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Reisetagebuch - Fahrt durch die Vergangenheit mit Blick in die Zukunft - lesen und gewinnen

Eine Reise durch vier Länder nach Siebenbürgen. Sie können hier jeden Tag die Reise in der Heimat miterleben. Wenn Sie dabei auch noch das Rätsel lösen, können Sie sogar etwas gewinnen. Drei Preisträger erhalten jeweils Gutscheine für vier Mittagessen bei Frau Saulich. Sollten mehrere richtige Lösungen eingehen, entscheidet das Los. Mitmachen können alle Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Geschwister, Oma, Opa und wer Lust hat. Also dann, bis bald, mittlerweile wieder in der Heimat nach der Reise nach Siebenbürgen.

1. Tag:

Nach 20 Stunden endlich in Klausenburg angekommen! Dazwischen haben wir schon eine Menge erlebt. Die Fahrt führte durch vier Länder und deren Geschichte. Das Kaiserreich Österreich-Ungarn begegnete uns zuerst in Wien. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges gehörte auch Siebenbürgen dazu. Schloss Schönbrunn ließ etwas von der Pracht dieser Zeit, in der auch Sissi und Franz-Josef regierten, erahnen. 
Wer unserer Leser kann schon von sich sagen, nachts um vier durch Budapest spaziert zu sein?
Wir können es. Die weltberühmte Vaci utca war nahezu menschenleer, neben dem Cafe Gerbaud, dem ersten Cafehaus in Europa, wurde eine Hochzeit gefeiert, und manche von unseren Mädchen erschraken über die Preise für Schuhe: 23.000.- Sie hatten nur vergessen, dass dies in Forint angegeben war. Wer wissen will, wie viel das in Euro ist: umrechnen. Ein Euro  sind 260 Forint!
Über zwei der neun Brücken Budapests führte unser Spaziergang. Eine davon ist eines der berühmtesten  Bauwerke Ungarns, die Kettenbrücke, zugleich die älteste der neun Brücken. Vergeblich suchten wir die Zungen der riesigen Löwen, die die Brücke bewachen. Der Künstler hatte sie vergessen und brachte sich deswegen um.
Der Initiator der Brücke, die 1849 eingeweiht wurde, erhielt gleich neben ihr ein großes Denkmal. Kein Wunder gilt der doch als der "größte Ungar". Um ihn dreht sich auch unsere erste Rätselfrage: Wie heißt der Initiator der Brücke, der als der "größte Ungar" bezeichnet wird? Notieren Sie den Nachnamen!

Von der Brücke aus war im Dunkeln das meist fotografierte Bauwerk Ungarns, das riesige Parlament ebenso zu erahnen wie die St. Matthiaskirche, in der u.a. auch Sissi und Franz Josef zur Königin und zum König von Ungarn gekrönt wurden. Entlang der Donau, in der sich die Lichter der Gebäude reizvoll spiegelten ging es zurück zum Bus.

Danach führe die Fahrt weiter Richtung rumänische Grenze. Der Weg zog sich und die Augenlider wurden immer schwerer. Als sie sich wieder öffneten und die Sonne aufging, hatten wir Rumänien fast erreicht. Nach der Grenze wollten alle möglichst schnell Geld wechseln. Bald war der günstigste Wechselkurs gefunden und das kollektive Tauscherlebnis konnte vonstatten gehen. 4,48 Lei für einen Euro, da musste man einfach zuschlagen.
"Die Landschaft ist wunderschön, aber Leben möchte ich hier nicht", war eine der Stimmen, nach den ersten Kilometern in Rumänien. Die Ausläufer der Karpaten empfingen uns gleichsam mit zwei ausgebreiteten Armen, die sich immer enger um uns schlossen und wunderbare Landschaftsbilder darboten. Auch das  typisch siebenbürgische Gebäck, der berühmte Baumstriezel, konnten wir dank Pfarrer Sattler beim ersten Halt verkosten. Die Schönheit der Landschaft stand aber oft im Kontrast zu den vielen Bauruinen die die Straße säumten. Das "Restaurant Diplomat" hatte zwar schon einen Namen und ein Hinweisschild, aber kein Dach. 
Einen herrlichen Blick über die Stadt Klausenburg bietet sich von unserem Hotel Belvedere aus, in dem wir die erste Nach verbringen werden. Der Fußmarsch nach einer Ruhepause führte uns zielstrebig in eine architektonisch sehr ansprechend gestaltete Pizzeria, wo wir unseren Hunger stillen konnten.
Jetzt heißt es ausschlafen, denn morgen waren neue Abenteuer hier im Land der Siebenbürger Sachsen.

