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Gladiatoren, ein Schlafprofessor und Swag

In ihrer Projektwoche beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen mit dem Thema "Der Mensch". Das Lernen hat Spaß gemacht und die Ergebnisse waren beeindruckend

Man weiß, dass Lernen dann am besten gelingt, wenn es von Neugier angetrieben, von Interesse geleitet, individualisiert und durch Selbstaktivität geschieht.
Dass so lernen auch noch Freude macht, erlebten die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen während ihrer Projektwoche. Nicht Latein, Deutsch oder Mathematik stand auf dem Stundenplan, sondern das Thema "Mensch", das die Schüler selbst ausgewählt hatten. Zu den fünf Unterthemen "Wo kommen wir her? Die Entstehung des Menschen", "Meine Sprache-deine Sprache", "Das Alltagsleben der Römer", "Der Mensch in Zahlen" und "Der Mensch in der Nacht - Schlafen und Träumen" forschten, recherchierten, diskutierten, exzerpierten die Kinder in klassenübergreifenden Gruppen, um am Schluss die Ergebnisse präsentieren zu können. Und das nicht nur vor ihren Mitschülern an zwei Vormittagen, sondern auch vor Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden, die sie selbst zu einem Abend in die Aula eingeladen hatten.

Diese waren nicht nur von den interessanten Ergebnissen, sondern auch von der für Kinder der 5. Klasse erstaunlich kreativen, souveränen und abwechslungsreichen Präsentation beeindruckt. Da die Vorstellung aller Gruppen den Zeitrahmen gesprengt hätten, hatten die Schüler selbst zwei Präsentationen aus jedem Themenbereich für den Elternabend ausgewählt. Die Ergebnisse der anderen Gruppen konnten die Gäste in einer umfangreichen Ausstellung bestaunen.

Auch die Moderation des Abends hatten die Schüler selbst übernommen. Sehr charmant und eloquent führte Hannah Bettinger (5a) durch das Programm, in dem die Gäste zum Beispiel erfuhren, dass schon bei den Römern die Lehrer nur ein geringes Ansehen hatten und schlecht bezahlt wurden. Außerdem wusste das "Römerteam", dass es damals nur Ganztagesschulen gab. Wie es dort zuging, zeigten sie in einem selbst geschriebenen Theaterstück. Auch auf passende Kostüme und detailgetreue Requisiten, wie in der Woche gebastelte Wachstafeln, legten die Schülerinnen dabei großen Wert. In die raue Männerwelt der Römer entführte das "Jungen-Team" die Zuschauer. Informativ, humorvoll und mit dem Einsatz moderner Präsentationstechnik erläuterten sie die Ausstattung der römischen Soldaten und alles Wichtige zu den Superstars der damaligen Zeit, den Gladiatoren. Zum Abschluss wurde sogar ein Gladiatorenkampf vorgeführt und Kaiser "Benedictus" überreichte dem Gewinner den Siegeskranz.
In die Gegenwart des Albrecht-Ernst-Gymnasiums wurden die Gäste von den beiden "Zahlengruppen" zurückgeholt. Diese hatten in der Woche eifrig gemessen, gezählt, befragt, gerechnet und Diagramme erstellt. Ein solches gab Auskunft über die Krankheitstage in den einzelnen Jahrgangsstufen. Das interessante Ergebnis lautete: "Wir in den 5. Klassen sind die Gesündesten!" Tatsächlich offenbarte das Diagramm, dass Schüler mit zunehmendem Alter auch immer krankheitsanfälliger werden. Am ausgezeichneten Essen im A-E-G kann es nicht liegen, denn das schmeckt. Schließlich werden unter anderem täglich 5 Kilogramm Leberkäse und monatlich über 30 Kuchen und 1500 Käsestangen verdrückt. Dass Blonde etwa 40.000 Haare mehr auf dem Kopf haben als dunkelhaarige, wusste die zweite Zahlengruppe. Erstaunt waren die Zuhörer, als sie in einer hervorragend aufbereiteten Präsentation erfuhren, dass die Lunge ausgebreitet die Größe eines Tennisplatzes einnimmt, wir so viele Gehirnzellen besitzen wie der Regenwald Blätter und man mit 70 Jahren ca. ein Jahr auf dem "stillen Örtchen" verbracht hat.
Mit der grundlegenden Frage "Wo kommen wir eigentlich her?" beschäftigten sich ebenfalls einige Gruppen. Dass die Meinung, wir stammen vom Affen ab, ein Irrglaube ist, wurde von den Schülern ausführlich und einleuchtend mit Darwins Evolutionstheorie erklärt. In Anlehnung an den biblischen Schöpfungsbericht hatten einige Schülerinnen eine eigene Schöpfungsgeschichte geschrieben und verfilmt. Darüber hinaus setzten sie auch den Schöpfungsmythos der Mayas in Szene. Wie viele andere Gruppen auch benutzten sie dazu iPads und zeigten, wie schnell, souverän und eigenständig die jungen Schüler die Möglichkeiten dieser neuen Geräte beherrschen und effektiv einsetzen lernen.
Das iPad diente auch als Hilfsmittel für eine besondere Schulhausführung, die die erstaunten Zuhörer erhielten. Gleich dreisprachig, in Japanisch, Chinesisch und Koreanisch wurden die wichtigsten Orte im A-E-G beschrieben und dies taten die Schülerinnen sogar stilecht in Kimonos verkleidet und entsprechend geschminkt. Ruft man in Korea den Namen "Kim", erhält man bestimmt Antwort, denn dies ist dort der beliebteste Vorname für Jungen und Mädchen und auch der häufigste Familienname, wie die jungen Sprachforscherinnen ermittelten. Die Besonderheiten der Jugendsprache untersuchte eine weitere Schülergruppe. Neben den "uncoolsten" Wörtern "endlaser" und "knorke" präsentierten sie mit "Swag" auch das Jugendwort 2011. Menschen, die Sprache nicht sehen können, können sie fühlen, und die sie nicht hören können, können sie sehen. Das ist möglich durch die Blindenschrift und die Gebärdensprache. Auch darüber hat sich eine engagierte Gruppe informiert und sogar einige Sätze in Gebärdensprache eingeübt.

