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Eine Woche, die zu schnell vergangen ist!

Eine Woche reisten wir durch Siebenbürgen. Wir haben viel gesehen, viel gehört, viel erfahren, viel erlebt!

 

Eine Nacht voller interessanter Eindrücke, eine Reise durch vier Länder und 22 Stunden Busfahrt liegen hinter uns und wir haben das Hotel Belvedere, hoch über Klausenburg, unsere erste Station erreicht. Der Halt vor Schloss Schönbrunn in Wien und der Spaziergang um drei Uhr nachts durch das trotz der Zeit sehr lebendige Budapest waren gleichsam auch eine Reise in die Vergangenheit und Geschichte Siebenbürgens und seiner Bewohner, gehörte das Land doch bis 1918 zu Österreich-Ungarn. Die Matthiaskirche, die wir im Dunkel im Stadtteil Buda erahnen konnten ist als Krönungskirche der ungarischen Könige und Kaiser Franz Joseph und seiner Sissi ebenfalls teil dieser Geschichte, wohingegen in der weltberühmten "vaci utca", der Prachtstraße Budapests Tradition und Moderne direkt und ständig aufeinander treffen. Das traditionsreiche Café Gerbeaud, mit seiner eindrucksvollen Inneneinrichtung im Stil der Gründerzeit, liegt direkt neben Shoppingmeilen, in denen sich westliche Marken um die besten Plätze streiten. Die altehrwürdigen Schilder, die den Weg zur ältesten elektrischen U-Bahn der Welt weisen, werden angestrahlt von greller Leuchtreklame.
Ohne etwas von ihrem Stolz verloren zu haben, thronen dagegen die vier gewaltigen Steinlöwen auf beiden Seiten der Kettenbrücke und sogar die Preisfrage, was ihnen denn fehle, wurde gelöst: Sie haben keine Zunge. Ein Versehen, dass angeblich den Steinmetz in den Selbstmord trieb.

Als Belohnung für die richtige Antwort gab es in Rumänien eine erste kulinarische Besonderheit: Einen Baumstriezel. Erst noch vorsichtig kostend, waren schnell alle anderen auch auf den Geschmack gekommen und ließen sich das leckere Gebäck mit Blick auf eine herrliche Landschaft so richtig schmecken.
So gestärkt überstanden alle auch die letzten drei Stunden bis zum ersten Ziel problemlos, sammelten erste Eindrücke von den Besonderheiten dieses Landes, um sich nun vor der Erkundung Klausenburgs etwas zu erholen, was auch der Schreiber jetzt noch tun möchte :)

Nach einer erholsamen Nacht mit akkustischem Livererlebnis des Fußballderbys zwischen "U"Cluj und CFR Cluj aus dem nahegelegenen Stadion folgte eine Fahrt durch die herrliche Landschaft Siebenbürgens. Die Sonne strahlte, wir genossen den besten Langos Siebenbürgens in Tirgu Mures und wandelten auf den jugendlichen Spuren Pfarrer Sattlers in Schäßburg. Vor der Erkenntis hatten die Götter aber den Schweiß gesetzt. 176 Stufen führten zum Joseph Haltrich Gymnasium und eine weitere Steigung zur berühmten Bergkirche. In ihr befindet sich u.a. der Altar und das Taufbecken aus Schaas, dem Heimatort von Paul Sattler. 
Dann erhielten wir Gelegenheit etwas zu sehen, was normaler Weise nicht möglich ist. Weil Pfarrer Sattler und Günther Schmalisch im August auf ihrer privaten Reise durch Siebenbürgen auch in Radeln waren, dort Peter Maffay persönlich kennenlernten und entsprechende Verbindungen knüpften, konnten wir jetzt alle in diesem abgelegenen und scheinbar trostlosen Ort uns über das informieren, was die Tabaluga-Stiftung von Peter Maffay für Kinder, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, Gutes tut. Das Konzept ist beeindruckend, denn es wird durch vielerlei Aktivitäten versucht, auch die Bevölkerung des Ortes, vor allem die Kinder und Jugendlichen mit einzubeziehen und ihnen zu vermitteln, wie wichtig Bildung ist, um in der Zukunft ein selbstbestimmtes besseres Leben führen zu können als das, was sie bisher erfahren haben, in dem oft ein noch unreifer Apfel die einzige Tagesration an Nahrung bedeuten kann. Karin Morth, die zusammen mit ihrem Mann die Einrichtung leitet, erläuterte uns das Konzept. Es wurde deutlich, dass man hier versucht, Visionen zu entwickeln und diese auch in die Tat umzusetzen. Jedenfalls war es eine eindrucksvolle Begegnung.

