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Eindrucksvolle „Antigone“

 

Vor großem interessierten Publikum führte das P-Seminar Griechisch am Albrecht-Ernst-Gymnasium zusammen mit dem 1. Gymnasium Egio die antike Tragödie „Antigone“ des Sophokles in einer deutsch-griechischen Coproduktion auf. Dieselbe Inszenierung mit vielen musikalischen Einlagen unter Leitung von Epaminondas Doulos hatte bereits im April bei der Uraufführung in Griechenland die Zuschauer begeistert.

In dem Drama verbietet ein eingebildeter Tyrann die Bestattung eines Gegners. Gespielt und gesungen wurde er sehr überzeugend von Mira Vieting, assistiert von Apostolis Hatzis. Gegen ihn empört sich seine Nichte Antigone, wobei Maria Karvela und Vanessa Beck ausdrucksvoll sangen und Lisa Scheller geschickt die Einsamkeit Antigones zeigte, die sie schließlich in den Selbstmord treibt, um dem vom Tyrannen verhängten Hungertod zu entgehen. Dabei merkt sie nicht, wer sich alles für sie einsetzt: Da ist ihre schüchterne Schwester Ismene (überzeugend von Luisa Meyer gespielt), da ist ihr jugendlich-ungestümer Bräutigam Haimon (sein herzzerreißendes Liebeslied sang Peter Sellnow), da ist schließlich der Priester Teiresias: In einer von Jan-Philipp van Olfen wirkungsvoll dargestellten Vision verflucht er den Tyrannen. Schließlich empören sich auch noch alle anderen, die zunächst vor dem Tyrannen kuschten, gegen ihn: Seine Leibwächter in ihrem anfänglichen Duckmäusertum wie in ihrer schließlichen moralischen Empörung wurden gekonnt von Lukas Katzenberger, Marius Trollmann und Lukas Müller verkörpert. Seine Ratgeber unter der souveränen Führung Dora Hellers traten als Chor auf und entwickelten sich von politischen Mitläufern zu Revolutionären. Ihre mitreißenden Melodien stammten teils vom P-Seminar, teils von Jürgen Sellnow, der die jeweilige Situation hochsensibel mit einem expressiv spielenden, perfekt aufeinander eingestimmten Orchester begleitete. Im Unterschied zum eher politischen deutschen Chor lag das Schwergewicht des griechischen Chores (Choreographie: Romina Doulou) in ineinander verschlungenen harmonischen Bewegungen, die noch durch prächtige Gewänder verstärkt wurden. Einen besonderen Reiz für das Publikum war es, die phantasievollen pantomimischen Darstellungen des deutschen und griechischen Chores miteinander zu vergleichen, und am Schluss, als der gestürzte Tyrann nach dem Selbstmord seiner Frau (überzeugend interpretiert von Natalie Grimm) verzweifelt allein und gebrochen zusammenbricht, geizte das Publikum nicht mit dem verdienten Applaus.

Klaus Karrer

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