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2. Tag

Der erste Blick nach dem Aufwachen aus dem Fenster: Graue Wolken hängen über Klausenburg und Nieselregen tröpfelt auf das Blechdach. Gerade heute, wenn die lange Fahrt herrliche Blicke über die wunderbare Landschaft Siebenbürgens bieten soll. Dann erst mal frühstücken. Köstlicher Schafskäse, Salami, Spiegeleier und und und... Der Magen ist gefüllt, die Koffer sind gepackt und beim Verlassen des Hotels hellt sich die Stimmung ebenso auf wie der eben noch graue, regenverhangene Himmel. Als wollte sie uns willkommen heißen liegt die weite Hügellandschaft nach dem Verlassen der Stadt vor uns, gewährt und immer neue herrliche Blicke in ferne Täler, in denen sie schützen kleine Dörfer birgt, auf Schaf-, Ziegen- und Kuhherden, die auf den unendlich weiten Grashängen weiden. Dem Betrachter bieten sich alle Eindrücke, die dieses Land so einzigartig machen. Eben noch die riesigen Einkaufszentren am Rande der Stadt, jetzt kleine Dörfer, in denen das Leben, so scheint es. nicht von Terminen und dem Treiben der Uhr bestimmt wird, sondern von einem natürlichen Rhythmus, der auch viel Zeit für Gespräche und Begegnungen vorsieht. Hartnäckig führen kleine Pferdefuhrwerke einen, wenn auch wohl aussichtslosen Kampf, gegen riesige Lkw´s und moderne PS-strotzende Karossen und zwingen ihnen für Momente ihre Geschwindigkeit auf, wirken ihre Ziele, kleine schmale Äcker, die wie vor langer Zeit mit viel Handarbeit bewirtschaftet werden, fast unwirklich in der weite der Landschaft ebenso wie die vielen Rohbauruinen, neben modernen Neubauten, die scheinbar völlig frei von architektonischen Vorgaben stil-los keine Möglichkeit bieten werden, Identität und Tradition bilden zu können, wie es den trotz des zunehmenden Verfalls immer noch stolz wirkenden und von dem ehemaligen reichen Leben zeugenden Häuser der Siebenbürger Sachsen gelingt.

Hektisches Treiben der Großstadt reißt aus den Gedanken. Die mächtige Orthodoxe Kirche in Tirgu Mures thront unübersehbare in der Mitte der Stadt. Autos hetzten ununterbrochen ebenso wie Fußgänger, Mädchen mit gleichen Röcken und Jungen mit schwarzen Hosen und weißen Hemden fallen auf. Es ist erster Schultag und man sieht, Schuluniformen können auch sehr ansehnlich sein. Aus einer Seitengasse dringt köstlicher Duft von frischem Gebäck auf die Straße. Heißer Langos mit Schafskäse, in Fett gebackener Hefeteig, schmeckt köstlich, macht satt und ist in diesem Land ein Muss. Straßencafés und exquisite Läden sind Zeugen des modernen Rumänien, graue, uniforme Plattenbauten immer noch von der kommunistischen Vergangenheit. Wenige Kilometer später öffnet sich wieder die Weite der Landschaft und man muss aufpassen um nicht in nostalgische Schwärmerei zu verfallen, angesichts des Eindrucks der scheinbar stehen gebliebenen Zeit. Eine mächtige Kirchenburg die plötzlich in einem abgelegenen Tal hinter einer Kurve erscheint, ist ein Zeuge einer sehr ereignisreichen Vergangenheit, als die Kirchen Zufluchtsort vor herannahenden Feinden boten. Die Kirche in Birthälm, Weltkulturerbe und 300 Jahre lang Bischofssitz, beherbergt zahlreiche Besonderheiten in ihren wehrhaften Mauern. Die Kanzel, aus einem Steinblock gehauen, die wertvollen orientalischen Teppiche, das berühmte Schloss mit 19 Riegeln aus dem 16. Jahrhundert an der Sakristeitür, das auch auf der Weltausstellung im Jahr 1900 zu bestaunen war und ein kleines Häuschen neben der Kirche, in dem streitsame Eheleute zwei Wochen eingeschlossen wurden und mit einem Löffel, einer Gabel (Messer wurde vorsorglich keines zur Verfügung gestellt), einem Stuhl und einem Bett auskommen mussten. Die Therapie war so wirksam, dass über mehrere Jahrhunderte nur eine Scheidung zu verzeichnen war. Ein Blick von oben auf das trotz des Touristenstroms beschauliche Dorf und genaues Hinhören: Ein Hahn kräht, ein Hund bellt, sonst nichts, wohltuende Ruhe ohne Autolärm, Musik, laute Gespräche .... Aber Verweilen geht nicht, der nächste Termin wartet, noch ein Blick auf die älteste Apotheke Rumäniens, in der eine deutsche Inschrift den Giebel ziert, dann geht es weiter ins von Siebenbürger Sachsen gegründete Schäßburg. Der Schulweg von Pfarrer Sattler führte jeden Tag steil nach oben. Kurzer Halt an der Büste des Raketenpioniers Herrmann Oberth, dann durch das Tor des Stundturms auf die Burg. Eine Tafel mit dem Namen „Vlad Dracul“ , der hier einmal gewohnt haben soll, erregt das Interesse der Jugendlichen und Desillusionierung, als sie erfahren, dass es einen Vampir gleichen Namens nie gegeben hat. Sie lernen den eigenen bequemen Schulweg zu schätzen, nachdem sie die 176 Stufen zum Joseph Haltrich Lyzeum bewältigt haben. Zahlreiche Kunstschätze finden sie in der berühmten Bergkirche, auch den Altar und das Taufbecken aus Schaas, der Heimatgemeinde Pfarrer Sattlers. Die Wolken haben sich wieder verdichtet, Regentropfen treffen auf die Scheiben des Busses, die Landschaft verengt sich immer mehr. Die passende Stimmung für die Fahrt durch den Geisterwald. Die Karpaten kommen immer näher und damit auch Kronstadt. Das Ziel ist erreicht und das Abendessen im neu errichteten „Hermanns-Hof“ verdient. Ein junger Unternehmer verfolgt mit dem Projekt in einem imposanten sächsischen Hof ein ehrgeiziges Ziel. Aber auch hier gilt wie im ganzen Land: Es bleibt noch viel zu tun! Der ereignisreiche Tag findet nun in der Pension „Saxonia“ in Rosenau seinen Abschluss. Morgen wartet sicher wieder interessante Erlebnisse auf unserer Exkursion durch das Burzenland.

Die zweite Rätselfrage führt noch einmal nach Schäßburg. An welchem Fluss liegt diese Stadt (deutscher Name)?

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3. Tag

Kronstadt begrüßt uns mit viel Sonne. Eine ganze Taubenarmada hat sich zu unserem Empfang auf dem Marktplatz eingefunden. Eine Krone auf einem Baumstamm mit dreizehn Wurzeln: das Wappen Kronstadts. Damit er von Angreifern nicht erkannt wurde, legte ein König der Legende nach seine Krone auf einem Baumstamm ab, genau dort, wo später Kronstadt vom Deutschen Ritterorden gegründet wurde und heute das Rathaus steht. Die dreizehn Wurzelenden bezeichnen die dreizehn Gemeinden des Burzenlandes. Eine der vielen interessanten Informationen ´über die Geschichte Kronstadts, mit denen der Vormittag gefüllt war. Dazu gehörte natürlich auch ein Besuch in der „Schwarzen Kirche“, ein Muss für alle Kronstadtbesucher. Dass der glücklich ist, der Geld für andere gibt, wussten auch die Kronstädter schon vor drei- und vierhundert Jahren. Nicht nur, dass sich die Zünfte gegenseitig unterstützten, reichere den ärmeren halfen, zum Dank für die gesunde Heimkehr von Handelsreisen spendeten sie der Kirche wertvolle osmanische Teppiche. Mit über 150 Exemplaren beherbergt die Kirche nach Istanbul die zweitgrößte Sammlung. Den wertvollsten bezifferte unsere Stadtführerin immerhin auf 500.000 Euro. Vielleicht beäugen deshalb die zahlreichen Ordnungshüter misstrauisch jede Bewegung der Besucher. Für eine Kirche eine etwas befremdende Erfahrung. Siebenbürgen, das Land der Kirchen und einer interessanten Kirchengeschichte, in der der Holunder eine besondere Rolle spielt. Vor dem deutschsprachigen Gymnasium gegenüber der Kirche zeigt sich mal wieder, wie wichtig eine humanistische Bildung ist. Wer den lateinischen Begriff für „Holunder“ weiß, kennt auch den Namen des großen Reformators Siebenbürgens, der eigentlich Johannes Austen hieß. Weil ihn ein Holunderstrauch einmal vor dem Ertrinken gerettet haben soll, nahm er den neuen Namen an. Wieder eine schöne Legende, die sich Besuchern schön erzählen lässt und bei ihnen hängen bleibt, was auch dieser Text beweist. Viel bemerkenswerter als diese Geschichte ist aber die Tatsache, dass in diesem 1500 km von Luthers Heimat entfernten Siebenbürgen, bereits 1547 die Reformation abgeschlossen war. Bedenkt man einmal die damaligen Reisebedingungen und Informationsverbreitungsmöglichkeiten wird es noch erstaunlicher, wie schnell der gesuchte Reformator, die neue Lehre von Deutschland in seine Heimat brachte und dort auch umsetzte.

