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Der Wille des Patienten steht im Mittelpunkt!

Kollegiaten des Grundkurses Evangelische Religionslehre besuchen die Palliativstation Nördlingen

„Dies ist die bereichernste Arbeit, die ich je gemacht habe, versicherte Schwester Nadja Petersen den Kollegiatinnen und Kollegiaten vom Albrecht-Ernst-Gymnasium.

Es mag manchen überrascht haben, dass sie dies von ihrer Tätigkeit auf der Nördlinger Palliativstation äußerte, wo nur Patienten mit nicht heilbaren Krankheiten und begrenzter Lebenserwartung betreut werden.
Im Religionsunterricht hatten die Schüler sich in Gruppen mit ihrem Lehrer Günther Schmalisch über verschiedene Grundfragen des menschlichen Lebens Gedanken gemacht, dazu gehören auch Krankheit, Leiden und Tod. Die Schüler, die sich damit beschäftigten, vereinbarten einen Besuch der seit Mitte 2008 eröffneten Palliativstation im Nördlinger Stiftungskrankenhaus. Dem lateinischen Wort „palliare“ entsprechend, soll sie ein Schutzraum sein, für oft von zermürbenden Krankenhausaufenthalten traumatisierte Patienten, machte Nadja Petersen deutlich. Oberstes Ziel sei es, die bestmögliche Lebensqualität für sie zu erreichen oder zu erhalten. Dazu sei es wichtig, den Patienten als Menschen kennen zu lernen. „Da es bei uns nicht um eine heilende, sondern eine lindernde Therapie geht, stehen die Wünsche und der Wille des Patienten bei uns im Vordergrund“, betonte Schwester Nadja, „und wir versuchen sie, wo immer es möglich ist, zu erfüllen, ob es um das Lieblingsessen oder eine letzte Fahrt durch den heimischen Garten geht.“
 
Zum Konzept gehöre neben der Linderung von Schmerzen vor allem auch die Integration der Angehörigen und die Möglichkeit zur Pflege sozialer Kontakte, deshalb gebe es auch keine Beschränkung der Besuchszeiten, erfuhren die Gäste.
Auch mit dem Thema Tod als Teil des Lebens gehe man sehr sensibel, aber auch offen mit den Menschen auf der Palliativstation um. Wichtig sei die Aufklärung des Patienten über den Sterbeprozess um ihnen soweit als möglich die Angst zu nehmen, obwohl „wir kein Hospiz sind und die durchschnittliche Verweildauer nur zwölf Tage beträgt“, betont Nadja Petersen. Auch die Hilfe und Betreuung der Angehörigen bei ihrer Trauer sind Teil des Konzeptes. Ausdruck dessen ist unter anderem ein liebevoll gestaltetes Gedenkbuch, in dem jedem Verstorbenen eine Seite gewidmet ist und auch eine jährliche Gedenkfeier der Mitarbeiter der Station, bei der sie sich von den verstorbenen Patienten verabschieden können.
 
Es ist vieles anders auf dieser Station als auf üblichen Stationen eines Krankenhauses. Das erfuhren die Kollegiaten auch beim Rundgang. Ob es die wohnliche Einrichtung der insgesamt sechs Patientenzimmer ist oder die Möglichkeit für die Angehörigen sich in das „Wohnzimmer“ zurückzuziehen oder mir den Pflegekräften auch mal eine Tasse Kaffee in der Küche zu trinken.
Damit dieses Konzept verwirklicht werden kann braucht es ein Team verschiedener Fachkräfte. Von den Ärzten und Krankenschwestern mit speziellen Zusatzqualifikationen, Psychologen, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern, Seelsorgern bis hin zur Koordinatorin, die vor, während und nach dem stationären Aufenthalt Ansprechpartnerin und Bindeglied zwischen den Patienten und ihren Angehörigen auf der einen und den Mitarbeitern der Palliativstation auf der anderen Seite ist, denn, und das betont Schwester Nadja, „zu uns kommen alle Patienten freiwillig, es wird niemand eingewiesen.“
Auf die Frage nach den Kosten macht sie an einigen Beispielen eindrucksvoll deutlich, dass diese Form der Betreuung insgesamt der Gesellschaft sogar Kosten sparen hilft. Dennoch sei die Palliativstation auf Spendengelder angewiesen, denn der von den Kassen gewährte Tagessatz sei nicht kostendeckend.
 
Beeindruckt von dem würde- und liebevollen Umgang mit Menschen in ihrer letzten Lebensphase, den sie auf der Palliativstation kennen gelernt hatten, und Einblicken, die ihnen bisher unbekannt waren, kehrten die Schüler in ihren Unterricht zurück.
 

Bilder vom Besuch auf der Palliativstation....