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Die Welt im Jahr 2050

Zukunftsforscher Dr. Ulrich Eberl gab einen interessanten und nachdenklich stimmenden Ausblick auf die Entwicklungen und Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten

Es sind gewaltige Herausforderungen, die in den nächsten Jahrzehnten auf die Generation derer wartet, die heute die Schulen besuchen. Das jedenfalls stellte der namhafte Zukunftsforscher und mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl bei seinem Vortrag im Albrecht-Ernst-Gymnasium fest. Auf Einladung von Schulleiterin Claudia Langer referierte er im Rahmen der Elternbeiratswahl über „die Welt im Jahr 2050“.

Zu Beginn machte Eberl deutlich, dass Vieles von dem, was in den 60er Jahren für die Welt von heute prognostiziert wurde, auch tatsächlich eingetroffen ist. Züge, die 400 km/h schnell sind und hohe Wolkenkratzer gibt es genauso wie fliegende Autos, obwohl diese wohl niemals zum Massenprodukt werden. „Technische Machbarkeit heißt noch lange nicht, dass sich etwas durchsetzt“, meinte Eberl. Deshalb gibt es auch keine Städte auf dem Mond oder Mars, denn es fehlt der Antrieb dazu. Der Grund für die Mondlandungen war ausschließlich der Wettlauf zwischen den USA und den UdSSR. Als dieser entschieden war, gab es keine Veranlassung mehr für weitere Mondexpeditionen.

Eberl nannte fünf Megatrends, die die Welt bis 2050 prägen werden. Der erste ist die demographische Entwicklung. 2050 werden zwischen neun und zehn Milliarden Menschen die Erde bevölkern, das bedeute auch eine Milliarde mehr Rentner, das heißt, dass sich die Zahl der 65jährigen  sich verdreifachen wird, in Deutschland wird jeder Dritte über 65 Jahre alt sein. Deshalb wird es wichtig sein, Gesundheit zu erhalten statt Krankheiten zu heilen um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Früherkennung werde immer wichtiger. Biomarker, Computer als elektronische Assistenzärzte, das automatische Messen oder Vitalfunktionen durch Sensoren und Televisiten durch den Arzt über Videokonferenzen, nannte Eberl als teilweise heute schon realisierte Beispiele. Dieser Entwicklung müsse die Bio- und Medizintechnik Schritt halten. Aus diesem Grund werde das momentane Zeitalter der Informationstechnik und Globalisierung  der Kommunikation vom Zeitalter der Bio-Medizintechnik und der Umwelttechnologie abgelöst werden, glaubt Eberl.

„Die Umwelttechnologien werden boomen“, stellte der Referent fest. Der zweite Megatrend, der Klimawandel, lasse gar keine andere Wahl. Wir beuten die Erde heute so aus, als hätten wir eineinhalb davon. Im Jahr 2050 bräuchten wir, wenn kein Umdenken erfolgt, drei Erden, denn der Energie- und Ressourcenverbrauch wird sich verdoppeln, „Das können wir uns nicht leisten, deshalb müssen wir neue Technologien entwickeln,“ aber es sei eine Illusion zu glauben, dass 2050 die Energie nur aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt werden könne. Viele begrenzte Rohstoffe müssen in Zukunft recycelt werden und die Energiesysteme müssen komplexer und intelligenter werden. „Elektrischer Strom wird zum allumfassenden Energieträger,“ sagte Eberl voraus. Dies betreffe auch den dritten Megatrend, die Verstädterung. Im Jahr 2050 werden etwa so viele Menschen in Städten leben wie heute auf der ganzen Erde. Im Stadtverkehr werden dann Elektroautos dominieren. Dass es schon 1905 in Berlin mehr Elektroautos als Verbrennungsmotoren gab, war sicher allen Zuhörern neu. Da alle Dinge mit Sensoren bestückt sein werden, werden auch die Autos fast autonom ihren Weg finden und miteinander kommunizieren um Unfälle zu vermeiden. Um die Menschheit mit genügend Nahrung zu versorgen, werden Bauernhöfe in Wolkenkratzern entstehen und die Gebäude werden intelligenter werden, denn alle Lebensbereiche werden vom vierten Megatrend, der Durchdringung aller Lebensbereiche durch das Internet, bestimmt sein. Die Häuser des Jahres 2050 werden so intelligent gebaut sein, dass sie kaum noch Bedarf an zusätzlicher Wärme haben. Sie werden vorausschauend, je nach Wetterbericht, der selbstständig abgerufen wird, heizen oder kühlen. In ihrem Inneren kommt das Licht von transparenten Lichtwänden aus leuchtenden Kunststoffen sowie wandgroße Displays, die auf Sprach- und Gestikbefehle die dreidimensionale Welt des neuen Internets, natürlich ohne Brille, eröffnen.  Computertechnologie wird so billig, dass man sie überall einsetzen kann, denn die Leistung von Mikrochips wird noch einmal um den Faktor Tausend gesteigert. Die Leistung, die heute ein Notebook für 500 Euro bietet, erhält man dann für 50 Cent. Dadurch werde sich auch das Lernen verändern. Virtuelle Museumsbesuche werden so real sein, als wäre man vor Ort. Schon heute könne man durch das ehemalige Pompeji laufen, mit dem Gefühl, man sei wirklich dort. Universitäten werden weltweites Lernen anbieten, so kann man am Vormittag in 3D eine Vorlesung in Tokio besuchen, und am Abend ein Seminar in Harvard. Auch vom gedruckten Buch werden wir uns wohl immer mehr verabschieden müssen. Bücher werden ein multimediales Erlebnis sein, was in Verbindung mit Tablet-PCs schon heute möglich ist. Der Trend gehe eindeutig in diese Richtung, meinte Eberl. So habe der weltgrößte Onlinehändler habe 2010 erstmals mehr elektronische als gedruckte Bücher verkauft. Auch die gedruckte Tageszeitung werde von digitalen Versionen abgelöst. Der Leser erhält auf einer Folie, die er ständig bei sich tragen kann, stets aktuelle und auf seine Bedürfnisse individuell zusammengestellte Portale. „In den USA haben erste Zeitungen ihre gedruckten Versionen bereits ganz eingestellt und erscheinen nur noch online,“ wusste Eberl. Die Journalisten und Redakteure würden nicht arbeitslos, aber sie müssten weit mehr als heute multimedial arbeiten und sich von der Idee verabschieden, mit einer festen Zeitungsstruktur die Bedürfnisse aller befriedigen zu können. „Die Zeitung wird persönlich.“
Zum Schluss sprach Eberl noch den fünften Megatrend an, die fortschreitende Globalisierung von Wirtschaft und Kultur und stellte fest, dass China die USA als größte Volkswirtschaft überholen wird.
In dem anschließenden Gespräch mit den Eltern machte Eberl noch einmal deutlich, dass vieles, was er angesprochen habe, in den Labors bereits getestet und realisiert werde, wie zum Beispiel ein Roboter als Butler für Senioren.

Im Anschluss daran gab Simone Feldmeier das Ergebnis der Elternbeiratswahl bekannt. Neben den wiedergewählten Mitgliedern Simone Feldmeier, Manuela Islinger, Tina Kirsch, Bruno Langner, Manuela Lettenbauer, Bärbel Müller, Manfred van Rinsum, Jürgen Schittenhelm Beate Thum, und Margit Trinks wurden Alexandra Hertle und Friedrich Koffler neu in das Gremium gewählt.

Bild des neugewählten Elternbeirats...