Jeder Mensch verschläft ein Drittel seines Lebens. Deshalb wollten 25 Schülerinnen und Schüler sich auch diesem Teil des menschlichen Lebens widmen, der sonst in der Schule kaum eine Rolle spielt. Sie formulierten zahlreiche Fragen, auf die sie Antworten finden wollten. Warum muss man überhaupt schlafen? Lernt man auch im Schlaf? Wie entstehen Alpträume? Träumen auch Tiere? Träumt man farbig oder schwarz-weiß? Wieso gibt es Schlafwandler? Dies ist nur ein Auszug aus dem umfangreichen Fragenkatalog und auf die meisten Fragen fanden die Schüler interessante Antworten. Das Publikum staunte nicht schlecht, als eine Gruppe ihnen Antworten aus "erster Hand" präsentierte. Sie hatten nämlich ein Telefoninterview mit dem berühmten Schlafforscher Professor Dr. Jürgen Zulley aus Regensburg geführt und z.B. erfahren, dass ausreichend Schlaf für erfolgreiches Lernen unerlässlich ist, dass der Vollmond das Schlafen nicht beeinflusst, man jede Nacht etwa alle 90 Minuten träumt und Tiere auch träumen. Dass das Phänomen "Schlafwandeln" bei Kindern häufiger auftritt als bei Erwachsenen, erforschte eine zweite Gruppe. Auch 34 Prozent der am A-E-G befragten Schülerinnen und Schüler sind schon "schlafgewandelt", erfuhren die "Schlafforscher". Sie konnten die Zuhörer aber beruhigen, denn meistens verschwindet das Phänomen in der Pubertät.

Das Publikum blieb jedenfalls während der ganzen Zeit hellwach, denn die Erwachsenen waren so beeindruckt davon, was Kinder in der 5. Klasse leisten können, wenn - gemäß dem A-E-G Konzept - sie in den Mittelpunkt treten und sich intensiv, selbstständig in Teams, differenziert und mit Interesse einem Thema widmen können, dass sie ihre Anerkennung mit lang anhaltendem Applaus zum Ausdruck brachten. 
Die Schülerinnen und Schüler fragten jedenfalls schon nach der nächsten Projektwoche. Sie haben nämlich erkannt, dass sie so die Gelegenheit hatten, sich nicht nur eine Menge an Wissen anzueignen, sondern auch wichtige Kompetenzen, wie Recherchefähigkeit, Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, Präsentationskomptenz und Kommunikationsfähigkeit. Außerdem hat das Lernen so auch eine Menge Spaß gemacht!

Bilder von der Projektwoche...

Bilder vom Elternabend...