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Iphis Hochzeit

P-Seminar Griechisch inszenierte eine experimentelle Neubearbeitung der Iphigenie in Aulis

Am Donnerstag, 5.7.2012 führte das P-Seminar Griechisch unterstützt von Schülern der 9. bis 12. Klasse und einigen Studenten, die Premiere einer experimentelle Neubearbeitung eines uralten Stoffes auf: Iphigenie in Aulis von Euripides diente als Grundlage, doch statt klassischer griechischer Hopliten trieben sich in der Inszenierung von P-Seminarleiter Jürgen Sellnow, assistiert von Jessica Huber, moderne Soldaten und Generäle auf der Bühne herum. Da gab es den fiesen Kriegstreiber Menelaos (ausdrucksstark dargestellt von Christoph Maier), der seinen Bruder Agamemnon (überzeugend von Lukas Nölke gespielt) derart geschickt unter Druck setzt, dass der schließlich bereit ist, die eigene Tochter Iphigenie bei einem gestellten Attentat zu opfern, um den Krieg gegen Prygistan in Gang zu bringen. Dazu muss diese natürlich erst einmal ins Lager gelockt werden – und das geschieht mit einer fingierten Hochzeit mit dem großspurigen, doch im Herzen feigen Superhelden Achill (in seinem Glanz wie in seinem Kleinmut glänzend verkörpert von Simeon Rodrian). Iphigenie wandelt sich dabei im Laufe des Dramas von einer oberflächlichen, anerkennungssüchtigen und verspielt tanzenden Vertreterin der Facebookgeneration zu einer tragischen Figur, die in dem Moment, in dem sie das grausame Spiel der Männer durchschaut, zunächst herzzerreißend jammert, dann aber ihr Schicksal auf sich nimmt, dabei die hohlen nationalistischen Phrasen der Kriegstreiber unkritisch nachplappert. Um die beiden Facetten dieser titelgebenden Iphigenie herauszuarbeiten, setzte das P-Seminar zwei Schauspielerinnen ein, Rahel Magula und Leonie Vogelgsang, und beide erwiesen sich als glänzende Besetzungen der verschiedenen Seiten der Iphigenie. Eine ähnliche Wandlung wie die Tochter macht auch die Mutter Klytaimestra durch: Bei ihrer Ankunft hat sie nur im Kopf,  wie sie sich vor der Presse und Fernsehen am besten in Szene setzen kann; als sie durchschaut, was wirklich gespielt wird, bricht sie jammernd zusammen, um dann mit großem Elan gegen das unvermeidliche Unheil anzukämpfen. Mit großer Sicherheit und Stärke im Ausdruck spielte Laura Wiedemann diese Figur, so dass das Publikum anfangs über sie schmunzelte, dann mit ihr auf eine gute Lösung hoffte und sie am Schluss bemitleidete.

Auch die übrigen Rollen waren hervorragend besetzt: Nicolas Bumba überzeugte als Adjutant, der zwischen allen Stühlen steht und vergebens den Wahnsinn stoppen will, ebenso wie als Priester, der vergebens zur Nächstenliebe aufruft; Arabella Rödel als Journalistin mit Max Holzmeier als Kameramann und Peter Sellnow als Klein-Orest.

Einen besonderen Pfiff bekam das Drama durch die Musik, die Jürgen Sellnow komponiert und mit einem speziell für die Aufführung zusammengestellten Orchester eingeübt hatte. Den Interpreten, allen voran Laura Wiedemann, Maria Stimpfle und Simeon Rodrian, war anzumerken, dass sie bereits mehrere Jahre Erfahrung in ähnlichen Theaterstücken hatten sammeln können. Dirigiert von Annette Böhm steckten sie mit ihrer Spielfreude den Chor an, der anfangs prominentensüchtig die Stars anhimmelte, dazwischen fromm den Hymnus auf die Liebe (komponiert vom P-Seminar) im Feldgottesdienst sang und schließlich innig der Kriegsopfer gedachte.

Eigentlich war das Drama mit doppelt so vielen Chorliedern als Koproduktion im Rahmen eines Schüleraustausches mit der Partnerschule in Egio/Griechenland konzipiert worden. Wegen der ökonomischen Krise in Griechenland konnte dieses Jahr aber nur in Egio eine gemeinsame Aufführung gemeinsam gestaltet werden, bei der die deutschen Schüler, betreut von Klaus Karrer, Annette Böhm und Jürgen Sellnow viel Applaus von den zahlreichen griechischen Zuschauern bekamen. Wenigstens konnte der griechische Komponist Takis Spiliopoulos mit seiner Frau zur Oettinger Aufführung begrüßt werden. Er freute sich sehr, dass das Oettinger Theaterorchester eines seiner Chorlieder einstudiert hatte, und ließ es sich nicht nehmen, dieses selbst zu dirigieren.

Bericht: Ka/Sw

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