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Mord am Bosporus

Im Rahmen des Comenius-Projektes reiste eine Schülergruppe in die Türkei

Eine Schülergruppe vom Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen drehte zusammen mit vier anderen europäischen Schulen Szenen zu einem Spielfilm in Yalova bei Istanbul. Eingeladen hatte das dortige Anatolische Gymnasium, an dem sämtliche Schüler deutsch lernen, und unterstützt wurde das Projekt im Rahmen von Comenius-Schulpartnerschaften durch die Kultusministerkonferenz.

Die türkische Schule hatte eine antike Sage leicht abgewandelt, die Liebesgeschichte von Hero und Leander, und große Teile bereits in lateinischer Sprache sehr eindrucksvoll verfilmt; diesen Filmteil bekamen die Gäste zum Empfang vorgeführt, bevor sie zu einem vielfältigen Essen in der Schule eingeladen wurden, das die Eltern hergerichtet hatten.

Dann wurde besprochen, welche Szenen noch fehlen, und alle waren natürlich sehr aufgeregt: Würde jeder seine Rolle beherrschen? Und würde jeder die Anweisungen der Regisseurin Funda Arslan kapieren und zu ihrer Zufriedenheit umsetzen? Und wie würde man sich in den Schülerteams zwischen Italienern, Spaniern und Türken verständigen?

Als erstes fuhren alle zur Stadt Iznik/ Nizäa, wo gerade das römische Theater ausgegraben wird. Dank einer Sondergenehmigung durfte dort ein antikes Fest gedreht werden, und sämtliche Projektteilnehmer tanzten in antiken Gewändern. Bei diesem Fest beginnt die antike Liebesgeschichte: Hero und Leander stolpern übereinander, doch verliert Leander dabei ein wertvolles Teil einer Europa-Zauberscheibe. Er kann es zwar schnell wieder finden, wird aber dabei von Schurken beobachtet, die ihn verfolgen und schließlich töten, um ihm seinen Besitz abzunehmen. Doch der Sterbende lässt den Zaubergegenstand im Marmarameer untergehen.

Die Fortsetzung des Filmes spielt in der Gegenwart: Europäische Agenten werden beauftragt, das verlorene Teil zu suchen; dazu musste der türkische Schulleiter sein Direktorat räumen, und StRin Hönle vom Albrecht-Ernst-Gymnasium übernahm die Rolle der Geheimdienstchefin. Ein aus allen beteiligten Schulen zusammengesetztes Agententeam, darunter Vanessa Beck und Hanna Meier von der Oettinger Schule, entdeckte schließlich mit Hilfe der Schulbibliothek die Stelle, an der Leanders Leiche an einen einsamen Strand angeschwemmt worden war; dort suchte man weiter und fand schließlich das Teil der Zauberscheibe: Europa braucht „Unitas“, Einigkeit, war darauf vermerkt, und das Kamerateam war sehr angetan von der professionellen Spielweise aller; es war, als ob die Schüler aus den fünf beteiligten Schulen schon monatelang zusammengearbeitet hätten, und auch die Unterbringung der Gäste in den gastfreundlichen türkischen Familien klappte ohne jede Probleme.

Ergänzt wurden die Dreharbeiten durch gemeinsame Ausflüge: Natürlich besichtigte man in Nizäa die Konzilskirche an der Stelle, wo das christliche Glaubensbekenntnis abgefasst worden war, doch mehr noch beeindruckte die nahe, ebenfalls sehr alte Moschee, denn der dortige Imam sang zu Ehren der internationalen Besucher alte türkische liturgische Lieder unter der klangvollen Kuppel. Und da das Meer zwar noch warm genug für ein kurzes Bad war, aber der Strand doch schon etwas kühler als im Sommer, besuchten alle zusammen „Termal“, die bekannten Thermalquellen Yalovas; dort war es unter den traditionellen Kuppeln des türkischen Bades so heiß, dass man gern im Freibecken schwamm. Auch machten alle zusammen einen Abstecher auf die Prinzeninseln, auf denen die höchste Erhebung immer noch von einem griechischen Kloster eingenommen wird; dort erstaunte die Selbstverständlichkeit, mit der die türkischen Gastgeber in der Kirche beteten.

Auch ein paar Unterrichtsstunden standen auf dem Programm, und die Oettinger konnten den türkischen Schülern gleich die richtige Aussprache deutscher Sätze beibringen. Dabei fühlten sie sich in der Klasse trotz der Schulkleidung fast wie zu Hause – das Verhalten der Mädchen und Buben und der Lehrer unterschied sich nicht von den Verhältnissen in Deutschland, und die technische Ausstattung der Schule war bewundernswert. Trotzdem verließen die Oettinger die Schule nicht ungern: „Unser Schulhaus ist viel freundlicher und wohnlicher!“, erklärten sie.

Die letzten beiden gemeinsamen Tage waren den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten Istanbuls gewidmet, bevor sich die fünf Schulen wieder trennen mussten. Zwischen allen Schulen waren eine Fülle neuer Freundschaften entstanden, und alle waren sich einig: Wir müssen uns bald wiedersehen!

Klaus Karrer

Bilder...