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Mit Blitz und Donner nach Siebenbürgen

Eindrücke und Erlebnisse einer unvergesslichen Reise durch Siebenbürgen

1.Tag

Es war alles wie in den verganenen 10 Jahren. Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Koffer von Alfred in den Bus eingeladen, letzte Infos ausgetauscht, die Eltern verabschiedeten ihre Kinder. Ein letztes Winken und der Bus setzte sich mit 27 Schülerinnen und Schülern sowie Pfarrer Sattler und Günther Schmalisch als Begleitlehrer in Bewegung. Vor Ihnen lag eine etwa 1200 Kilometer lange Reise nach Siebenbürgen. Der Wetterbericht verhieß die ganze Woche sommerliche Temperaturen, wie eigentlich immer, wenn die Oettinger Gruppe in den vergangenen Jahren ihre Reise nach Rumänien antrat. Dieses Mal sollte sich aber zeigen, dass trotz aller Satellitentechnik, die Voraussagen zumindest für den ersten Tag der Fahrt unzutreffend waren. Kaum die Grenze nach Österreich passiert, plätscherten erste Regentropfen gegen die Windschutzscheibe. Dies steigerte sich bis Wien noch, aber die Oettinger ließen sich nicht davon abhalten, vor dem Schloss Schönbrunn einen Halt einzulegen und das imposante Bauwerk, das 1441 Zimmer umfasst und zudem ein 160 ha großer Park und der älteste Zoo der Welt gehört, zu bestaunen. Dazu erhielten sie wichtige Informationen zur Geschichte des von fast 3 Millionen Menschen jährlich besuchten Schlosses. Zu den Bewohnern gehörten neben Kaiserin Maria Theresia, die ja auch Verbindungen zum Oettinger Fürstenhaus hat, und der berühmten Kaiserin Sissi mit ihrem Franz Josef, auch Napoleon und 1961 auch die Präsidenten der USA und der UdSSR, Kennedy und Chruschtschow. Außerdem erhielten die Schüler einen ersten Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge der drei Länder Ungarn, Österreich und Deutschland, die wiederum das Schicksal Siebenbürgens maßgeblich beeinflussten, gehörte Siebenbürgen von 1699 bis 1848 doch zu Österreich und dann bis 1918 wieder zum Königreich Ungarn. Schließlich war es auch ein ungarischer König, Géza II. der vor mehr als 850 Jahren Menschen vor allem aus dem Mittelrhein- und Moselgebiet anwarb. Diese sollten sich in Siebenbürgen niederlassen, das Land urbar machen und die Grenzen gegen Einfälle aus dem Osten am Rand der Karpaten sichern. Natürlich drängte sich bei den Schülern jetzt die Frage nach der Bezeichnung "Sachsen" auf, wenn sie mit dem gleichnamigen Bundesland nichts zu tun haben. Schon der erste ungarische König Stephan I. hatte Gelehrte, Mönche u.a. im 11. Jhdt. aus dem Westen ins Land geholt, um in seinem Volk Wissen, Kultur und das Christentum zu stärken. Diese "Gäste" und "Fremden" wurden in den Urkunden mit dem lateinischen Begriff "Saxones" bezeichnet. Denkt man an die gegenwärtige Entwicklung in Ungarn, kann man sich einer gewissen Ironie der Geschichte nicht erwehren.