Nun sind wir in Kronstadt, genauer gesagt, in Rosenau bei Kronstadt angekommen und werden uns morgen u.a. in die Burg des Grafen Dracula wagen. 
Sollten keine weiteren Einträge in den nächsten Tagen folgen ist die Geschichte um diesen blutrünstigen Vampir wohl doch kein Mythos :)

Auch wenn mancher nun vielleicht desillusioniert sein wird, die Geschichte um den Vampir Graf Dracula scheint doch nur eine Fiktion zu sein. Wir waren heute im der- wohl aus wirtschaftlichen Gründen - zum "Draculaschloss" erklärten Törzburg und haben den angeblichen Hausherren nicht angetroffen und auch keine Ruhestätte gefunden, in der der lichtscheue Geselle den Tag verschläft. Dennoch haben wir viel über die historischen und literarischen Hintergründe erfahren und gesehen, wie viele Menschen aus aller Welt dieser Mythos in die Törzburg zieht. Die engen, steilen und verwinkelten Gänge waren teilweise wegen Überfüllung nicht mehr passierbar. Weitaus ruhiger und entspannter ging es dagegen in der weltberühmten Kirchenburg in Tartlau zu. Als Schutzraum für die Bewohner des Dorfes vor den herannahenden Feinden war sie über Jahrhunderte wie viele andere vergleichbare Kirchenburgen Sinnbild für die Standhaftigkeit, Glaubensstärke und Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen. In der Kirche der Burg fanden wir Parallelen zur Situation des Volkes Israel während der babylonischen Gefangenschaft. Um die eigene Identität nicht zu verlieren ist die Einhaltung von Regeln und Normen dann besonders wichtig. Dies wird unter anderem auch im ersten Schöpfungstext ersichtlich, wenn die Bedeutung des Sabbats so in den Vordergrund gerückt wird.

Dazwischen lag ein Ausflug auf die ca 1100 Meter hoch gelegne "Schullerau", im Winter ist der Luftkurort als Ski- und im Sommer als Naherholungsgebiet vor allem für die Bevölkerung Kronstadts und darüber hinaus von Bedeutung.

Ein Spaziergang durch die Fußgängerzone Kronstadts gab uns einen Vorgeschmack für die morgige Stadtführung, bevor uns der Weg dann entlang der Karpaten nach Hermannstadt führen wird. Von dort aus dann weitere Reisenachrichten.

