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Ein Land mit vielen Gesichtern

Studienfahrt nach Siebenbürgen 2016

 

Das Schuljahr begann für einige Schüler und Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe gleich mit einem Höhepunkt. 22 Jungen und Mädchen machten sich mit Herrn Sattler und Frau Fürstenau auf den Weg nach Rumänien. Vom Schulleiter Herr Schmalisch, der die letzten Jahre immer bei der Kulturreise dabei war, dieses Jahr wegen seines neuen Amtes aber nicht mitreisen konnte, wurden wir persönlich verabschiedet und mit sehnsuchtsvollen Augen bei der Abfahrt verfolgt. Nach siebenstündiger Fahrt erreichten wir um 23.00 Uhr Wien, wo wir uns das nächtliche Schloss Schönbrunn ansahen und uns die Beine etwas vertraten. Um 3.00 Uhr nachts war der erste Höhepunkt der Reise – ein Nachtspaziergang durch Budapest. Wer einmal um diese Zeit an der Donau entlangmarschiert und durch die beleuchtete Stadt, die niemals schläft,  schlendert, der verliebt sich augenblicklich in diese. (Bilder...)

Gegen Morgen, nachdem die Sonne über der Puszta aufgegangen und Nebelschwaden über die Ebene gezogen waren, erreichten wir Rumänien. Der nette Grenzwärter ließ vereinzelt Schüler schlafen und kontrollierte diese nicht, was sich als großes Glück herausstellte, da einer der Jungen in Rumänien feststellte, dass er seinen Ausweise zu Hause vergessen hatte. Dieser wurde dank unseres Busfahrers auf Irrwegen nach Herrmannstadt gebracht, da eine Ausreise sonst sehr schwer geworden wäre. Gleich hinter der Grenze wurde Geld (in Rumänien zahlt man mit Leu und Bani) gewechselt und der erste rumänische Supermarkt unter die Lupe genommen. Herr Sattler spendierte allen ein Frühstück und einige probierten auch den für Rumänien typischen „Baumstriezel“, so dass alle gestärkt und einigermaßen ausgeschlafen die wunderbare Landschaft und die Straßendörfer Rumäniens betrachten konnten. Herr Sattler gab immer wieder interessante Hinweise und Informationen. So erfuhren die Schüler, dass sehr viele Rumänen Selbstversorger sind, die alle etwas Ackerland bewirtschaften und ein paar Tiere halten. Da der Verdienst bei vielen Arbeitern nur bei etwa 200-300 Euro liegt, ist dies notwendig um zu überleben. Mittags erreichten wir schließlich das Hotel Belvedere in Klausenburg. Hier hatten alle die Möglichkeit sich etwas frisch zu machen, bevor es zu einer kurzen Stadtführung ins Zentrum und anschließend zum Abendessen ging. Leider fing es zu regnen an und da auch alle von der langen Busfahrt müde waren, ging es frühzeitig ins Hotel zurück. Dort logierte auch die rumänische Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Florentina Olar, die Stürmerin, unterhielt sich länger mit uns und erzählte, dass am darauffolgenden Tag ein Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft war, welches dann auch von einigen der Gruppe aufmerksam im Fernsehen verfolgt wurde. (Bilder...)

Am nächsten Tag stärkten sich alle bei dem vielfältigen Frühstücksbuffet und fuhren anschließend zur Salina Turda. In der Saline wurde früher Salz abgebaut. Mittlerweile ist sie lediglich eine Besucherattraktivität, wobei wir bei einer Führung in die Geheimnisse des Salzabbaus eingeweiht wurden. Besonders der unterirdische See und die große Höhle mit den schillernden Salzwänden waren sehr beeindruckend. (Bilder...)