Ein erster Höhepunkt der Reise war jedes Jahr der nächtliche Spaziergang durch Budapest. Gerade aus dem Bus ausgestiegen, zuckte ein greller Blitz durch den Nachthimmel, gefolgt von einem gewaltigen Donnerschlag und heftigem Regen, so dass an einen Stadtbummel nicht zu denken war. Regen, Blitz und Donner begleiteten uns bis an die Grenze zu Rumänien. Wider Erwarten verliefen die Grenzübertritte sowohl nach Österreich, nach Ungarn als auch nach Rumänien völlig problemlos und wir bekamen auch keinen einzigen Flüchtling zu Gesicht.
Erst nachdem die Schüler im Grenzort Oradea ihre ersten Lei in Besitz genommen hatten, hellte sich der Himmel auf und die Sonne strahle, gleichsam als ob erst das "Eintrittsgeld" entrichtet werden sollte.
So erhielten alle erste Eindrücke von diesem Land, der wunderbaren Landschaft, den Pferden und Kühen, die mit ihrem Hirten am Wege grasten, den vielen Bauruinen mitten in den Feldern und Wiesen einerseits, dem einfachen dörflichen Leben und den eigenartigen, mit vielen Türmchen versehenen Protzbauten andererseits. Auch eine erste kulinarische Köstlichkeit des Landes, der Kürtőskalács, konnte am Wegesrand gekostet werden. Das Team "Antonia und Lea" hatten nämlich die Rätselfrage "Woher stammt die Bezeichnung "Forint" für die ungarische Währung, als erste herausgefunden und wurde mit "einem Baum, den man essen kann" belohnt. Der "Baumstriezel" mundete so gut, das viele andere die über Holzkohle gebackene Spezialität ebenfalls genießen wollten. So gstärkt schafften wir auch die letzte Etappe bis nach Klausenburg, wo wir unser Hotel "Belvedere" hoch über der Stadt nach 21 Stunden Reise bei Sonne und 27 Grad endlich beziehen konnten. So manch einer wollte versäumten Schlaf nachholen, wurde bald aber durch einen heftigen Knall aus selbigem gerissen. Ein Gewitter stand über der Stadt und heftiger Regen prasselte auf das Blechdach des Hotels. Pünktlich um 16.00 Uhr aber hörte der Regen auf, und nach einigen Informationen von Pfarrer Sattler zur Reiseroute und Geschichte Klausenburgs begann der Abstieg über unzählige Treppen und so mancher erschrack beim Gedanken, dass man selbige auch wieder hinauf müsse. Aber erst einmal tat Stärkung Not und die meisten fanden sie in der La Piazzetta. Die Architektur vermittelt einem den Eindruck, man sitze auf dem Marktplatz eines italienischen Dorfes.
Als sich alle vor dem gewaltigen Reiterstandbild des 1443 in Klausenburg geborenen späteren König von Ungarn, Mathias Corvinus, für den Rückweg versammelt hatten, war auch unser Reisebegleiter wieder da: Der Regen. Die Schritte auf dem Weg zum Hotel verschnellterten sich zusehends, dennoch musste so Manches trockengelegt werden. Bis morgen ist das Reisequipment aber sicher wieder voll einsatzfähig, wenn es dann mit vielen interessanten Zwischenstopps nach Kronstadt am Fuße der Karpaten geht.

Bilder der Reise und des ersten Tages...

2. Tag: Von Klausenburg nach Kronstadt

Eines vorneweg: Wir blieben heute trocken. Der Morgen begrüßte und zwar mit Regen, aber kurz nach dem leckeren Frühstück und der Abfahrt aus Klausenburg hörte er auf und die Schleusen des Himmels blieben den Rest des Tages, jedenfalls, wenn wir den Bus verließen, geschlossen. Der Tag war reich an besonderen Eindrücken und Erlebnissen. Wenige Kilometer nach Klausenburg folgte eine Premiere, denn zum ersten Mal stand das Salzbergwerk in Turda auf dem Reiseprogramm der Studienfahrt. Dieses Bergwerk, in dem  vom 17. Jahrhundert bis 1932 Salz abgebaut wurde, könnte noch 500 Jahre lang die gesamte Menschheit mit Salz versorgen, hörten wir während der Führung. Beeindruckend, genauso wie die unterirdische Welt, die wir nach dem Abstieg über 108 Stufen betraten. Die Wände und der Boden der langen Gänge, alles pures Natriumchlorid. Die am Tag vorher gehörten Fakten zur Geschichte schienen auch hier wieder auf. Franz Joseph, Maria Thersia usw., die einzelnen Bereiche waren nach österreichischen Kaisern und Kaiserinnen benannt. Großes Staunen rief der "Echoraum" hervor. Das berühmte siebenfache Echo am Königssee wird hier nämlich bei weitem übertroffen. Zwei kleine vorspringende Balkone liegen über einem mehr als 100 Meter tiefem gewaltigen Hohlraum, in dem sich das Echo eines Lautes bis zu zwanzig Mal wiederholt. Natürlich wurde dieses Phänomen durch Rufen und Klatschen ausgiebig getestet. Auch Pferde aus Österreich wurden unter der Erde verwendet, um das Salz an die Oberfläche zu befördern. Dass die Arbeiter sich der täglichen Gefahren ihrer Tätigkeit unter Tage bewusst waren, belegete eine Altarnische, ebenfalls aus Salz, vor der sie vor beginn der Arbeit ein Gebet verrichteten. Bizarre Gebilde formte über die Jahrhunderte das Salz auch an der Holztreppe, über die wir dann weiter in die Tiefe stiegen, und in den gewaltigen Dom eintraten. Tief unter uns ein kleiner See auf dem scheinbar winzige Boote schwammen. Der Dom wurde mittlerweile wie ein kleiner Freizeitpark 120 Meter unter der Erde gestaltet. Man kann dort Minigolf oder Billard spielen, Riesenrad fahren, essen, trinken und eben, wenn man ganz nach unten steigt, auch Boot fahren. Dort fehlen einem fast die Worte um die Eindrücke zu beschreiben. Diese gewaltigen Wände, mit wie von Künstlerhand gestalteten Mustern versehen, alles pures Salz, fast unglaublich. Zum Glück gibt es auch einen Aufzug, so dass man die mehreren hundert Treppen nicht auch noch wieder nach oben steigen muss. Bis auf die letzten 108, die bleiben den Besuchern, von denen im Sommer bis zu 5000 täglich kommen, nicht erspart. Wieder am Tageslicht angelangt, waren sich alle einig, dieser Abstecher hat sich wirklich gelohnt.