Nach der Fertigstellung der vorherigen Zeilen, war gegen 2.00 Uhr aber ein ungewohntes Geräusch zu hören. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte die Befürchtung: Es regnete und zwar in Strömen und das nach strahlendem Sonnenschein und 25 Grad am Tag zuvor. Aber wie bestellt hatte es am Morgen aufgehört und auch die Wolken verzogen sich nach und nach. Nur der Temperatursturz auf 9 Grad hatte zur Folge, dass man in den Koffern tiefer nach etwas Wärmendem durchsuchen musste.
Ein Turm mit vier kleinen Türmchen darauf signalisiert, dass die Stadt einstmals das Recht der Gerichtsbarkeit hatte. Dies erfuhren und sahen wir am Katharinentor in Kronstadt. Ein mehrere Jahrhunderte altes Modell der Stadt in der beeindruckenden Weberbastei führte uns dann die Geschichte und Entwicklung der einstmals bedeutenden Handelsstadt am Rand der Karpaten eindrucksvoll vor Augen. Das Wahrzeichen Kronstadts und der größte Sakralbau Rumäniens ist die "Schwarze Kirche". Eigentlich "Marienkirche" erhielt sie ihren Namen nach einem verheerenden Brand 1689. Handelsreisende stifteten der Kirche in vergangenen Zeiten wertvolle Teppiche, die sie aus dem Orient mitbrachten, als Dank für die glückliche Heimkehr. Wir wissen jetzt auch, dass der Wert eines Teppichs nach der Anzahl der Knoten pro Quadratzentimeter berechnet wurde. Dies erfuhren wir alles von der netten Kirchenführerin namens Iulia, die bestätigte, wie vorteilhaft es ist, Fremdsprachen zu sprechen und in Rumänien gilt dies vor allem für "Deutsch": Weil sie es in der Schule gelernt hat, kann sie sich nun durch Führungen Geld für ihr Studium hinzuverdienen. Dass Bildung von entscheidender Bedeutung ist, erkannte auch schon Johannes Hunterus, der zur Zeit Martin Luthers auch in Deutschland studierte und die Reformation erlebte. Überzeugt von diesen Gedanken brachte er die evangelische Lehre nach Siebenbürgen und bereits 1547 war im ganzen Land die Reformation abgeschlossen. Seine überlebensgroße Statue steht neben der Schwarzen Kirche und mit dem Finger weißt er auf das von ihm gegründete und nach ihm benannte Gymnasium, in dem die Unterrichtssprache Deutsch ist. Die vielen Kinder und Jugendlichen, die sich gerade zwischen Kirche und Schule in der Pause aufhielten, zeigten uns, wie viele die Chance für eine gute Ausbildung nutzen.
Die Wolken verzogen sich immer mehr und haben den Blick frei auf die mächtigen Karpaten, an denen entlang uns unser Weg nach Hermannstadt führte. Auf der einen Seite die Berge auf der anderen die Ebene des "Siebenbürger Rieses" um Fogarasch. Auch hier werden viele Kartoffeln angebaut, aber meist noch in Handarbeit geerntet. 
Das Kloster Brancoveanu  in Sambata de Sus ist der wichtigste orthodoxe Wallfahrtsort in Siebenbürgen. Nicht allzu weit von unserer Route entfernt, nahem wir einen kleinen Umweg in Kauf um diese beeindruckende Anlage zu besuchen. Der Namensgeber Constantin Branvcoveanu wurde 1714 in Konstantinopel hingerichtet, weil es sich weigerte, zum Islam über zu treten. 
Mittlerweile war auch die letzte Wolke verschwunden und die Sonne strahlte wie in den vergangenen Tagen als wir unser letztes Domizil, das Hotel Parc in Hermannstadt erreichten. Ein erster Spaziergang diente zur Orientierung in der europäischen Kulturhauptstadt von 2007. Anschließend hieß es Kräfte sammeln für den morgigen Tag, in dem wir zunächst in die Geschichte des Landes  und dann in das pulsierende Leben Hermannstadts der Gegenwart eintauchen werden.

So war es heute auch. Sowohl Nutzung von Wind- also auch von Wasserkraft - im größten Freilichtmuseum Europas war schnell klar, diese Ideen und das notwendige Können sind nicht erst seit dem Entschluss zur Energiewende von gegenwärtigen klugen Köpfen ausgedacht und eingebracht worden, sondern sie waren schon vor vielen Generationen wie selbstverständlich Realität. Ausgeklügelte Windmühlen- und Wasserrädertechnik halfen im Alltag zu überleben und das alles ohne Computertechnik. Außergewöhnliches handwerkliches Können offenbarten auch die verschiedenen Techniken der Dachbedeckungen mit Schindeln, Stroh oder Schilf, die zugleich erkennen ließen, in welchem Lebensraum die Menschen lebten. Man benutzte das Material, das in der Natur unmittelbar zur Verfügung stand. Kunstvoll geflochtene Weidenzäune, waren nicht nur kostengünstig, sondern auch ein Schmuckstück der Anwesen. Erfindungsreichtum und ein Leben in Einklang mit der Natur bestimmte den Alltag der Menschen in früheren Tagen sicher nicht nur in Rumänien, dies war bei unserem Rundgang immer wieder Gesprächsthema.
Wie sich das Leben auch hier zunehmend verändert, wurde auch bei der Fahrt durch die engen Straßen des rumänischen Hirtendorfes Risinar deutlich. Nur in den Seitenstraßen sind noch ab und zu die ursprünglichen kleinen Hirtenhäuser und der ehemalige Zustand der Straßen zu erkennen. Das Land verändert sein Gesicht. Teilweise wehrt sich das Alte noch vehement gegen das Vergessen und Verdrängen wie die Burg, die über dem ehemals sächsischen Dorf Michelsberg thront. In ihrem Innern versuchten Gedenktafeln verzweifelt die schlimmen Schicksale von Gefallenen des Ersten Weltkrieges, ausschließlich deutsche Namen, vor dem Vergessen zu bewahren und nach wie vor begeistert die wunderbare Akkustik des Raumes, wie ein Paul Sattler und Günther Schmalisch mit einem gesungenen Kanon bewiesen, aber die Lücken fehlender abgebrochener Tafeln und die bröckelnde Schutzmauer um die Burg lassen befürchten, dass es letztlich ich ein vergeblicher Kampf sein wird.
Das Land verändert sich.  Die meisten Straßen sind oder werden (oft schon wieder) geteert. Dadurch wird der Verkehr immer dichter und die zum Bild des Landes gehörenden Pferdewagen geraten immer häufiger zwischen riesige LKW´s und schnell fahrende Autos. Auf der Straße ist bald kein Platz mehr für sie. Man sieht Mülltonnen und Sammelstellen, Blumenschmuck vor allem an den vielen Kreisverkehrsanlagen, übergroße Einkaufszentren und eine rege Bautätigkeit vor allem von Hotels und Restaurants. Bei all diesen Aktivitäten fällt aber oft auf, dass Qualität, Können und Planungsvermögen oft schon den Verfall im scheinbar Neuen produzieren. Eine der häufigsten Beobachtungen nicht nur unserer Schüler: "Warum gibt es hier so viele Bauruinen?"