Nach weiteren drei Stunden Fahrt, die uns langsam in die Heimatgegend von Herrn Sattler brachte und wo man immer mehr die siebenbürgische Prägung erkennen konnte, erreichten wir Schäßburg. Hier ging Herr Sattler vor vielen Jahren auf das Gymnasium. Zur Begrüßung kam die Sonne hervor, so dass wir trockenen Fußes zur Bergkappelle spazieren konnten, wo wir eine Führung mit interessanten Informationen erhielten. So erfuhren wir, dass jede Familie in der Kirche immer eine gefüllte Vorratstruhe hatte, damit sie sich bei Gefahr in die Kirche zurückziehen konnten. Die Truhe waren so geformt, dass der Deckel wie eine Wiege war, in die man die Säuglinge legen konnte, damit alle Erwachsenen mithelfen konnten, die Stadt zu verteidigen. An Herr Sattlers Schule vorbei marschierten wir seinen früheren Schulweg. Der Siebenbürger ließ für uns noch einmal die Vergangenheit aufleben und erzählte spannend aus seiner Kindheit. (Bilder...)

Am Abend bezogen wir schließlich die Pension Saxonia in Rosenau und gingen dort in ein typisch rumänisches Lokal mit Bären und Schafsfellen an den Wänden und einer einheimischen Speisekarte. Nach dem langen Tag genossen alle den gemeinsamen Ausklang und die Schüler freuten sich über die große und mit Sofas ausgestattete Eingangshalle in der Pension, da sie hier im Warmen einen gemütlichen Abend verbringen konnten.

Am nächsten Tag zeigte sich uns das Wetter nicht wohlgesonnen. Bei strömenden Regen und wenigen Grad über 0 bekamen wir von Mirella eine Stadtführung durch Kronstadt. Da einige Schüler sehr froren, gab die Stadtführerin dem bibbernden Paul ihren Pullover und sorgte so für allgemeine Erheiterung. Bei der Besichtigung der schwarzen Kirche (die eigentlich gar nicht schwarz ist!), erfuhren wir, dass die vielen muslimischen Gebetsteppiche, die die Kirchenwände untypischerweise zieren, Geschenke waren. Muslime die eine lange Reise bewältigt hatten, gaben der Kirchengemeinde als Dank ihre Gebetsteppiche. Nach der Stadtführung hatte jeder Zeit sich etwas aufzuwärmen und sich für die Weiterfahrt nach Tartlau zu stärken. Hier besichtigten wir eine Kirchenfestung, in der bei Gefahr alle Leute der Stadt Schutz finden konnten. Die vielen Schießscharten und Pechnasen begeisterten die Schüler und auch die Kirche in Kreuzform, die in der Mitte der Burganlage steht, fand großen Anklang. Hier wurde Herr Sattler seiner Rolle als Pfarrer gerecht und hielt gleich zwei Predigten, die von den Schülern brav, aber auch mit einem kleinen Schmunzeln verfolgt wurden. Da das Wetter nach wie vor schlecht war, fuhren wir mit dem Bus zwar noch zu einem Luftkurort in den Bergen, der geplante Spaziergang wurde jedoch gestrichen. Trotzdem hatte man von oben einen schönen Blick auf Kronstadt und es wurde wieder deutlich, wie vielfältig Rumänien ist. (Bilder...)

Nach einem Abend zur freien Verfügung fuhren wir am nächsten Tag zur Törz-Burg, die auch als Dracula-Burg Transilvaniens bekannt ist, wobei Herr Sattler unserer Illusion des Draculas zerstörte, da der Graf Dracu, der als Vorbild für den „Dracula“ gilt, nur sehr wenig mit der Romanfigur gemeinsam hatte. Trotz dieser Tatsache ist die Burg sehr sehenswert, da sie nahezu jährlich ihren Besitzer wechselte und dementsprechend oft neu gestaltet wurde, so dass die Burg völlig verbaut und verwinkelt ist. (Bilder...)