Gelohnt hat sich auch der Stop in Tirgu Mures ( deutsch Neumarkt), denn dort ließen wir uns eine landestypische Köstlichkeit schmecken. Die herrlich duftenden und ausgezeichnet mundenden Langos waren die richtige Stärkung nach der vergangenen Anstrengung.
Man könnte meinen, Siebenbürgen sei das Land der Treppen. Mehrer hundert Stufen von Klausenburg zum Hotel, mehrere hundert im Salzbergwerk und nun die Schultreppe in Schäßburg. Sie führt zum Joseph Haltrich Gymnasium, in dem Pfarrer Sattler zur Schule gegangen und Abitur gemacht hat. Er musste diese lange Treppe, es sind genau 176 Stufen mehrmals am Tag überwinden, ein ideales Fitnessprogramm. Gleich neben der Schule steht die berühmte Bergkirche, in der u.a. der Altar, vor dem er getauft, konfirmiert und getraut wurde, sowie das Taufbecken aus der Kirche des Heimatortes von Pfarrer Sattler stehen. Eine weitere Besonderheit ist ein Altarbild auf dem "Ursulaaltar", auf dem der Künstler einen Hund so geschickt "versteckt" hat, dass viele lange Zeit benötigen, um ihn zu finden (versuchen Sie es selbst auf entsprechendem Bild)!
Dass aus Schäßburg auch ein ganz berühmter deutscher Wissenschaftler kommt, erfuhren die Schüler beim Stadtrundgang. Hermann Oberth, der Pionier der modernen Raktenantriebstechnik. Er entwickelte die Möglichkeiten des Einsatzes von Flüssigtreibstoff für Großraketen, was maßgeblich zum Bau der Saturn V Raktete beitrug, mit der Menschen 1969 zum ersten Mal zum Mond aufbrachen. Mit zwei Jahren kam der Wissenschaftler, der in Hermannstadt geborgen wurde, mit seiner Familie nach Schäßburg. Er starb 1989 in Nürnberg. Genau zuhörten die Schüler auch, als Pfarrer Sattler vor einem Haus auf dem Burgberg erzählte, dass der gefürchtete Vlad Tepes, genannt "Dracula" hier vier Jahre wohnte. "Dracul" heißt auf Rumänisch "Teufel". Diesen Beinamen gaben dem walachischen Fürsten seine Zeitgenossen im 15 Jahrhundert wegen seiner Graumsamkeit. Er ließ u.a. die besiegten Feinde auf Holzpfähle aufspießen, was zur Bezeichnung "der Pfähler" - "Tepes" führte. Weiteres übermorgen beim Besuch der Törzburg.
Durch die wunderschöne Siebenbürgische Landschaft ging die Fahrt dann weiter u.a. durch den Geisterwald immer näher an die Karpaten bis nach Kronstadt und weiter nach Rosenau, wo die zweite Unterkunft bezogen wurde. Ausgeruht werden wir morgen unter anderem Kronstadt genauer erkunden. Sicher wartet auch dort wieder die eine oder andere Treppe auf uns!