Nach dem Auftauchen aus der Geschichte folgte gleich wieder ein Eintauchen, diesmal in die Gegenwart des pulsierenden Lebens in Hermannstadt, das spätestens seit es 2007 Kulturhauptstadt war den Anschluss an das moderne Europa gesucht und zum Teil auch schon gefunden hat. Wo man sonst beschaulich über das Schmuckstück der Stadt, den "Großen Ring" schlendern oder sich bei einem Café von der einmaligen Atmosphäre einfangen lassen konnte, machte sich eine mächtige Tribüne breit und versperrten Absperrungen die Sicht. Gleichzeitig beherrschte das Dröhnen aus gewaltigen Lautsprechern weite Teile der Stadt. Tausende junge Menschen sangen und tanzten bei den Auftritten der Stars der rumänischen Rock- und Popmusikszene. Anlass des mit Lasershows inszenierten Open-Air Konzertes war die Verleihung der Media Musik Awards. Nicht weniger lebendig aber mit etwas weniger Lautstärke ging es auf dem Wochenmarkt zu, der wegen seiner unglaublichen Fülle und Vielfalt an Angeboten allein schon die Reise nach Siebenbürgen lohnt. Es gibt nahezu nichts, was es nicht gibt. Die Farben und Mengen an Früchten und Gemüsen sind ein wahrer Augen-, Nasen- und Gaumenschmaus, was auch die Schüler begeisterte. 
So werden wir morgen vor der Abfahrt Richtung Heimat eine letzte "Shopping-Tour" durch den Markt unternehmen und sicher einiges an Schafskäse, Speck, Gewürzen, Zwiebeln, Honig, Wurst und und und... mit nach Hause bringen.

Die Koffer sind gepackt, die vollen Taschen vom Wochenmarkt im Bus verstaut, In wenigen Minuten geht es wieder nach Hause. Die Sonne hat uns in Siebenbürgen begrüßt, während der ganzen Woche begleitet und sie strahlt auch zum Abschied. 
In etwa 18 Stunden sind wir hoffentlich alle wohlbehalten wieder zu Hause!

Die Rückfahrt gestaltete sich wie die ganze Woche problemlos, mit einem schon traditionellen Abschluss beim Essen einer köstlichen Gulaschsuppe im ungarischen Lajosmizse.
Um genau 7:43 Uhr hatten wir dann den Parkplatz am A-E-G erreicht und konnten den Eltern ihre Kinder alle gesund wieder zurückgeben.
Wir bedanken uns besonders bei unseren beiden Fahrern Werner Klusch und Alfred Filp, beide stammen auch aus Siebenbürgen, die uns die ganze Woche freundlich, zuvorkommend und mit großem fahrerischem Können, begleiteten.

 

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