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Europa im Gespräch

A-E-G öffnet erneut die Türen für ausländische Comenius-Partnerschulen

 

Konflikt und Konsens – unter diesem Titel findet das neue Comenius-Projekt statt, an dem das Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen und drei weitere Schulen aus Portugal, Schottland und Polen teilnehmen. Im Fokus dieses Projektes steht vor allem das Debattieren auf Deutsch und Englisch, aber auch der Austausch mit anderen Sitten und Kulturen und das Schließen neuer Kontakte auf europäischer Ebene.

Am Sonntag, den 9. Februar, war die Spannung groß: Die deutschen Schüler und Schülerinnen des AEG warteten aufgeregt in Treuchtlingen und Nördlingen, um ihre Austauschpartner aus Portugal und Polen abzuholen und bei sich zuhause aufzunehmen. Kontakt mit den Portugiesen und Polinnen konnten sie bereits im Vorfeld durch das Internet aufbauen, und auch die Teilnehmer am Comenius-Projekt aus Schottland hatten dazu die Möglichkeit. Obwohl die Schüler dieser Partnerschule erst am Montagabend in Deutschland eintrafen und leider nicht in den Gastfamilien untergebracht werden durften, war die Freude auf das erste Treffen von beiden Seiten groß.

Am Montag schließlich konnte das Projekt offiziell mit einer Begrüßung durch die Schulleiterin Claudia Langer und einer anschließenden Führung durch die Schule starten: die Austauschschüler zeigten sich aufgeregt und gespannt darauf, mehr über Deutschland und den Alltag der bayrischen Schüler zu erfahren. Nachmittags wurde die Zeit nicht nur in den Gastfamilien verbracht. Die Schüler veranstalteten mit ihren Gästen eine Stadtrallye durch Oettingen, um ihren Partner die Stadt, ihre Geschichte und ihre Sehenswürdigkeiten spielerisch näherzubringen.

Am Dienstag begann für alle die Arbeit. Während vormittags der Ablauf und die Kriterien der englischen Debatte besprochen wurden, erarbeiteten die Schüler in internationalen Gruppen vier bereits zu Hause vorbereitete Themen. Unterstützt wurden sie dabei von ehemaligen Teilnehmern am Bundeswettbewerb Jugend debattiert und von Schülern der Fachoberschule Donauwörth, die in einem Wahlkurs seit einiger Zeit die Techniken des Debattierens üben.

Ein Highlight für alle Schüler war vor allem die Exkursion in die fränkische Hauptstadt Nürnberg am Mittwoch. Nach der Ankunft wurde zuerst eine Reise in die traurige Vergangenheit Deutschlands unternommen: die Teilnehmer des Projektes hatten die Möglichkeit, sich das ehemalige Reichsparteitagsgelände und das Zeppelinfeld anzusehen und außerdem über dessen geschichtlichen Hintergrund informiert zu werden. Selbst die deutschen Schüler zeigten ein reges Interesse an den Gebäuden und der Ausstellung, obwohl sie schon im Vorjahr einen Ausflug dorthin unternommen hatten.

Danach ging es wieder in den Bus zurück, der die Jugendlichen zur Burganlage im Zentrum Nürnbergs brachte. Hier wurde vor allem klar, dass die deutsche Geschichte neben ihren Schattenseiten auch einige beeindruckende Monumente zurückgelassen hat, die die Zeit bis heute überdauert und an Schönheit nichts eingebüßt haben.

Zum Abschluss des Tagesausflugs hatten die Schüler außerdem noch einige Stunden Zeit, um durch die Altstadt Nürnbergs zu bummeln und Souvenirs für ihre Familie und Freunde zu kaufen. Während die schottischen Gastschüler sich dabei vor allem begeistert von den berühmten Nürnberger Bratwürsten zeigten, interessierten sich die Polinnen vor allem für deutsche Schokolade.

