Sie sind hier: Startseite / News / Mir wurde ein neues Leben geschenkt!

Mir wurde ein neues Leben geschenkt!

Vortrag zum Theme "Organspende" für die Q11 und die K12

 

"Ich möchte erreichen, dass jeder von Ihnen für sich eine Entscheidung trifft, ob ja oder nein, bleibt jedem selbst überlassen." Wie wichtig es ist zum Thema "Organspende" seinen Willen zu formulieren, machte Anton Liebermann bei seinem Vortrag vor Schülerinnen und Schülern der Q11 und der K12 deutlich. Man dürfe die Angehörigen nicht im Unklaren lassen, das wäre "das Schlimmste, was man ihnen antun" könne.
Eindrucksvoll, mit großer Nachdenklichkeit und auch immer wieder mit einem Schuss Humor berichtete Liebermann von seiner "zweiten Geburt". Als 37jährigem wurde ihm geraten: "Geben Sie um Rente ein, wenn Sie Glück haben, erleben Sie es noch." Er lag bereits im Sterbezimmer, als er ihm der letzte Strohalm, eine Herztransplatation, gereicht wurde.
"Mir wurde ein neues Leben geschenkt, aber gleichzeitig war mir sofort klar, dass ein anderer verstorben ist und jemand trauert", erinnert sich der Referent. "Der Tag der Transplantation, den ich seitdem als zweiten Geburtstag feiere, ist unabdingbar verbunden mit dem Tod eines anderen Menschen."
Die Prognosen der Ärzte gingen damals von etwa 5 Jahren aus, "dass ich heute nach 23 Jahren noch lebe, ist ein Wunder", meinte Liebermann. Von 57 Patienten, denen damals in München ein Herz transplantiert wurde, lebe er heute als einziger noch.
"Ich habe mich transplantieren lassen um zu leben", deshalb habe er die Vorgaben, kein Teppichboden in der Wohnung, keine Blumen, Menschenansammlungen meiden - "dann dürfte ich heute auch nicht hier sein" - nur bedingt eingehalten.
Immer wieder gab es aber auch Rückschläge, wie eine Lungenentzündung, die er als erster transplantierter Patient überhaupt überlebt hat. "Diesmal konnten wir Ihnen nicht helfen, diesmal war es der da droben", bestätigten die Ärzte.
Nun ist er im Jahr etwa 30.000 Kilometer unterwegs, um Menschen zum Nachdenken anzuregen und sein Anliegen vorzubringen. Ungefähr 14.000 Menschen stehen zur Zeit auf der Warteliste und täglich sterben sechs Patienten, weil ihnen nicht rechtzeitig mit einem Spenderorgan geholfen werden kann.
Liebermann schilderte anschließend die Prozedur vom Feststellen des Hirntodes über die Entnahme etwaiger Organe bis in zur Transplantation beim Empfänger, der an der zentralen Meldestelle Eurotransplan im holländischen Leiden von einem Computer ermittelt wird.
"Es kann niemand sagen, mich betrifft es nicht", betonte der Referent. "Die Organtransplantation ist die einzige medizinische Disziplin, in der die Ärzte auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen sind."
Ein "neues Leben" bekam vor zwei Jahren auch Wolfgang Rothgang geschenkt als ihm eine neue Niere transplantiert wurde. Auch er bestätigte mit eindringlichen Worten die Bedeutung des Themas, das jeden angehe, zu dem auch jeder sich seine Meinung bilden müsse.