Die Rätselfrage für den dritten Tag lautet also: Unter welchem Namen wirkte jener Johannes Austen in Siebenbürgen als Reformator und großer Humanist?

Weil Kirchenburgen soviel von der Geschichte des Landes erzählen, darf ein Besuch in der berühmtesten nicht fehlen. „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gut Wehr und Waffen“, nirgends wird dieser Satz Luthers einem so plastisch vor Augen geführt wie in Tartlau. Für über tausend Menschen bot die mächtige Anlage Schutz vor herannahenden Feinden und Belagerern. Jede Familie besaß zwei Kammern, eine für Vorräte und eine zum Wohnen und auch hier galt, dass die wohlhabenderen die ärmeren im Notfall unterstützen. Auch eine Schule und Handwerkskammern waren eingerichtet. Schießscharten und Pechnasen in den hohen Schutzmauern zeugen von der Wehrhaftigkeit und über die Toiletten die von hoch oben direkt ins Freie führten konnten sogar die Körperausscheidungen noch als „Waffen“ verwendet werden. Und inmitten des Ganzen die Kirche, die nicht nur zur geistlichen Erbauung sondern in Notzeiten auch als Schlafraum diente. Erspürte man innerhalb der Kirchenmauern etwas von der Not der Menschen der vergangenen Zeiten, so hielten einem die zahlreiche bettelnden und verwahrlosten Kinder vor der Kirche rücksichtslos die Not und das Elend der Gegenwart vor Augen.

Beklemmende Beobachtungen der Armut im Tal, Symbole des Luxus auf dem Berg. Großzügige Hotelanlagen, schicke Villen, exklusive Restaurants – man erhält dort auch in der Umgebung geschossenes Bärenfleisch – mehrere Seilbahnen und Lifte, olympische Abfahrtspisten und Loipen im Winter, das alles bietet der Ort Schulerau oberhalb von Kronstadt und es zeigte sich, dass schon ein Ball und eine Kinderschaukel genügt um 14jährige glücklich zu machen. Doch es nützte nichts, wir mussten wieder hinab ins Tal, wo morgen ein besonders aufregendes Abenteuer auf uns wartet.

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4.Tag

Die Karpaten kommen immer näher, Felswände jenseits der Baumgrenze sind zu erkennen. Einzelne Kühe weiden allein gelassen am Straßenrand und hinter ihnen ragen riesige neue Hotels zu beiden Seiten der Straße in die Höhe. Niemand ist zu sehen. Das ändert sich, je weiter die Straße in den kleinen Ort führt. Nach einen weiteren Kurve erscheint sie plötzlich. Rechts und links bilden steil ansteigende Wälder ein enges Tal und in der Mitte versperrt auf einem hohen Felsen thronend die mächtige Burg des Grafen Dracula den einzigen Weg. Unweigerlich tauchen die gruseligen Erinnerungen an den britischen Horrorfilm mit Christopher Lee aus dem Jahr 1958 auf. Die Bilder decken sich, stellt man sich diese Burg in einer mondlosen Nacht vor, wenn Nebelschwaden um Mauern und Türme ziehen und die dumpfen Schreie der Eulen die Nacht durchdringen.
Dass sich mit solchen Vorstellungen gute Geschäfte machen lassen, beweist das Dorf aus Souvenirshops, das am Fuß des Burgberges entstanden ist.