Bilder vom zweiten Tag......

3, Tag Von Kronstadt nach Tartlau und ins Reich des Bären

Endlich strahlte die Sonne am Morgen vom blauen Himmel und sie begleitete uns auch den ganzen Tag. Dennoch dominierte zunächst die Farbe Schwarz. Schwarze Kirche, schwarze Madonna, schwarze Gasse, schwarzes Wasser, schwarzer Turm, diese markanten Besonderheiten charakterisieren Kronstadt in besonderer Weise, wie wir von unserer Stadtführerin Mariella erfuhren. Das Wahrzeichen Kronstadts schlechthin, die "Schwarze Kirche", darf bei keinem Stadtrundgang fehlen. Die Kirche hat ihren Namen durch einen Brand im Jahr 1689 erhalten als die Habsburger Belagerer die Stadt anzündeten. Danach war sie vollkommen rußgeschwärzt. Die Spuren dieses Ereignisses sind bis heute zu erkennen. Für viele einem Wunder gleich kommt die Tatsache, das das Fresko über einem Portal, das u.a. Maria zeigt, als einziges erhalten blieb. Ihr ursprünglich blaues Gewand ist durch den Brand ebenfalls geschwärzt worden, was zur Bezeichnung "schwarze Madonna" führte. Was die Kirche aber besonders wertvoll macht, würde man spontan wohl nicht mit einer Kirche verbinden. Es sind viele orientalische Teppiche, die von Handlungsreisenden zum Dank für eine sichere Rückkehr gespendet wurden. Ein Teil der Sammlung ist in der Kirche ausgestellt.
Eine Stadt musste in den vergangenen Jahrhunderten sich immer wieder den Angriffen verschiedener Angreifer erwehren. Deswegen baute man Stadtmauern. Den Zünften kam dabei die Aufgabe zu, jeweils einen Abschnitt davon zu bewachen und Instand zu halten. Dass die Zunft der Weber in Kronstadt besonders reich gewesen sein musste, erkennt man an der eindrucksvollen Weberbastei -  einem Höhepunkt unserer Stadtbesichtigung. In ihr findet sich ein mehr als 100 Jahre altes detailgetreues Modell der Stadt, an dem sich das ursprüngliche Stadtbild Kornstadts hervorragend erkennen lässt. Eine weitere, damals wenig geachtete Zunft war die der Gerber, die in der "Schwarzen Gasse" angesiedelt waren. Wegen der vielen beim Gerben verwendeten Farbstoffe und der Abwässer, die sie in den Bach damals noch völlig ungeklärt ableiteten, war dessen Wasser nahezu schwarz gefärbt.
Aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart sind immer wieder Bezüge zu Kronstadft herzustellen. So kommen einige wichtige Personen unserer Zeit aus Kronstadt, wie z.B. Günter Bosch, der ehemalige Trainer von Boris Becker und auch sein ehemaliger Manager Ion Tiriac. Auch Peter Maffay wurde ganz in der Nähe geboren, bevor er mit 14 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland auswanderte. Nach so vielen Eindrücken und Informationen stand etwas Relaxen in der Fußgängerzone auf dem Programm, bevor am Nachmittag ein weiteres „Muss“ einer Siebenbürgenreise auf dem Programm stand. Die Kirchenburg in Tartlau, auch UNESCO Weltkulturerbe, dokumentiert wohl am besten, wie konkret für die Menschen in früheren Zeiten das Psalmwort „Ein feste Burg ist unser Gott“ für ihr Überleben war. Bis zu neun Metern dicke Burgmauern, Vorrats- und Wohnkammern für jede Familie boten Schutz und Überleben, wenn Feinde den Ort belagerten. Sogar eine Schule und Handwerkskammern waren eingerichtet. An einigen ausgestellten Gegenständen konnte den Schülern zum Beispiel das ihnen völlig unbekannte "Flachsbrechen" und die Herstellung von Leinen erklärt werden. In der Mitte der Burg errichteten die Menschen die Kirche. Neben dem materiellen Überleben, war es der Glaube, der in allen Nöten Halt und Schutz gab, durch die Nähe Gottes, die durch die Kirche symbolisiert wurde. „Auch heute suchen die Menschen in Notzeiten die Nähe und den Schutz Gottes, daran hat sich über die Jahrhunderte nicht geändert,“ zog Pfarrer Sattler in der Kirche die Verbindung zur Gegenwart. 
Nicht Kirchen, sondern Hotels schießen auf der Schullerau, im Winter ein bekanntes Skigebiet hoch über Kronstadt, wie Pilze aus dem Boden. Die Auffahrt bot immer wieder einen herrlichen Blick über die Stadt und die weite Ebene vor den Karpaten. Pfarrer Sattler und unser Busfahrer wussten allerhand Geschichten über Begegnungen mit Bären in diesem Gebiet zur erzählen, die mittlerweile gelernt haben, dass die weggeworfenen Essensreste und Abfälle in den Mülltonnen wesentlich einfacher zu erbeuten sind, als wildlebende Nahrungsquellen. Wir bekamen leider, oder zum  Glück, keinen zu Gesicht, dafür genossen wir bei der Abfahrt noch einmal den atemberaubenden Blick in die Weite des Burzenlandes.

