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Lernen im 21. Jahrhundert

Lernen im 21. Jahrhundert - Möglichkeiten und Wege lautete das Thema einer Veranstaltung der "Initiative Lernender Landkreis"

"In den Schulen sind heute die Kinder des 21. Jahrhunderts, sie werden unterrichtet von den Lehrerinnen und Lehrern des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem des 19. Jahrhunderts." Mit dieser Feststellung leitete der renommierte Reformpädagoge und Diplompsychologe Otto Herz sein Referat zum Thema "Auf dem Weg in neue Lernlandschaften" ein.

Der Mitbegründer der Bielefelder Laborschule war Hauptredner der Veranstaltung "Lernen im 21.Jahrhundert - Möglichkeiten und Wege" zu der die "Initiative Lernender Landkreis" ans Oettinger Albrecht-Ernst-Gymnasium eingeladen hatte.

Landrat Stefan Rößle begrüßte die zahlreichen Gäste und betonte die herausragende Bedeutung des Themas "Bildung". "Wir haben in den letzten Jahren als Sachaufwandsträger an unseren fünfzehn Schulen viel investiert, aber es reicht nicht, nur Geld einzusetzen. Die Eltern fordern Qualität ein und die Kinder, die hungrig sind nach Bildung, möchten ihren Interessen gemäß abwechslungsreich lernen." Der Ort der Veranstaltung, das Albrecht-Ernst-Gymnasium, sei ein gutes Beispiel dafür, wie ein modernes pädagogisches Konzept für die Schülerinnen und Schüler auch verwirklicht werden kann. Weil aber Lernen nicht nur in den Schulen geschieht, sei mit der "Initiative Lernender Landkreis" ein Bildungsnetzwerk geschaffen worden, das durch vielfältige Aktionen das Lernen vom Kindheits- bis ins Erwachsenenalter unterstützen und koordinieren möchte. Deshalb dankte Rößle Regionalmanager Klemens Heininger für die ausgezeichnete Vorbereitung dieser Veranstaltung, die von der Streicherklasse 6a, dem Organisten Ludwig Burger und Achim Wunderle,Trompete, musikalisch umrahmt wurde.

"Wir müssen Schule neu denken als Ort, an dem möglichst lange das Zusammenleben aller gelernt und erlebt wird, als Ort der Inklusion – des Einbezugs aller –, an dem „intelligentes“ Wissen generiert wird und Lernen eine positive Erfahrung ist, fasste Otto Herz die Aufgaben, die Schule im 21.Jahrundert hat, zusammen. Die wichtigste Aufgabe, bestehe aber darin, das Zusammenleben zu lernen. "Es ist so wichtig, von klein auf mit der Vielfalt der Menschen in einer Einrichtung gemeinsam zu lernen. Es geht also um Vielfalt in der Gemeinsamkeit – anstatt unterschiedlicher Einfalt.Genau das nennt man heute "inklusive Bildung". Schulen müssten "Musterorte der Nachhaltigkeit sein, in denen Kinder dabei unterstützt werden, Antworten auf Fragen zu finden, die sie selbst haben". Das habe aber auch Konsequenzen für die Rolle des Lehrers. "Der moderne Lehrer, die moderne Lehrerin ist nicht mehr primär ein Informationsspender, sondern ein Begleiter auf dem Weg, Neues zu entdecken." Seine Forderung an die Bildungspolitik  laute: " Es darf niemand verloren gehen, alle Personen haben ein Menschenrecht, ihre Möglichkeiten optimal zu entfalten, und wir sind alle gehalten, das zu realisieren." Heftig kritisierte er in diesem Zusammenhang die sogenannte Normalverteilung bei Klassenarbeiten. " Da gibt es einige, die gut bzw. sogar sehr gut sind, einige sind sehr schlecht und die meisten sind mittelmäßig. Den Lehrerinnen und Lehrern wird hierdurch etwas aufoktroyiert, was sie in eine schwierige Lage bringt. Man kann entweder sagen: "Morgen wird eine Klassenarbeit geschrieben!", oder man kann – gestreut über das ganze Jahr – sagen: "Wenn du deine Sache begriffen hast, dann kannst du sie zeigen." Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich sehr, sehr groß, dass Kinder, dass Jugendliche dann ankommen und sagen: "Ja, jetzt will ich zeigen, dass ich es kapiert habe! Schaut mal, ich kann das jetzt!" So etwas entwickelt eine ganz andere Haltung als dann, wenn man einfach einen Termin setzt und dann Klassenarbeiten schreiben lässt. Und häufig genug sind die Klassenarbeiten auch nur eine raffinierte Form von Fallenstellerei," empörte sich der Referent. Mit dem "A-B-C der guten Schule", kleinen Karten mit kurzen Merksätzen wie "Eine Atmosphäre der Achtung, der Anerkennung und der Akzeptanz aufbauen!" oder "Auf die Lust am Leisten Wert legen und das Loben lieben!", schloss Herz sein engagiertes Referat, das mit viel Applaus bedacht wurde.