Wieder sind zahlreiche Treppen zu überwinden, bis man Schloss Bran betritt. Enge, verwinkelte Gänge führen in kleine Räume, deren Einrichtung sich meist spartanisch auf wenige Möbel beschränkt. Zahlreiche Schautafeln erklären rumänisch und englisch sehr ausführlich die Geschichte der Törzburg, den Stammbaum des blutrünstigen Vlad III.Tepes, der nach der Art, wie er seine Feinde töten ließ auch „der Pfähler“ genannt wird und zum Draculamythos insgesamt. Während die begleitenden Lehrkräfte sich nervenstark die vielen Informationen in aller Ruhe zu Gemüte führten, schien der Gruselfaktor bei den Schülern ziemlich hoch gewesen zu sein, suchten sie doch möglichst schnell wieder zum Ausgang zu gelangen. Vielleicht lag es ja auch an den gezeigten Marterwerkzeugen, die vor allem zur Folter von als Hexen verschriehenen Frauen benutzt wurden.

Zwischen Souvenir und „Fast Food“ Ständen fühlten sie sich sichtlich wohler. Auch eine gesunde Variante testeten einige und ließen sich einen gekochten Maiskolben mit Salz sichtlich schmecken, während andere mit ihrer rumänischen Kreation eines Schnitzel-Pommes-Döner doch eher unglücklich drein blickten. Jedenfalls waren alle gestärkt für die Fahrt nach Herrmannstadt. Wieder ging es durch eine herrliche, abwechslungsreiche Landschaft. Intensiver Kartoffelanbau und das flache Land erinnerten auf den ersten Kilometern nach Kronstadt an das Ries, nur die Erntemethode unterscheidet sich und ist meist sehr personalintensiv und erinnerte die Erwachsenen an die mühsame, Rücken und Knie beanspruchende Arbeit in der Kinder- und Jugendzeit. Kartoffelfeuer weckten sofort alle gespeicherten Sinneseindrücke: Das Knistern des verbrennenden Kartoffelkrauts in den Ohren, die rauchige Luft in der Nase, die in den Augen brannte und der köstliche Geschmack, der im Feuer gebratenen Kartoffeln auf der Zunge. Nach fast jeder Kurve warteten neue Landschaftseindrücke. Weite unbewirtschaftete Landstriche, dominiert von verdorrtem Gras -  seit Mai hat es nicht mehr geregnet – sind nur von einsamen Schafherden und ihrem Hirten bevölkert. Je näher es Richtung Herrmannstadt ging, desto mehr Mais war auf den Feldern zu sehen, dessen Kolben teilweise mit modernen Maschinen teilweise aber auch noch mit Hand  und einem Pferdewagen geerntet werden. Die moderne Zeit hat längst auch in Herrmannstadt Einzug gehalten. Riesige Einkaufszentren westlicher Firmen begrüßen die Ankommenden am Stadtrand. Eine Fülle an interessanten Details erfuhren sie dann in einer sehr informativen und zugleich unterhaltsamen Stadtführung, angefangen von den geheimen Kornkammern auf dem großen Ring, der im Boden an der Stelle, an der ein junger Student bei den Demonstrationen 1989 erschossen wurde, eingelassenen Gedenktafel, der barocken Nepomukstatue, die in einem Hinterhof ein vielen unbekanntes Versteck gefunden hat, wo sie der Beseitigung durch die Kommunisten entging und seitdem auf einen neuen angemessenen Platz wartet, bis zu der lateinischen Inschrift über dem Portal des Bruckenthal-Gymnasiums.

Dazu die heutige Rätselfrage: Wie lautet die Übersetzung der Inschrift? (Ist auf einem der Bilder zu sehen)

Dass der Turm der Evangelischen Kirche nicht der höchste in Siebenbürgen ist, ist einer List der Bürger von Bistritz geschuldet. Vor dem Turmbau schickten die Herrmannstädter drei Gesellen dorthin um den bis dahin höchsten Turm zu vermessen. Sie taten dies mit einer Schnur, die 76 Meter auswies. Die gastfreundlichen Bistritzer gaben den Gesellen vor der Heimreise reichlich zu essen und noch mehr zu trinken, so dass diese nicht merkten, dass man drei Meter der Schnur abschnitt. Daheim angekommen übergaben sie das Maß und man baute den Turm 73 Meter hoch, so dass die Bistritzer bis heute den höchsten Kirchturm in Siebenbürgen besitzen.
Da etwa 96 Prozent der Rumänen orthodoxen Glaubens sind, durfte der Besuch der orthodoxen Kirche nicht fehlen. Ungläubiges Staunen war bei den Jugendlichen zu erkennen, als sie erfuhren, dass die Gottesdienste bis zu vier Stunden dauern, und da keine Bänke oder Stühle vorhanden sind, dies auch noch im Stehen. Warum sind die Wehrtürme der Stadt aus Ziegeln und nicht aus Bruchsteinen gemauert? Weil Bruchsteine im Gegensatz zu Ziegeln beim Auftreffen von Kanonenkugeln splittern und so Menschen verletzen konnten, war eine militärtechnische Information, die die Schüler an den Zunfttürmen der Wehrmauer bekamen. „Warum sind die Türme in Kronstadt aber mit Bruchsteinen gemauert,“ lautete die kluge Nachfrage eines Schülers, „weil die Stadt nahe an den Karpaten so oft überfallen wurde, dass die Bewohner keine Zeit hatten, Ziegel herzustellen und zu brennen,“ die kompetente Antwort des Stadtführers, die die lehrreichen und kurzweiligen zwei Stunden beendete.