Bilder vom dritten Tag...

4.Tag Von der "Draculaburg" nach Hermannstadt

Zu einer Reise durch Siebenbürgen gehört natürlich auch der Besuch der Törzburg.  Aber allen, die noch an den Dracula-Mythos geglaubt hatten, musste die Illusion genommen werden, die Burg habe mit Dracula etwas zu tun. Die Lage am Rand der Wälder der Karpaten und das Aussehen ähnelt sehr stark der Beschreibung der Draculaburg in den Vampirgeschichten des Engländers Bram Stoker, weshalb dieses Schloss in Transilvanien schließlich zum „Draculaschloss“ wurde. Die vielen Geschäftemacher und Vampirgläubige mag das freuen. So manchen von uns mag vielleicht dennoch ein etwas mulmiges Gefühl beschlichen haben, als wir durch die engen verwinkelten Gänge mit den knarzenden Treppen gestiegen sind. Die Aussicht von oben ist phantastisch und man kann sich gut vorstellen, dass man Feinde, die durch den engen Pass ins Land eindringen wollten durch die strategisch günstige Lage leicht abwehren konnten.
Wir erreichten jedenfalls alle wohlbehalten, ohne Bissspuren am Hals und nach einem Gang durch die vielen Souvenirstände wieder den sicheren Bus und starteten unsere Fahrt nach Herrmannstadt. Auf dem Weg dorthin entlang der  Karpatengipfel und dann der Ebene um Fogarasch folgte wieder eine Premiere. Wir bogen nämlich von der Hauptstraße ab, um einer ganz besonderen Kirche eine  Besuch abzustatten, was bisher ebenfalls noch bei keiner Gruppe auf dem Reiseprogramm stand. Eine Kirche in einer Ruine ist sicher eine nicht alltägliche Sache. In Kerz ist diese zu sehen. Das schmucke, sehr liebevoll gepflegte Dorf beherbergt nämlich die beeindruckenden Ruinen eines ehemaligen Zisterzienserklosters, die ehemals östlichste Gründung der Zisterzienser. Das es unbefestigt blieb, war es den Angriffen der Osmanen schutzlos ausgeliefert und wurde schließlich Ende des 15. Jahrhunderts aufgelöst.  Der Chor und die Vierung werden aber heute noch für Gottesdienste genutzt. Die Gruppe nutzte das außergewöhnliche Gotteshaus für eine kurze Andacht mit Pfarrer Sattler und es war ein besonderer Moment, als alle gemeinsam  1500 Kilometer entfernt von Deutschland das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ sangen, sogar mit Orgelbegleitung.
Viel über die Vergangenheit und Gegenwart von Hermannstadt, der wohl schönsten Stadt Siebenbürgens, erfuhren wir dann noch während einer sehr kurzweiligen Stadtführung. Auf dem leider wieder durch ein Zelt und zahlreiche Fahrgeschäfte wegen des „Oktoberfestes“ zugebauten herrlichen „Großen Rings“, einem großartigen Platz umgeben von einem beeindruckenden Häuserensemble, wenn man es denn in seiner Gesamtheit genießen kann, erläuterte Stadtführer Winfried die Entstehungsgeschichte Hermannstadts, garniert mit zahlreichen Legenden, und beschrieb die herausragende Bedeutung von Samuel von Bruckenthal für die Geschichte der Stadt. Da wir alle ehrliche Menschen sind, war der Gang auf die Lügenbrücke für uns risikolos. Auch deshalb, weil die Meinung, dass die Brücke zusammenbreche, wenn sie Lügner betreten würde, nur auf Grund des dialektalen Gleichklangs von „Lügen“ und “liegen“, was in Hermanstädter Mundart beides „liechen“ ausgesprochen wird, entstanden ist.
Beim Gang, vorbei am Pfarrhaus wurde Pfarrer Sattler an seine Vergangenheit erinnert, wohnte er während seiner Amtszeit in Hermanstadt doch in dem Gebäude. Die nach der Renovierung endlich wieder zugängliche mächtige evangelische Kirche und das Bruckenthal Gymnasium, in dem Deutsch Unterrichtssprache ist, bilden ein Ensemble, das nur durch den Pausehof getrennt wird. Wie  in anderen Städten auch, waren früher die Zünfte für die Verteidigung der Stadt zuständig. Durch das „Generalsloch“ gelangten wir  zu den noch erhaltenen Wehrtürmen und Resten der Stadtmauer, die davon zeugen, dass jede Zunft, wie auch schon in Kornstadt gesehen, einen Turm und einen Abschnitt der Mauer zu bewachen und in Stand zu halten hatte. In der Heltauergasse,  dem Beginn der sehr belebten Fußgängerzone endete unser Stadtrundgang. Dass in dieser Stadt viel Deutsch gesprochen wird, konnten wir beim Spaziergang durch die Fußgängerzone deutlich hören. Außerdem wurden wir mehrfach in deutscher Sprache auf unsere Herkunft angesprochen. Einmal mehr erkannten wir, dass man das „Oettinger Bier“ scheinbar überall kennt. Ein weiterer ereignis- und erlebnisreicher Tag neigte sich dem Ende zu.  Morgen wartet dann bei hoffentlich ebenso schönen Wetter eine Reise in die Vergangenheit auf uns.