"Die neue Schulform der Lernlandschaften bringt für das Bauwesen gravierende Änderungen", stellte anschließend Kreisbaumeister Hans Dunzinger fest, der den Anwesenden die baulichen Konsequenzen für das Lernen im 21. Jahrhundert erläuterte. Zuerst brauche man ein pädagogisches Konzept, dann entsprechend ausgebildete und engagierte Pädagogen und dann könne man die notwendigen baulichen Vorausstzungen schaffen. Diese Reihenfolge sei für ein Gelingen wichtig. An Beispielen machte er anschaulich klar, wie dazu das klassische Lehrsaalprinzip aufgebrochen werden müsse und verdeutlichte den Weg, der durch das pädagogische Konzept geleiteten baulichen Veränderungen am Albrecht-Ernst-Gymnasium in den letzten Jahren. Dabei seien sogar noch Klassenzimmer eingespart worden, denn "in Bereichen, in denen vor der Umstrukturierung vier traditionelle Klassenzimmer waren, lernen in den Lernlandschaften nunmehr fünf Klassen." Mit der Feststellung, dass auch "bei Architekten und Ingenieuren eine intensive Beschäftigung mit den pädagogischen Konzepten unerlässlich ist", schloss Dunzinger seine Ausführungen.

Wie die Verbindung von Pädagogik und Raumgestaltung in der Unterrichtspraxis am A-E-G aussieht, zeigten zum Schluss Schulleiterin Claudia Langer und Studiendirektor Günther Schmalisch den Gästen auf. Kinder lernen dann am besten, wenn ihre natürliche Neugier zugelassen und ihr Interesse geweckt wird. Individualisiertes, differenziertes und schülerzentriertes Lernen sei deshalb die zwingende Konsequenz. Das bedeute gleichzeitig eine gravierende Änderung der Lehrerrolle vom Be-Lehrenden zum Be-Rater und Helfer der Kinder, zum Moderator von Lernprozessen. Das schülerzentrierte Lernen schafft Raum für individuelle Hilfe und Beratung der Kinder durch die Pädagogen. Andererseits können die Kinder ihre eigene Lernstruktur und ihr individuelles Lerntempo finden. Um selbstständig lernen zu können, müssen die Schüler wissen, mit was sie sich beschäftigen sollen, es muss ihnen genügend und vielfältiges Übungsmaterial geboten werden und sie müssen genügend Zeit zum Lernen haben, Deswegen gibt es am A-E-G nur noch Doppelstunden. Außerdem tragen die Unterrichtsform und die räumliche Gestaltung der Lernlandschaften dazu bei, die unterschiedlichen Bedinungen für erfolgreiches Lernen von Jungen und Mädchen wesentlich besser zu gewährleisten als dies bisher der Fall war. Insgesamt tragen Offenheit, Transparenz und Flexibilität der Lernlandschaften entscheidend zur Lernfreude und zum Lernerfolg der Kinder bei. In Bezug auf die aktuelle Diskussion um zu viele ausgefallene Stunden an Gymnasien konnten die Referenten feststellen, dass in den Lernlandschaften im laufenden und im vergangenen Schuljahr keine Stunde ausgefallen sei und auch keine zusätzliche Vertretungsstunde gehalten werden musste.

Im Anschluss an die Veranstaltung konnten sich die Besucher selbst ein Bild von den neuen Lernlandschaften am Albrecht-Ernst-Gymnasium machen, die in enger Kooperation mit Karin Doberer von der Firma "LernLandSchaft"entstanden sind.

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