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5.Tag

„Wer hat´s erfunden?“ Nutzung der Wind- und Wasserkraft, effektive Antriebssysteme, ein Leben von, aber vor allem mit der Natur. In Europas größtem Freilichtmuseum wird für Jugendlich sichtbar, dass Vieles, was heute neu diskutiert wird, von unseren Vorfahren längst erkannt und verwirklich wurde. Die Dächer der Häuser geben Zeugnis davon, wie der Reichtum der Natur vor Ort genutzt wurde, Reet, Stroh oder Schindeln, das Material des jeweiligen Lebensraums. Kunstvoll geflochtene Weidenzäune boten kostenlosen Schutz. Die Früchte der Natur wurden geerntet und verwertet. Die verschiedenen Öl- und Weinpressen zeigen in ihrer stetigen Weiterentwicklung auch welch handwerkliches Geschick die Menschen haben mussten. Das Wort „Wegwerfgesellschaft“ war ihnen unbekannt. Die menschliche Arbeitskraft war billig, das Material wertvoll, deswegen verwendete man das, was in der Umgebung vorhanden war. Die Zeiten haben sich geändert, ein Reetdach ist heute nahezu unbezahlbar. Ausgestellte Gerätschaften sind auch eine Sammlung ausgestorbener Berufe. Einen Wagner, Sattler, Müller werden die Schüler wohl nie bei der Arbeit beobachten können.
“Ubi caritas et amor deus ibi est.“ Die Töne verklingen in der wunderbaren Akustik der Michelsberger Burg. Nur noch Überreste der Anlage aus dem 12. Jahrhundert mit einem herrlichen Blick ins Land und über das einstmals von Siebenbürger Sachsen bewohnten Ort sind vorhanden. Einige wagten den steilen Anstieg und wurden nicht nur mit der Aussicht, sondern auch mit dem Gesang der beiden Lehrer belohnt.
Enge Gassen, in denen zahlreiche Pferdewagen den Weg kreuzen und ein moderner Omnibus immer noch wie ein Fremdkörper wirkt, prägen das rumänische Hirtendorf Risinar. Außerhalb hat die Natur Vorrang. Wir müssen stehen bleiben, eine große Schafherde überquert die Straße. Der Hirte: in der einen Hand den Hirtenstab, mit der anderen das Handy am Ohr. Die Moderne lässt sich nicht aufhalten. Bald wird auch hier die hektische Allverfügbarkeit die letzten Winkel erreicht haben. Land und Menschen werden sich verändern.

Beim Betreten des einzigartigen Wochenmarktes in Herrmannstadt beginnt es zu regnen. Der Natur wird es gut tun, wir suchen Schutz in der Käsehalle. Sofort streckt man uns Proben entgegen. Schafskäse natur, gesalzen, geräuchert, Speck...  wir probieren. „Das schmeckt ja klasse, den Speck muss ich mitbringen!“ „Ich auch, den mag mein Vater bestimmt!“ „Ich werde morgen von dem Käse einiges einkaufen und dazu die roten Zwiebeln für meine Mutter.“ „Hast du die Berge an Auberginen gesehen?“
Die Planungen für den letzten Vormittag werden gemacht, Einkaufstag und Abreisetag. Schade, dass die Woche schon fast zu Ende ist.

 

Die heutige und zugleich letzte Rätselfrage lautet: Wie heißt Europas größtes Freilichtmuseum in der Nähe von Herrmannstadt?

Wer alle Fragen richtig gelöst hat, schickt die Antworten bitte in einer mail an schmalisch@gymnasiumoettingen.de 
Einsendeschluss: Mittwoch, 26. September 2012

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