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Herkules Saxonicus und ein spannender Kosmos in der Dresdner Frauenkirche

Die zehnten Klassen begegnen August dem Starken und Johann Sebastian Bach

Kann so etwas funktionieren: 17 Stunden Zeit, ca. 800 Kilometer Busfahrt, ein voller Bus bei schon winterlichen Temperaturen draußen und tropischen drinnen?

Es hat geklappt, denn wenn sich mehr als die Hälfte aller Schüler der zehnten Jahrgangsstufe von der Idee anstecken ließ, die sächsische Landeshauptstadt mit einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm zu besuchen, dann hätte höchstens noch ein überraschender Wintereinbruch dem ganzen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen können.

Der Reihe nach:

In ca. fünf Stunden problemloser Fahrt inklusive zweier kurzer Pausen erreichten wir die sächsische Metropole gegen 15:30 Uhr. Nach einem kleinen Fußweg in die Altstadt präsentierte sich als erster Höhepunkt die Dresdner Frauenkirche schon in vorweihnachtlicher Beleuchtung. Dieser Sakralbau steht als ganz herausgehobenes Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands. 1726 bis 1743 von George Bähr erbaut, stürzte sie nach den verheerenden Luftangriffen am 14. Februar 1945 in sich zusammen und überdauerte die DDR-Zeit als Ruine. 1994 begann der von Prof. Ludwig Güttler initiierte Wiederaufbau, der 2004 abgeschlossen werden konnte. Mehr als 180 Millionen € kostete die Wiederherstellung des Gotteshauses, der weit überwiegende Teil davon als Spenden aus aller Welt, darunter auch aus den USA und Großbritannien.

Nächstes Ziel war die Brühlsche Terasse, eine ursprünglich als Wehranlage gedachtes Bauwerk, heute aber in erster Linie eine Ansammlung von "architektonischer Herrlichkeiten" wie z.B. der Kunstakademie und der Belvedere. Besonders schön: Der Elbbogen mit seinen Brücken und die Aussicht auf das gegenüberliegende Elbufer mit seinen Wiesen ...... Studieren in Dresden?

Die Semperoper als dritter Anlaufpunkt ist das Opernhaus der Sächischen Staatsoper Dresden, benannt nach dem Baumeister Gottfried Semper.

Der Zwinger schließlich beeindruckte uns mit seiner Vielzahl an Pavillons. In der einbrechenden Dämmerung schon festlich beleuchtet treten besonders der Porzellan- und der Glockenpavillon in den Vordergrund. Im Porzellanpavillon sind außerordentlich schöne Stücke des Meißner Porzellans ausgestellt. Hier spätestens begegnete uns August der Starke, auch Herkules Saxonicus gennant, der den Erfinder des Meißner Hartporzellans in Haft nehmen ließ, nur um das Geheimnis seiner Herstellung möglichst lange gewinnbringend für sich zu wahren. Im Glockenpavillon werden die Töne sogar auf Glocken aus Hartporzellan angeschlagen - der Herkules Saxonicus versuchte mit seiner barocken Prachtentfaltung alles, um sich selbst als Kaiser zu empfehlen.

Im Anschluss nutzen noch einmal 3/4 aller SchülerInnen die Gelegenheit für einen einstündigen Besuch des Historischen Grünen Gewölbes, der weltberühmten Sammlung von Kunstschätzen vor allem aus der Zeit August des Starken.

In der Folgezeit konnte unsere AEG-Truppe Dresden noch einmal selbst erkunden - Dresden ist ja immer eine Reise wert.

Pünktlich um 19:15 Uhr trafen wir uns alle wieder vor der Frauenkirche zum Besuch des Gesprächskonzerts "Die Bach-Kantate - Langweiler oder spannender Kosmos". Smartphones aus - daran sollte man/frau bei solch festlichen Anlässen immer denken. Aber Prof. Güttler, der weltbekannte Trompeten-Virtuose, wie auch der Musikpädagoge Milko Kersten hatten ihr Konzept ganz auf die Bedürfnisse eines jungen Publikums ausgerichtet. Ein (wohl-)klingelndes Smartphone hätten beide mit ihrer lockeren Art bestimmt in ihre Interpretation der Bach-Kantate miteingebunden. Als aber Milko Kersten anmerkte, nach Bachs Auffassung gelte nur derjenige Lehrer als guter Pädagoge, der auch gut singen könne, kamen bei uns mitgereisten Kollegen gewisse Zweifel auf.

Das Konzept der „Gesprächskonzerte für junge Leute“ ist sehr schlüssig konzipiert: In der gut einstündigen Veranstaltung wurde im ersten Teil die Bach-Kantate Nr. 149 „Man singet mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten“ ausführlich erklärt. Zwischen den Musikausschnitten unterhielten sich immer wieder Moderator Milko Kersten und der Dirigent Ludwig Güttler über die Arbeitsweise von J. S. Bach. Nach dieser Werkeinführung durften wir die Kantate mit vier Sängersolisten, Chor und Orchester im Ganzen anhören. Es war beeindruckend, wie die Musik den einzigartigen Raum der Frauenkirche ausfüllte.

Mit der Musik J. S. Bachs noch im Ohr traten wir die Heimreise nach Oettingen an.

 

P. Hanke - H. Neuhaus - G. Simon