 2012, die Gelegenheit unsere Oettinger Brauerei besichtigen zu können. Dabei wurden uns in einer 2-stündigen Führung von Frau Sandra Sandmaier viele Informationen über die Geschichte und die Produktion des Oettinger Biers vermittelt.

Die Brauerei kam 1937 von Fürnheim aus nach Oettingen und hat sich dort niedergelassen - damals mit 8 Mitarbeitern und einer Produktion von 6000 hl im Jahr. Als Vergleich: Heute kommt sie immerhin schon auf 8 Millionen hl im Jahr, bei fünf Standorten und insgesamt 1100 Mitarbeitern - davon allein 450 in Oettingen !

Zu Anfang durften wir erstmal außerhalb der Gebäude die verschiedenen Malzlager und Gärtanks besichtigen. Diese waren jeweils erstaunliche 20 Meter hoch! Jeder aus dem Wirtschaftskurs hatte natürlich sofort den gleichen Gedanken: Kapazitätenerweiterung -> mehr Lager auf gleicher Fläche. Auch die Malzlager waren groß, denn jeden Tag werden zehn bis zwölf LKW-Ladungen Malz übernommen. Diese großen Mengen sind notwendig, da jeden Tag 10.000-12.000 hl Bier produziert werden! Zum Brauvorgang an sich sind dank der modernen Technik nur vier Brauer notwendig - das hat uns dann doch sehr erstaunt. Jedoch muss jeder Brauer, der dort ausgebildet wird, erstmal in Fürnheim das traditionelle Brauen lernen, da aktuell alles von Computern gesteuert wird. Jeder weitere Produktionsabschnitt wird durch das Labor überprüft und somit wird sichergestellt, dass keine Keime oder andere Schädlinge im Bier enthalten sind. Trotz allen Kontrollen ist es möglich, 60.000 Flaschen pro Stunde zu produzieren. Diese Mengen an Bier brauchen natürlich auch entsprechende Lagerkapizäten - für welche allerdings gesorgt ist: Es gibt insgesamt 38 Tanks in denen insgesamt 360.000 Liter Platz finden, was wiederum 27 LKW-Ladungen entspricht! Und es ist Lagerraum für 700.000 Kästen voll mit Getränken vorhanden. Diese reichen bei gutem Wetter zwei bis fünf Tage, bei schlechtem bis zu sieben Tagen. Doch trotz der großen Lagermöglichkeiten muss der Produktionsleiter genau planen, wie viel er produziert, da zum einen bei Bier ja eine gewisse Vorlaufzeit nötig ist - zwischen 6 und 12 Wochen - und außerdem der Konsum von der Jahreszeit abhängig ist. So kann es schon einmal vorkommen, dass der Konsum innerhalb einer Woche um ein Drittel ansteigt! Außerdem sind im Angebot der Oettinger Brauerei 21 Biersorten und 8 Limonadesorten enthalten, welche nicht alle gleichzeitig hergestellt werden können.

Ein weiteres interessantes Detail für uns Wirtschaftler war die Diskussion über die Art der Verpackung des Bieres. Dosen zum Beispiel werden nur für den Export in das Ausland genutzt. Plastikflaschen hingegen werden möglicherweise in Zukunft auch in Deutschland eingesetzt, doch hierzu laufen noch Studien. Auch bevorzugen viele Konsumenten die Glasflasche, da sich in ihr der Geschmack besser hält und das Getränk länger frischer bleibt.

Ein weiterer Aspekt war der Wasserverbrauch. Hierbei ging es natürlich nicht nur um die Kosten, die Wasser verursacht, sondern auch um die ökologischen Aspekte. Ein großer Teil des Wassers wird aus einem 200 Meter tiefen Brunnen gefördert, der Rest von der Firma Rieswasser bezogen. Das Problem bei Leitungswasser ist der Härtegrad, weswegen das Wasser erst einmal entkalkt werden muss, um dann für das Brauen und die Reinigung der Anlagen verwendet werden zu können. Doch durch moderne Techniken wurde der Wasserverbrauch für die Produktion eines Hektoliter Biers von 25 Hektoliter auf 5 Hektoliter gesenkt. Auch wird Wasser durch eine eigene Kläranlage geschickt, um anschließend für die Waschanlage der LKWs verwendet zu werden.

Danach kam ein sehr wichtiger Aspekt der Oettinger Brauerei, sozusagen der Leitgedanke. Die Firma verzichtet gänzlich auf TV-Werbung und betreibt auch kein Sponsoring. Außerdem benutzt sie einheitliche Kästen, verwendet keine Rückenetiketten oder bedruckte Kronkorken, was alles eine Kosteneinsparung bedeutet, die komplett an die Kunden weitergegeben werden - durch niedrige Preise.

Auch das Lager haben wir besichtigt: Dort werden 200 LKWs pro Tag beladen und ausgesandt. Diese liefern direkt an die Discounter und andere Läden, d.h. es gibt keine Zwischenhändler, welche die Preise wieder erhöhen würden. Doch nicht nur in Deutschland kann man das Oettinger Bier kaufen - mittlerweile ist es in 68 Ländern dieser Welt erhältlich!

Alles in allem war es eine sehr interessante Betriebserkundung, durch welche unser Kurs endlich mal Wirtschaft live erlebt hat und nicht nur theoretisch im Unterricht.

 

Janek Wonner

 

Bilder...