Mittags fuhren wir in die Karpaten. Über enge Serpentinen erreichten wir einen Aussichtspunkt auf über 2000 Metern Höhe, von wo aus man einen fantastischen Einblick in die Bergwelt Rumäniens erhielt. Bei einem kurzen Stopp hatten alle die Möglichkeit, Fotos zu schießen und die nähere Umgebung zu erkunden. Einer der Schüler wollte die Natur besonders intensiv in sich aufsaugen, so dass er sich in den eiskalten Bergbach setze. Bei 0 Grad Außentemperatur sorgte er für große Erheiterung, hatte aber das Glück, dass die Koffer im Bus waren und er sich gleich umziehen konnte. Nach 15 Minuten am Aussichtspunkt hatten uns die Wolken komplett in Nebel gehüllt. Wir fuhren zwar den Pass noch weiter bergauf, doch es war keinerlei Sicht mehr und fing sogar an zu schneien. Jeder war froh, dass wir im warmen Bus sitzen konnten und nicht im Schneegestöber unterwegs waren. (Bilder...)

Gegen Abend erreichten wir dann das Hotel Römischer Kaiser, das mitten  in der Fußgängerzone von Hermannstadt liegt. Dort bekamen wir von Winnie, ebenfalls einem Siebenbürger, eine Stadtführung, wobei wir neben den verschiedenen Rathäusern und dem Theater auch die evangelische Kirche und die Lügenbrücke besichtigten. Anschließend hatten alle Zeit, Essen zu gehen und die Stadt noch auf eigene Faust zu erkunden. Einige Schüler probierten eine rumänische Delikatesse, Schnitzel mit Hirn, während andere McDonalds oder Subway bevorzugten.

Am Donnerstag verbrachten wir den Vormittag im Freilichtmuseum. Dort waren verschieden Häuser ausgestellt, die man von innen und außen besichtigen konnte. Hier wurde noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Siebenbürger und die Rumänen gebaut haben und worauf die einzelnen Stämme, die in Rumänien seit Jahrhunderten friedlich zusammenleben, Wert legen. Zudem gab es Häuser verschiedener Berufsgruppen, zum Beispiel von Müllern, Kerzengießern oder Drechslern. (Bilder...)

Am Nachmittag zog es die Schüler in das große Einkaufszentrum, wo sie nach Herzenslust shoppen gehen durften. Gegen Abend führte uns Herr Sattler noch zur Orthodoxen Kirche und auf den Stadtmarkt. Am Stadtmarkt bekommt man neben Obst und Gemüse aller Art auch Wurst, Käse und Selbstgemachtes aus Holz, Weiden und Ähnlichem. Aber auch lebendige Tiere und Kleidung werden dort angeboten. Wir schlenderten durch den Markt und überlegten, was wir am letzten Tag alles einkaufen wollen.

Am Freitag machten alle ihre letzten Besorgungen und verbrauchten die letzten rumänische Leu und Bani, bevor es auf die lange Heimfahrt ging. Bis zur Grenze fuhren wir durch die wunderschöne Gegend Rumäniens, die nahe der Grenze wieder lieblicher wird. An der Grenze wurden wir genau kontrolliert. Alle mussten den Bus verlassen und sich aufstellen, während der Bus durchsucht wurde. Nachdem wir uns in Ungarn noch einmal mit Gulaschsuppe und Schnitzel gestärkt haben, ging es zügig auf der Autobahn Richtung Heimat. Um 7.00 Uhr erreichten wir nach 21 Stunde Fahrt wieder Oettingen. (Bilder...)

Die Woche, die vollgestopft von neuen Eindrücken war, wird uns sicher immer in Erinnerung bleiben und einige haben sich fest vorgenommen, Rumänien noch einmal zu besuchen, da es unmöglich ist, in einer Woche dieses vielfältige, schöne und interessante Land zu erforschen.

Wir bedanken uns herzlich bei den beiden Busfahrern Alfred und Werner, die uns sicher und ruhig viele tausende Kilometer gefahren haben und natürlich bei Herrn Sattler, der uns mit seiner Liebe zu Rumänien viele unvergessliche Momente beschert hat.