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Gastfreundschaft, Lampenfieber und Kälteschock

Der Reisebericht belegt: die Griechenlandfahrt bot unvergessliche Eindrücke

Für viele war es eine Fahrt ins Ungewisse, als wir am Samstag, den 24.3.2012 um 20 Uhr das AEG in Richtung Griechenland verließen. Mit im Gepäck hatten wir viel gute Laune und ein modern gestaltetes griechisches Theaterstück „Iphigenie auf Aulis“ (nach Euripides). Nach mehreren Stunden Fahrt und einigen Pausen, unter anderem an der Europabrücke, wo wir uns entweder in einem der großen Mc`s mit einem sehr frühen Frühstück für die Weiterfahrt rüsteten oder die Zeit nutzten, um im Dunkeln einen Blick in die Tiefe der Europabrücke zu werfen, erreichten wir schließlich um 6.30 am Sonntag morgen Venedig.

Dort hatten wir Zeit, die Stadt zu erkunden, was einige dazu nutzten, sich von Venedig uns seinen Cafés beeindrucken zu lassen. Währenddessen war der Rest auf der Suche nach einer Toilette, nur um dann herauszufinden, dass öffentliche Toiletten erst ab 10.30 geöffnet sind. Als wir uns anschließend um 11 Uhr wieder am ausgemachten Treffpunkt sammelten waren wir alle überrascht, dass unser Gepäck dank der abwechselnden Aufsicht von Herr Karrer, Herr Sellnow und ein paar Freiwilligen noch auf uns wartete. Flugs fuhren wir mit der Schwebebahn „People Mover“, die auf Schienen über Venedig verläuft, zum Hafen. Die Abfahrt mit der Fähre „Kriti I“ ab 12 Uhr erlebten die meisten von uns an Deck bei strahlendem Sonnenschein und gewöhnten sich schon einmal an die griechische Zeitrechnung. Während der Fahrt nach Patras durften wir ein sehr ruhiges Mittelmeer genießen und am zweiten Tag einen herrlichen sonnigen Anblick auf Albanien. Um den Griechen eine beeindruckende Theatervorstellung liefern zu können und das langsam aufkommende Lampenfieber zu bekämpfen, probten wir fleißig an Bord neben der Rezeption und zwischen Souvenirläden unser Theaterstück. Abends verbrachten wir unsere freie Zeit gemeinsam an Deck bei Gitarrenmusik.

Nach einem lustigen Tag auf der Fähre erreichten wir um 23 Uhr Patras, wo bereits ein Bus auf uns wartete, der uns nach Egio bringen sollte. Hier lernten wir unsere ersten griechischen Worte und mussten erstaunt feststellen, dass man „Ne“ nicht mit dem umgangssprachlichen deutschen „Nein“ verwechseln sollte, da man sonst genau den gegenteiligen Effekt erzielen würde. Eine halbe Stunde später kamen wir dann an unserer Austauschschule, dem 1. Gymnasium von Egio, an, wo wir bereits erwartet wurden.Jetzt folgte der spannendste Teil des Tages, denn wir erfuhren endlich, in welcher Gastfamilie wir die kommende Woche erleben durften. Von den Reisestrapazen geschafft waren wir alle müde und wollten ins Bett, doch der griechischen Gastfreundlichkeit war es zu verdanken, dass wir trotz Erschöpfung um 2 Uhr nachts noch eine Riesenportion leckeres Essen aufgetischt bekamen.

Unsere Aufgabe in den nächsten Tagen war es die beiden unabhängig voneinander einstudierten Theaterstücke zu Einem zusammenzusetzen. Nach der ersten Probe am Dienstag achten wir uns auf den Weg nach Kalavrita, einer kleinen Stadt, in der im 2. Weltkrieg über 650 Männer von den deutschen Besatzern erschossen wurden. Dort besichtigten wir das Museum und die Kirche, deren Uhr immer noch die Uhrzeit des Massakers anzeigt, wie uns unser Fremdenführer erzählte. Nach einer Pause in der Stadt gingen wir zur Denkmalstätte, wo wir einen interessanten Überblick über die vergangenen, aber in den Köpfen immer noch präsenten Geschehnisse bekamen. Den Rest des Tages brachten wir zum Teil mit der Besichtigung der Klöster Agia Lavra und Megaspilion zu, wobei uns Frau Böhm Gesellschaft leistete. Die Anderen wanderten zusammen mit Herr Karrer, Herr Sellnow und einigen Griechen in der 15 km langen Vouraikos-Schlucht. Nach mehreren Stunden Wanderung erreichte man den gemeinsamen Treffpunkt. Ein jeden erwartete nun in den Familien ein individuelles Programm.

Am nächsten Morgen fand sich eine zum Teil müde, aber doch gut gelaunte Truppe an der Schule ein. Nach der morgendlichen Probe, bei der dieses Mal die Musiker von den Schauspielern getrennt waren, bestiegen wir wieder den Bus um nach Delphi zu fahren. Auf dem Weg dorthin passierten wir die neugebaute Rio-Antirrio-Brücke, die die Peloponnes mit dem Festland verbindet und für deren Überquerung mit dem Bus man bis zu 70€ bezahlen muss. Die vierstündige Busfahrt, die durch gute Unterhaltung und eine atemberaubende Landschaft doch sehr schnell verging, führte uns direkt zu den Tempeln und Statuen, von denen wir im Unterricht bereits gehört hatten, und die wir nun im Museum und in der Ausgrabungsstätte live besichtigen konnten. Latein- und Griechischunterricht live vor Ort und unsere Begleitlehrer konnten uns bei Interesse viele Geschichten und Informationen vermitteln.

