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Vom Saulus zum Paulus

Johannes Kneifel erzählt eindrucksvoll aus seinem einzigartigen Leben

 

Skinhead, Gewalttäter, Pastor – so lautet der Untertitel des Buches „Vom Saulus zum Paulus“ in dem Johannes Kneifel seine „drei Leben“ beschreibt.
Man hätte die berühmte Stecknadel in der Aula des Albrecht-Ernst- Gymnasiums fallen hören können, so aufmerksam, gespannt und auch bewegt folgten die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen dem Bericht des ehemaligen Neonazis und jetzigen Pfarrers. Studiendirektor Günther Schmalisch hatte zusammen mit den Religionslehrern gerne die Möglichkeit wahrgenommen, den Referenten auf Vermittlung der Liebenzeller Gemeinschaft an die Schule einzuladen.
„Es war einer der eindrucksvollsten Vormittage, die ich seit langem erlebt habe“, war eine der Stimmen am Ende der Veranstaltung. Immerhin stand den Jugendlichen ein Mann in Baseballmütze gegenüber, der als 17jähriger Skinhead zusammen mit einem Freund einen Mann totgeprügelt hat, der sich gegen Neonazis ausgesprochen hatte. Dafür saß Johannes Kneifel fünf Jahre im Gefängnis. „Für die Neonazis bist du nur solange etwas wert, solange du für die Gemeinschaft etwas leisten kannst“, war eine wichtige Erkenntnis, die er im Knast gewann. „Bei den Rechten ist der Einzelne nichts wert, nur die Gruppe zählt. Im Gefängnis hat mich keiner von denen besucht, mir keiner geschrieben. Ich wurde sofort fallen gelassen.“ Ruhig, aber bestimmt schildert er seine Erlebnisse im Gefängnis, berichtet von seiner Gefühlslage und der Bedeutung, die die Gottesdienste für ihn hatten. „Sie waren im Gefängnisalltag wie ein Fenster, das sich öffnet.“  Und diese Gottesdienste sowie das Vertrauen, das im Menschen entgegenbrachten, bewirkten eine Veränderung in seinem Leben. „Ich wusste, dass die Schuld bleibt, auch wenn ich die Strafe juristisch verbüßt habe.“  Ein Gottesdienstbesuch veranlasst ihn schließlich über sein Leben nachzudenken. Nicht nur das Tötungsdelikt, sondern die vielen Momente, in denen er Menschen verprügelt, beleidigt oder ihnen etwas angetan hat, veranlassen ein Ringen mit sich selbst.  Und ähnlich wie Martin Luther erkennt er, dass er nur durch die Gnade Gottesdiese Schuld loswerden kann.  „Nie wäre ich vor einem Menschen auf die Knie gegangen, vor Gott ging ich freiwillig auf die Knie“, erzählt Kneifel weiter, „und auf einmal spürte ich, wie ich mit tiefer Freude und einem tiefen Frieden erfüllt wurde, ein Gefühl, dass ich noch nie erlebt hatte.“  Ab jetzt beginnt die Wandlung vom „Saulus zum Paulus“. Rastete er vorher bei jeder Kleinigkeit völlig aus und wollte alles mit brutaler Gewalt lösen, geht er jetzt gut gelaunt und lächelnd durch sein Leben. Wichtig waren für ihn die vielen Menschen, die er vor allem in den christlichen Gemeinden fand, die in ihm nicht den Totschläger, den stets zu Gewalt bereiten Knasti sahen, sondern Johannes Kneifel, einem Menschen, dem sie vorurteilslos begegneten und manche sogar ihre Kinder im Kindergottesdienst anvertrauten. „Viele Mithäftlinge, die voller guter Vorsätze entlassen wurden, kamen nach kurzer Zeit wieder in Gefängnis, weil draußen niemand bereit war, ihnen eine Chance zu geben“, sprach Kneifel ein großes Problem an. Die Begegnung mit Gott und die Begegnung mit vielen Menschen, die es gut meinten, hat sein Leben von Grund auf verändert. Nun stand er da, und erzählte dies den Jugendlichen, die spürten, da ist einer, der redet nicht über etwas, sondern berichtet voller Überzeugung.von etwas, das er selbst erlebt hat, nicht weil er muss, sondern weil er will. „Es gibt nichts, was Gott nicht zum Guten wenden kann. Ohne diese fast unglaubliche Biographie mit all ihren Tiefen und dann auch Höhen wären Sie heute nicht hier und könnten uns nicht dieses beeindruckende Zeugnis geben“, bedankte sich Günther Schmalisch am Ende im Namen aller für den wertvollen Vormittag, der noch zu vielen Gespräche Anlass geben wird.

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