Den absoluten Höhepunkt fand das Projekt dann aber am Donnerstag: die finalen beiden Debatten, die die ganze Woche über sorgfältig vorbereitet und geübt worden waren, sollten im Oettinger Rathaus aufgeführt werden. Jeweils zwei Schüler der vier Schulen hatten sich bereiterklärt, an den Debatten nach englischem Modell mitzuwirken, entweder auf Deutsch oder auf Englisch. Bei dieser Form der Debatte werden Pro- und Contra-Seite durch jeweils drei Sprecher vertreten, die im Team ihre Position vortragen und die Argumente der Gegenseite entkräften, wobei sie durch Einwände der Gegenseite unterbrochen werden können. Moderiert wird diese Debatte durch einen Vorsitzenden und einen Zeitnehmer. Die Spannung im Raum stieg, die Debattanten lasen sich ein letztes Mal nervös ihre Notizen durch. Bevor es aber losging, stimmte Michael Burger mit einem gekonnt vorgetragenen Musikstück auf dem Akkordeon die Teilnehmer und das Publikum ein, und Bürgermeister Matti Müller begrüßte die Anwesenden und erzählte ihnen unter anderem von seinen finnischen Wurzeln, die, wie er sagte, ebenfalls zur Kommunikation innerhalb Europas beitragen. Dann war der Augenblick gekommen: Stille kehrte im Raum ein und die Debatten starten auf ein Läuten hin. Fast eine Stunde lang wurden aktuelle, Europa betreffende Themen hitzig von den Teilnehmern des Comenius-Projektes diskutiert. Tosender Applaus brach schließlich aus, als auch der allerletzte Debattant zu einem Ende gekommen war und seinen Standpunkt noch einmal deutlich vor dem Publikum vertrat. Abschließend bedankten sich alle mitwirkenden Lehrer in Form von kleinen Präsenten – auch der Bürgermeister erhielt ein kleines Dankeschön, während die Debattanten lakonisch ausharrten. Schließlich revanchierte sich Matti Müller, indem er den Schülern den Dachboden des Rathauses zeigte, den allerdings, wie er erklärte, nicht jeder besichtigen dürfe. Der Ausblick, der sich aus dem kleinen Dachfenster über das Ries bot, war spektakulär, fanden die Jugendlichen.

Zum Abschied wurde im AEG am Donnerstagabend schließlich ein Grillfest gefeiert, zu dem alle Lehrer und alle deutschen, portugiesischen, polnischen und schottischen Schüler eingeladen waren. Vor allem an diesem letzten Abend wurde klar, wie viele Freundschaften und gute Bekanntschaften sich innerhalb einer gemeinsamen Woche nicht nur zwischen den Austauschpartnern gebildet hatten, sondern auch mit anderen Teilnehmern, die man während des Projektes kennengelernt hatte. Genau deshalb fiel der Abschied am Freitag umso schwerer; große Bedrückung herrschte bei den deutschen Schülern, deren Gäste nun abreisen würden und deren Schulalltag nun wieder einkehren würde. Umso größer ist nun allerdings die Freude auf nächstes Jahr, wenn sie die Möglichkeit haben, nach Polen, Portugal oder Schottland zu reisen und ihre neuen Bekannten wiederzusehen und gemeinsam am Projekt weiterzuarbeiten. Und auch in der Zwischenzeit werden die Projektteilnehmer den Kontakt halten, während sie über das Internet gemeinsam an den nächsten Debatten arbeiten werden. Abschließend kann also gesagt werden, dass das Comenius-Projekt in Oettingen eine große Bereicherung für die Schule war und etwas, an das die Teilnehmer sich noch lange erinnern werden.

Die Schüler hatten Spaß, konnten viel Neues lernen, ihre Sprachkenntnisse erweitern und neue Kontakte auf europäischer Ebene knüpfen – genau wie das letzte Comenius-Projekt „A short Latin movie“ ist „Konflikt und Konsens“ schon jetzt ein voller Erfolg.

Liane Rupp, Julius Breitling, Julia Schwerin

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