Der Donnerstag begann erneut mit einer Theaterprobe, diesmal aber zum ersten Mal in unseren Kostümen (Danke an Erhard Gartenschläger, der uns mit den Kostümen und Requisiten sehr geholfen hat!). Der Tagesausflug führte uns diesmal nah Olympia. Dort besuchten wir ebenfalls das Museum und die Ausgrabungsstätte mit imposanten Tempelresten, Gebäuden und Grünflächen, auf denen wir uns im Ringkampf oder im 200m-Lauf messen konnten. Natürlich darf der sportliche Einsatz von Frau Böhm und Herr Karrer nicht vergessen werden,ohne deren Engagement der traditionelle Sprint nicht so amüsant gewesen wäre. Nach dem Rundgang zwischen den Tempeln und den Stadien hatten wir wieder Zeit zur freien Verfügung, die vor allem für Essen und den Kauf von Souvenirs genutzt wurde. Nach unserer Rückkehr fand dann die Generalprobe statt, die, wie die Aufführung, auf dem Pausenhof abgehalten wurde. Trotz der Dunkelheit und der eisigen Kälte, die vor allem unter den Musikern mit einem eifrigen Austausch von Kleidungsstücken bekämpft wurde, waren wir sehr beeindruckt von den griechischen Kostümen, die wir dort zum erstem Mal zu Gesicht bekamen, und dem Gesang der Griechen, unter den sich auf beiden Seiten Vorfreude, aber auch etwas Angst vor der Premiere mischte. Nachdem die Probe um 21 Uhr beendet war, stand der restliche Abend wieder zur freuen Verfügung.

Und dann brach auch schon unsere letzter richtiger Tag in Griechenland an. Da am Abend die große Aufführung stattfinden sollte, blieben wir in Egio, wo wir uns einen schönen Tag am Strand von Akoli. Einem Stadtteil von Egio, machten. Da es zum Schwimmen zu kalt und windig war, machten wir uns einen schönen Vormittag mit einem Bummel durch Akoli, wo manche von uns ihre Lebensmittelvorräte für die Fähre auffüllten und andere einen Teil ihres Hausstandes erneuerten, da es dort tatsächlich noch eine 100-W-Glühbirne für 1€ gab. Als wir erstaunt nach dem Grund dafür fragten, mussten wir eine sehr einfache Antwort akzeptieren: Die Strompreise sind im Verhältnis zum Lohn der momentanen Wirtschaftskrise einfach zu hoch. Deswegen sind diese Reststücke noch Ladenhüter. Danach war es auch schon wieder Zeit uns noch ein wenig zu erholen und uns auf die Aufführung vorzubereiten. Die Premiere in Griechenland des P-Seminars unter der Leitung von Herr Sellnow (Gesamtleitung, Text, Musik), Herr Karrer (Co-Regie) und Frau Böhm (Dirigentin) war trotz der fehlenden Sprachkenntnisse des Publikums ein voller Erfolg. So wich die Aufregung der Freude über den gelungenen Auftritt und der Abend konnte entspannt bei einer kleinen Abschiedsparty ausklingen, bei der uns ein reiches Buffet mit griechischem Essen bei traditionellem Tanz erwartete.

Am darauffolgenden Abreisetag stand der Vormittag zur freien Verfügung, der von den meisten zum Packen und für einen Strandspaziergang mit den Griechen genutzt wurde. Um 14 Uhr fanden wir uns dann alle vollgepackt an der Schule ein – unsere Gastfamilien hatten uns reichlich mit Gastgeschenken versorgt. Nach einer recht tränenreichen Verabschiedung fuhren wir dann um 15 Uhr von der Schule ab und machten uns auf den Weg nach Patras, wo wir zuerst in einem Einkaufszentrum und danach in der Innenstadt Halt machten. Dort starteten wir einen Gemeinschaftsversuch ein passendes Geschenk für die Lehrer zu finden, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatten und erfrischten uns ein letztes Mal mit leckerem griechischem Eis und einer fast noch besseren kalten Schokolade. Dann gingen wir an Bord der Fähre, die uns zurück nach Ancona bringen sollte. Schon beim Ablegen war es deutlich zu erkennen, dass wir uns auf einer Minoan Highspeed Fähre befanden. Die Geschwindigkeit war einfach zu fühlen, als wir an der Railing standen und uns der Fahrtwind die Gischt ins Gesicht blies, während wir gedanklich die letzten ereignisreichen Tage Revue passieren ließen

Nach 16 Stunden Busfahrt und einigen Pausen, unter anderem wieder an der Europabrücke, wo wir von kalten -2° empfangen wurden und die meisten einen Kälteschock erlitten, erreichten wir am Montag, den 2. April um fünf Uhr morgens erschöpft aber glücklich wieder das AEG.

Wir sind alle positiv beeindruckt, da wir sowohl kulturelle neue Erfahrungen gesammelt und den ein oder anderen Freund neu hinzugewonnen haben. Zudem ist es einfach ein großartiges Gefühl, wenn man zusammen mit Schülern aus Griechenland ein Theaterstück auf die Beine stellt. Zwar ist es schade, dass unser Besuch von den Griechen nicht erwidert werden kann, trotzdem freuen wir uns auf die Aufführung in Oettingen, und hoffen, das der Kontakt zu unseren Austauschpartnern bestehen bleibt.

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