Bilder vom vierten Tag...

5. Tag Vergangenheit und Gegenwart

„Zeig mir dein Dach und ich sage dir, wo du wohnst!“ Dass dies möglich ist, erlebten wir heute im Freilichtmuseum ASTRA bei Hermannstadt, Europas größtes seiner Art. Wir unternahmen bei unserem Rundgang eine Reise in die Vergangenheit Rumäniens. Aus allen Regionen Rumäniens sind Bauernhöfe und Häuser zusammengetragen und wieder aufgebaut worden, die uns die Lebensumstände der Bauern und Handwerker vorstellbar machten. Da im Gegensatz zu heute, das Material teuer und der Arbeitslohn billig war, verwendete man Materialien, die man möglichst vor Ort vorfand. Wer am Wasser lebte, deckte dann eben sein Dach mit Schilf, wer nahe von Wäldern  lebte mit Holz, sprich Schindeln und wer in der Ebene Getreide anbaute eben mit Stroh. Wir erhielten einen Eindruck von der Kleidung, dem Mobiliar, den Gerätschaften und dem Alltagsleben der meist als Selbstversorger lebenden Menschen und beim Betreten mancher Häuser, die einer Einraumwohnung glichen, konnte man trotz der Einfachheit auch die Gemütlichkeit an den Herden, Öfen und Kaminen bei kaltem Wetter erfühlen. Aus vielem, was wir gesehen haben, sprach auch der Erfindungsreichtum und das Können der Menschen in früheren Zeiten. Sie wussten längst vor uns Wasser- und Windkraft zu nutzen und kannten viele Techniken um das, was die Natur ihnen bot, auch entsprechend zu bearbeiten um ihr Überleben zu sichern. Ob es die Gewinnung von Speiseöl,  das Keltern der Trauben, das Herstellen von Geschirr oder das Bauen von Häusern aus Stroh, Lehm und Mist, das einen optimalen Schutz vor Kälte im Winter und Hitze im Sommer bot, all diese Fertigkeiten und das enorme Wissen gehen verloren, wenn sie nicht der nächsten Generation weiter vermittelt werden, weil nahezu alles käuflich zu erwerben ist.
Darüber nachzudenken gab der Rundgang auch Anlass.  
Außerdem galt es ja ein Rätsel aufzulösen. Isabell konnte schließlich als neue Hausbesitzerin die Rückreise antreten. Wir standen einmal im selben Moment zwei Mal vor dem gleichen Haus und Isabell erkannte es als Erste,  dass wir gerade vor dem Haus standen, das auch auf dem 10 Lei Schein abgebildet ist.
Großes fahrerisches Können war gefragt, als wir anschließend durch das ehemalige rumänische Hirtendort Risinar fuhren. Die engen Gassen waren nicht für das Durchfahren mit großen Reisebussen, sondern eher mit Pferdewagen, die uns auch mehrmals begegneten,  geplant. Die Schüler sollten einen Eindruck erhalten von der Bauweise in rumänischen Dörfern und im Gegensatz dazu, wie sächsische Dörfer angelegt wurde, wie sie dann in Michelsdorf sehen konnten. Auch hier gibt es eine Kirchenburg aus dem 13. Jahrhundert. Einige von uns scheuten den Aufstieg nicht und wurden mit einer herrlichen Aussicht belohnt.
Nach der kleinen Rundreise  folgte die Rückkehr in die Fülle des Lebens der Gegenwart, mit einem Abstecher in die riesige Shoppingmeile am Rand von Hermanstadt.
Eine Siebenbürgenreise ohne den Besuch des Wochenmarktes in Hermannstadt ist eigentlich undenkbar. Eine derartige Vielfalt der angebotenen Waren erlebt man nur selten und die Farben der angebotenen Früchte und Gemüsesorten ist ein Fest für die Augen. Überdies gibt es hier alles von der Wasserschildkröte und dem Wellensittich bis zur Kartoffelpresse, Kleidung, Haushaltsgegenstände aller Art, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Gewürze, Honig, Schafskäse und und und….
So mancher Zettel für einen Einkauf vor der Rückreise morgen wurde sicher angesichts des übergroßen Angebots auch zusammengestellt. Das Eine oder Andere wird bestimmt mit nach Deutschland reisen und die Erinnerung an eine einmalige Reise durch Siebenbürgen, die leider morgen zu Ende geht, wach halten.

Bilder vom fünften Tag....

6. Tag Heimreise

Nach einem Besuch des sehenswerten Wochenmarktes oder einem letzten Stadtbummel traten wir die Heimreise an. Die wunderbare Woche war (zu) schnell vergangen!
Problemlos verlief die Fahrt durch Südsiebenbürgen und das Banat. In Deva konnten noch letzte Lei ausgegeben werden, bevor wir dann in Arad rumänischen Boden wieder verließen. Es war ja in den letzten Wochen Einiges über Kontrollen und Staus an Grenzen zu hören. Überraschenderweise und zum Glück, gab es für uns keine Probleme. Ein kurzer Check der Ausweise an der rumänsich-ungarischen Grenze und schon ging es weiter durch die ungarische Tiefebene. Der Stop in Lajosmize ist mittlerweile schon Tradition und die Gulaschsuppe dort ein Genuss und zugleich Stärkung für die letzte Etappe der Reise. Regen begleitete uns auf unserer Herfahrt und Regen empfing uns auch kurz vor Österreich, was uns nun aber nicht mehr belasten konnte, zumal hier an der Grenze nicht mal Grenzbeamte zu sehen waren. Zumindest einige Zelte am Straßenrand deuteten auf die aktuelle Flüchtlingsporblematik hin. Viel Blaulicht, zahlreiche Absperrungen und hohes Personalaufgebot, massiv  war der Eindruck, den die Polizeibeamten auf deutscher Seite dann vermittelten, obwohl sie uns ebenfalls ohne Kontrolle durchwinkten.
Wir waren wieder alle mit vielen Eindrücken und wohlbehalten, wenngleich sicher auch müde zurück. Aber das Wochenende konnte ja zur Erholung genutzt werden und sicher auf für viele interessante Reiseberichte.

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