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"Führe die Elenden ins Haus!"

Viel Nachdenkliches und erschreckend Aktuelles bei Passionsandacht für die Mittelstufe

 

Warum fasten wir? Dieser Frage wollte die diesjährige Passionsandacht für die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe nachgehen. Nachdem Michael Burger die Andacht mit seinem Akkordeon virtuos eingeleitet hatte, wurden Gedanken, die sich Schülerinnen aus den 10. Klassen zu dieser Frage gemacht hatten, vorgetragen. Es wurde deutlich, dass es nicht nur um Äußerlichkeiten wie kein Fleisch zu essen gehen kann. Menschen fasten, um über ihr Leben, ihre Verhaltensweisen, über ihr Handeln in Gedanken, Worten und Werken nachzudenken. Dazu gibt die Passionszeit Gelegenheit.
Die Mitglieder des Vorbereitungsteams fanden auch beim Propheten Jesaja einen Hinweis, was richtig verstandenes Fasten ist  und trugen die entsprechenden Verse ihren Mitschülern vor: „Das ist aber ein Fasten, das ich erwähle: Laß los, welche du mit Unrecht gebunden hast; laß ledig, welche du beschwerst; gib frei, welche du drängst; reiß weg allerlei Last; brich dem Hungrigen dein Brot, und die, so im Elend sind, führe ins Haus…“ (Jes. 58,6f).
Gerade bei m letzten Satz spürte wohl jeder in der Aula die Aktualität dieser etwa 2600 Jahre alten Worte. Noch erschreckender wirkte in diesem Zusammenhang das berühmte Bild „Die weiße Kreuzigung“ von Marc Chagall, das dieser 1938 gemalt hat und das das Team als Hintergrundbild für die Andacht in der Aula projizierte. „Wegen ihres Glaubens verfolgte Menschen, die zu Fuß oder auf Booten flüchten, zerstörte und brennende Häuser, Horden von Bewaffneten, die über die Menschen herfallen, all das scheint sich in schlimmer Weise gerade in unseren Tagen zu wiederholen“, stellte Pfarrer Paul Sattler fest. Nach einer Meditation zu dem Bild, die von Anna und Christoph Klotz (Geige und Cello) musikalisch begleitet wurde, erinnerte Sattler an den Besuch des Holocaustüberlebenden  Sally Perel, dessen Leben in dem Film „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt wurde und der vor einigen am A-E-G vor Schülern sprach. Er habe ebenfalls in der Aula damals zu den jungen Zuhörern gesagt: „Ich habe euch nichts zu verzeihen, denn ihr habt mir nichts getan, aber ihr habt eine Verantwortung, die Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder geschieht.“  „Diese Passionszeit soll für uns eine Gelegenheit sein, darüber nachzudenken, wo wir selbst für das Leid von Mitmenschen verantwortlich sind, wo wir Leid mindern können, sie ist eine Gelegenheit uns klarzumachen, dass wir uns selbst eine Meinung bilden müssen und nicht einfach nachschreien sollen, was andere vorgeben“, resümierte Pfarrer Sattler mit Blick auf die erschreckende Aktualität des Chagall Gemäldes.

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