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Es beginnt immer mit Marihuana

Beim Besuch des Amtsgerichtes werden Jugendliche mit den Folgen des Drogenbesitzes und -konsums konfrontiert

 

Wie der Presse in der letzten Zeit zu entnehmen war, ist Drogenkonsum auch in unserem Landkreis ein drängendes Problem. Insofern war der Besuch des Wirtschafts- und Rechtskurs b der Q11 beim Amtsgericht Nördlingen umso bedeutender. Wir hatten das Glück zwei Verhandlungen zu dem Betäubungsmittelgesetz besuchen zu können und haben dabei erfahren, dass der Umgang mit Betäubungsmitteln streng geregelt ist – mit fast 40 Paragraphen im Strafgesetzbuch. Das Drogenproblem ist eben nicht so weit weg von uns, wie man vielleicht glauben möchte. Die Angeklagten waren kaum älter als wir, 18 und 19 Jahre. Daher war es eine sehr passende Thematik, weil immer mehr Jugendliche in eine Sucht rutschen, sei es Alkohol oder Drogen. Das machte uns auch der Jugendrichter sehr deutlich. Er erzählte uns von Straftaten, wie Trunkenheitsfahrten ab 1,1 Promille und dass man ab 90 Tagessätzen einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis erhält. Dabei erwähnte er auch, dass er für viele Sträflinge die Justizvollzugsanstalt Kaisheim zuständig ist. Dort sitzen Schwerkriminelle ein, die teilweise durch Marihuana immer tiefer in die Sucht rutschten. Jetzt sind sie abhängig von Heroin oder Crystal Meth. Um sich diese teuren Drogen dann zu beschaffen, begehen die Abhängigen dann Einbrüche, Überfälle und das endet nicht selten in einem Teufelskreis.

Um 9:30 Uhr begann dann die erste Verhandlung zum Fall eines 19-Jährigen, der 0,8 Gramm Marihuana mit einem Gehalt von 8%* ohne Erlaubnis besaß. Er trug die Droge auf einem Volksfest in seiner Tasche mit sich. Es ist auch bei Angeklagten unter 21 immer ein Gutachter des Jugendamtes anwesend, der vorher mit dem Angeklagten über seine bisheriges Leben spricht und so einschätzt, welche Entwicklung der junge Heranwachsende genommen hat und ob für ihn das Jugendstrafrecht angewendet werden kann. Die Entscheidung über die Anwendung des Jugendstrafrechtes ist sehr wichtig, da dann die Strafe milder ausfällt und es meist bei Sozialstunden oder Arrest bleibt.

In der weiten Verhandlung ging es wieder um den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, diesmal gegen einen 19-Jährigen mit Migrationshintergrund.

In dem Fall dieses jungen Mannes hielt es der Gutachter für sinnvoll, Jugendstrafrecht anzuwenden, da er adoptiert wurde, problematische Familienverhältnisse hatte und sehr schlimm in seiner Kindheit gemobbt wurde. Obwohl der Angeklagte schon viermal vorher auf der Anklagebank saß, unter anderem wegen des Anbaus von Betäubungsmitteln, fiel die Strafe noch einmal milde aus. Der Richter glaubte ihm, dass er damit abgeschlossen hat, da der junge Mann sehr reuevoll erschien und oftmals beteuerte, damit aufgehört zu haben. Das Urteil lautete dann auf 48 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine halbjährige Nachweispflicht zu unvorhersehbaren Zeitpunkten, dass er clean ist. Der Richter wies den Angeklagten dann noch deutlich darauf hin, wenn er wieder rückfällig werden sollte, würde das nächste Urteil um einiges härter ausfallen.

Ich finde die Urteile gerecht und hoffe, dass beide Angeklagten den Absprung schaffen werden und nicht so enden wie die beschriebenen Suchtkriminellen in der Justizvollzugsanstalt Kaisheim. Es war ein sehr lehrreicher und ermahnender Besuch im Gericht. Wir haben einen guten Einblick in das Strafverfahren erhalten und erfahren, wie sehr die Judikative um Gerechtigkeit bemüht ist.

Es sollte auch allen Jugendlichen klar sein, dass vor allem der Verkauf und auch der Besitz von Drogen neben allen andern schlimmen Folgen auch strafrechtliche Konsequenzen hat, die bis dahin gehen können, dass man sich dadurch seine ganze Zukunft verbauen kann.

­­­Lisa Greß

*Die 8% stehen für den Anteil an THC, Tetrahydrocannabinol ist der hauptsächlich rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze