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"Guten Tag, Frau!"

Hospitation am Exmouth Community College in Südengland

 

Das Exmouth Community College in Devon, Südengland, ist eine sogenannte „Comprehensive School“ – vergleichbar mit einer Gesamtschule im deutschen Schulsystem – und zählt mit circa 2600 Schülern zu den größten Schulen Europas. Das Programm „Host a Teacher from Germany” ermöglichte es mir als Englisch- und Lateinlehrerin, zwei Wochen am Exmouth Community College, mit dem das Albrecht-Ernst-Gymnasium seit 2013 auch einen Schüleraustausch pflegt, zu hospitieren und dort den Schulalltag mitzuerleben.

Die Schüler starten am Exmouth Community College im Alter von elf Jahren in Year 7 und können dort bis einschließlich Year 13 ihre Schullaufbahn absolvieren. Sie werden in sogenannte „tutor groups“ eingeteilt, wobei der Unterricht in den verschiedenen Fächern nicht grundsätzlich innerhalb einer „tutor group“ stattfindet. Stattdessen werden für die einzelnen Fächer „assessments“ durchgeführt, anhand deren bestimmt wird, in welche Lerngruppe ein Schüler je nach seinen Fähigkeiten kommt: von den „work-based groups“, die in den Grundlagen unterrichtet werden und zusätzlich besondere Trainingsprogramme (z.B. outdoor) erhalten, bis hin zu den „top sets“. Neben Fächern wie English, Maths, Science, Languages (French, Spanish, German etc.), Religion, Geography, History, Arts, Technology, ICT (Computing) und PE (Sport) werden für begabte Schüler Latin oder später auch Greek angeboten; für letztere gibt es an der ganzen Schule nur eine einzige Lehrerin!

Während der zwei Wochen meines Aufenthalts bekam ich die Gelegenheit, in verschiedenen Unterrichtsstunden in den Jahrgangsstufen 7-13 zu hospitieren: English, Latin, French, Spanish, Geography, Technology und selbstverständlich German. Im Deutschunterricht und im sogenannten „German Club“ unterstützte ich die Schüler bei ihrem Lernen, half ihnen beim Lösen von Aufgaben, übte kleinere Dialoge auf Deutsch mit ihnen ein und führte vor allem mit den Schülern der höheren Jahrgangsstufen interessante Gespräche auf Deutsch. Ich konnte mir ein Bild davon machen, wie die Schüler dort Fremdsprachen lernen, wie sie gefördert werden und welche Ansätze und Standards im Fremdsprachenunterricht festgelegt sind. Die Schüler, die stets interessiert und aufgeschlossen waren, nutzten die Gelegenheit gerne, mir als „visitor from Germany“ die verschiedensten Fragen zu stellen. Sie wollten sehr viel über unsere Schule erfahren: zum Beispiel wie unsere Klassenzimmer aussehen, wie wir Englisch lernen, was die deutschen Schüler daran schwer finden, ob man bei uns auch Schuluniformen trägt und wie lange man am Tag Unterricht hat. Oder sie fragten schlicht und einfach nach dem „wildlife in Germany“, wie das deutsche Wort für „pizza“ laute oder ob mir der „FC Bayern Munich“ ein Begriff sei.

Neben den Eindrücken, die ich im Unterricht sammeln konnte, war es eine besondere Erfahrung, eine Schule von solcher Größe kennenzulernen und zu sehen, wie sie organisiert ist, welche Regeln es unter so vielen Schülern zu beachten gibt und wie man miteinander umgeht. Einwandfreies Verhalten und ein respektvolles Miteinander erfahren stets Anerkennung und werden ebenso wie gute Lernfortschritte und hervorragende Leistungen – auch im sportlichen Bereich – mit „awards“ oder mittels des Belohnungssystems „Epraise“ honoriert. Auch das akkurate Tragen der Schuluniform wird ganz groß geschrieben.

Sowohl von der Schulleitung und dem Kollegium als auch von den Schülern wurde ich am Exmouth Community College sehr freundlich aufgenommen. Immer wieder begegneten mir die Schüler mit einem freundlichen „Hello, Miss!“ oder die, die mich vom Deutschunterricht her kannten, gar mit einem „Guten Tag, Frau!“. Besonders gefreut hat mich, dass während der Zeit meines Aufenthalts extra ein von der Deutschlehrerin organisierter „A-E-G-Exmouth-Abend“ stattfand. Dazu wurden alle Schüler, die wenige Wochen vorher im Rahmen des Schüleraustausches in Oettingen waren, zusammen mit ihren Eltern eingeladen. Bei Schnittchen, Saft und „Brezels“ wurden Fotos vom Austausch gezeigt und man tauschte die vielen durchweg positiven Erfahrungen aus. Einige von ihnen können es – wie sie mir berichteten – kaum erwarten, im nächsten Jahr wieder nach Oettingen zu kommen und die neu gewonnenen Freunde vom Albrecht-Ernst-Gymnasium wiederzusehen.

Jasmin Böckler, StRin (E, L)