Sie sind hier: Startseite / News / Lebenslang, 6 m², keine innere Türklinke, 1,50 m Fensterhöhe.

Lebenslang, 6 m², keine innere Türklinke, 1,50 m Fensterhöhe.

Wirtschaftskurs des Albrecht-Ernst Gymnasium besucht JVA Kaisheim.

 

Was heißt es zu einer Haftstrafe verurteilt zu sein? Wie sieht ein Alltag eines Häftlings aus?
Ist das Gefängnis wirklich so ein hartes Pflaster wie es durch Filme immer publiziert wird?
Diese Fragen stellten wir uns in unserem Wirtschafts- und Rechtsunterricht. Um die Antworten nicht in der Theorie des Unterrichts zu beantworten, unternahmen wir einen Exkurs in die JVA Kaisheim.

Es war ein spannender Einblick hinter die Kulissen einer Justizvollzugsanstalt.

In Kaisheim sitzen im Moment 564 Häftlinge (Altersdurchschnitt: 30 Jahre) wobei die JVA mit ihren 640 Haftplätzen - wie die restlichen bayrischen Gefängnisse - unterbelegt ist.

Jeder Hafttag eines Häftlings kostet ungefähr 105 Euro. Für alle 564 Häftlinge zusammen macht das also 59.220 Euro am Tag und in einem Jahr 21.615.300 Euro. Auf den ersten Blick scheint das viel zu sein, aber wenn man hinter die Kulissen geschaut hat weiß man wofür das ganze Geld gebraucht wird. Angefangen bei den 289 Angestellte, die jeden Tag nicht leichte Aufgaben zu bewältigen haben, über die Therapien für Sexualstraftäter und Gewaltstraftäter bis hin zu den Resozialisierungsmaßnahmen. Den Häftlingen wird ermöglicht ihren Qualifizierten Hauptschulabschluss zu machen, eine Ausbildung anzufangen und durch einen geregelten Tagesablauf eine Struktur in ihr Leben zu bekommen. Der normale Tag eines Häftlings beginnt mit dem Wecken und Frühstücken um 6 Uhr. Um 7 Uhr begibt sich dann jeder zu seiner Arbeitsstelle, an der er einfache Arbeiten verrichtet und um 15 Uhr Feierabend hat. Danach hat er die Möglichkeit 1-2 Stunden auf den Spazierhöfen Sport zu treiben (Basketball, Fußball..), sich im Kraftraum auszupowern oder Besuch zu empfangen.

Es gibt 3 Besuchsarten: In den ersten 3 Monaten darf jeder Insasse nur hinter einer Trennscheibe Besuch empfangen. Der Einsatz der Trennscheibe wird von den Gerichten beispielsweise auch dann als gerechtfertigt angesehen, wenn befürchtet werden muss, dass suchtgefährdete Gefangene von Besuchern Drogen erhalten. Gleiches gilt, wenn befürchtet werden muss, dass erhaltene Drogen in der JVA weiterverkauft werden, was bei Gefangenen, die in einer Abschirmstation für Rauschmittelhändler untergebracht sind, angenommen werden kann. Auch der konkrete Verdacht, dass Hilfsmittel für einen Ausbruch übergeben werden sollen, genügt.

Wenn aber keine weiteren Vorkommnisse aufgetreten sin, gibt es die Möglichkeit einen Besuch im großen Besucherraum zu empfangen. Entweder sitzt man dann am „Kaffeetisch“, also an einem Tisch an dem man ohne Abgrenzung zusammensitzt und körperlicher Kontakt möglich ist. Oder an einem Tisch, auf dem eine Plastikscheibe verhindern soll, dass sich Besucher und Insasse etwas zuschieben oder sich berühren.

Nach unserer spannenden Führung durch Gebäude, Abteile und Zellen bekamen wir Schüler noch einmal die Möglichkeit Fragen zu stellen. Erstaunt waren wir als wir erfuhren dass die Rückfallquote etwa 60% beträgt. Auch wenn man sich viel Mühe bei der Resozialisierung gibt scheint sie in der Praxis nicht leicht umzusetzen zu sein. Wenn der Insasse zurück in sein altes Umfeld kommt, kommen oft auch die alten Angewohnheiten zurück. Viele sind oft nicht bereit für die „normale“ Welt und kommen manchmal sogar „gerne“ in die JVA zurück.

Als Fazit dieser Betriebserkundung könnte man sehen, dass man den Vollzug nicht als Strafe sehen kann, sondern eher als Versuch die Insassen durch Resozialisierung zu „normalisieren“ und man sie zum Schutz der Allgemeinheit getrennt unterbringt. Opfer von Straftaten werden dies vielleicht als ungerecht empfinden. Aber psychisch ist es sicher nicht leicht getrennt von Familie, stets unter Kontrolle und ohne echte Privatsphäre zu leben.

Außerdem ist das Gefängnis tatsächlich ein hartes Pflaster,bei auch mit Gewalt , Mobbing und Drogenhandel zwischen Insassen gerechnet werden muss.

Alles in einem kann man Dwight D. Eisenhower auf ganzer Linie Recht geben, der einst sagte:

If you want total security, go to Prison. There you fed, clothed, given medical care and so on.The only thing lacking is freedom.“