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Fetzig, fröhlich, nachdenklich und ein bisschen frivol

Einen schwungvollen, fetzigen, originellen und kurzweiligen Musicalabend bescherten die Mitglieder der P-Seminare Griechisch und Englisch ihrem Publikum in der Aula des Albrecht-Ernst-Gymnasiums. Gleichzeitig war es die Präsentation der Ergebnisse des eineinhalbjährigen praxisorientierten Lernens im Seminar, eine Form, die mit dem G8 in der gymnasialen Oberstufe eingeführt worden war.
Im ersten Teil des Musicalabends bot die Griechischtruppe um Seminarleiter Jürgen Sellnow eine modernisierte Fassung der antiken Komödie „Die Wolken“ von Aristophanes. Die Seminaristen hatten das Stück für originelle Szenen und Anspielungen an aktuelle Themen so umgestaltet, dass das Original nur noch rudimentär zu erkennen war. Der einfältige, alleinerziehende attische Bauer Strepsiades (Jonathan Rodrian) und sein Sohn Pheidippides (Simon Rodrian) zeigen im Eingangsduett noch innige Harmonie, treten als fussballverückte Deutschlandfans auf, doch die Wettschulden des Sohnes bereiten dem Vater Sorgen. Er beschließt, den Sohn auf eine Schule zu schicken, in der er die „ungerechte Rhetorik“ lernen solle, um so die Gläubiger zu überlisten „Der Redner, der der schlechten sich bedient, gewinnt, so heißt’s, auch wenn er unrecht hätte. Wenn du die ungerechte Kunst mir lernst, dann kriegt kein Gläubiger von allen Geld.“
Doch als er selbst sich die Schule besehen will, wird er vom Strudel der modernen Medien- und Informationsgesellschaft mitgerissen. Das Aufnahmegespräch mit dem Assistenten des Schulleiters (Herrmann Lechner) wird ein Abklatsch der massenhaft auftretenden, immer gleichen Quizshows, die Schulleiterin (Magdalena Gartenschläger) mutiert von einer Verkäuferin für Lernsoftware zu einer jener übertrieben Fröhlichkeit verbreitenden, schreienden und gekünstelt lachenden Moderatorin der die Bildschirme überflutenden Talkshows.
Die Aula wird zum Fernsehstudio und die zunächst noch gemäß dem antiken Vorbild auftretenden und vor allem auch gesanglich überzeugenden „Wolken“, verwandeln sich in fünf feixende Reporterinnen, die sich ins Publikum mischen um es – gemäß den realen Medienvorbildern – an der Diskussion, was denn eine gute Schule sei, zu beteiligen. Am Ende tritt Pheidippides mittlerweile mit„voll krassem“ Outfit und türkischem Akzent in einen Wettstreit mit dem Vater, was denn besser sei, das „Gute“ oder das „Ungute“. Die Frage bleibt ungelöst, denn mit dem Streit der beiden fällt der Vorhang. Beeindruckend an der Inszenierung waren sicherlich auch die technischen Tricks und Finessen an der großen Videoleinwand, für die Robert Tröger und Max Lamla verantwortlich waren und die, bei aller Heiterkeit, doch ernsthafte, kritische Frage, wer spielt die Hauptrolle in der Vermittlung von Wissen und Werten für die Kinder heute? Sind es noch die Schulen oder haben mittlerweile die omnipräsenten Massenmedien diese Rolle übernommen, aber zu welchem Preis? Im antiken Original zündet der Vater am Schluss wutentbrannt die Schule an. Die P-Seminaristen des A-E-G vermeiden diesen Schluss, sicherlich aus gutem Grund. Vielleicht aber auch, weil Aristophanes seine Hauptfigur heute ein anderes Objekt aussuchen lassen würde.
„Lets do the Time Warp ... again“, hieß es anschließend mit dem P-Seminar Englisch. In der Aula des A-E-G herrschte Ausnahmezustand. Strapse, Stöckelschuhe, Korsagen und viel nackte Haut erwarteten die Besucher bei "Frankie goes to Oettingen". In Anlehnung an das Kultmusical "The Rocky Horror Picture Show" inszenierten die Schüler zusammen mit Seminarleiterin Ruth Gruber-Stöcklein Motive des schlüpfrig-erotischen Meisterwerks in englischer Sprache. Mit großer Hingabe und Leidenschaft versuchten die Akteure die dreifache Herausforderung des Stückes – singen, tanzen und Theater spielen – zu meistern und das Publikum mit auf eine phantastische Reise zu nehmen. Den Mut und vor allem die beeindruckende Textsicherheit des Ensembles quittierte das Publikum mit langanhaltendem Applaus.

„The Rocky Horror Show“ ist Kult, Musik und die skurrile Handlung vielen bekannt.
Jana Wiedenmann und Jana Zitterbart gefielen in den Rollen von Brad und Janet, dem schüchternen und leicht verklemmten Liebespaar, das wegen einer Reifenpanne unfreiwillig Gäste des außerirdischen Wissenschaftlers Dr. Frank‘n Furter (Marcus Bumba) werden und sich naiv von ihm manipulieren und verführen lässt. Der exzentrische Paradiesvogel feiert wilde Orgien und rauschende Feste auf seinem Schloss und erschafft sich als Höhepunkt den muskelbepackten Lustsklaven Rocky Horror (David Schröter). Das Publikum sicher durch die sexuell-fantastische und manchmal verwirrende Handlung zu führen, ist die Aufgabe des Erzählers. Jennifer Werner mimt den steifen Part very british, kann sich aber bei „Let‘s do the Time Warp again“ dem Rhythmus auch nicht entziehen, während die anderen Akteure – dabei präsentieren sich vor allem Belinda Straß als Columbia und Verena Frieß als Magenta überzeugend - das wohl bekannteste Lied der „Rocky Horror Picture Show“ ausgezeichnet performen.
Freizügig im Transvestit Outfit, männlich-lässig und gleichzeitig feminin in High Heels spielt Marcus Bumba den kokett arroganten Exzentriker und beim Auftritt von Jürgen Sellnow als Eddie, der mit einem Mofa und in feinem Zwirn statt der üblichen Rockerkluft auf die Bühne knattert und den Ohrwurm „Bless my soul“ rockt, springt das Rock´n Roll Fieber ins Publikum über. Musikalisch ausdrucksvoll wirkte besonders der Auftritt von Jana Zitterbart und David Schröter mit dem Song „Touch Me“.
Das freizügige Outfit der Akteure sowie die Liebesszenen von Janet Weiss und Brad Majors mit dem „Meister“ Frank’N‘Furter wurden meist so witzig umgesetzt, dass das „Sex and Crime“ Thema des Stückes keinen störte, auch nicht als Eddies Kopf zum Horror-Abendessen serviert wurde.
Als der Alien-Jäger Dr. Scott (Katja Schick) eintrifft und Frank sich für seinen Mord an dessen Neffen Eddie rechtfertigen muss, nimmt der zwielichtige Butler Riff-Raff ( Cornelia Seefried) das Geschehen in die Hand und beendet das mitreißende Spektakel.