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Den Schulweg mit dem Jakobsweg getauscht

Schülerinnen und Schüler des P-Seminars machen interessante Erfahrungen beim Pilgern

 

Tausende Menschen sind jedes Jahr aus ganz unterschiedlichen Gründen auf dem Jakobsweg unterwegs. Viele von ihnen pilgern nach Santiago de Compostela, einige nehmen sich aber auch einzelne Etappen des deutschen Jakobsweges vor. Letzteres taten auch vierzehn Schüler der Oberstufe des Albrecht - Ernst - Gymnasiums in Oettingen im Rahmen eines Praxisseminars zusammen mit ihrem Betreuungslehrer, Paul Sattler. Nach dem Auswählen einer passenden Strecke war das Organisationstalent der Schüler gefragt. Einige der Aufgaben waren das Buchen der Unterkünfte, die Recherche nach interessanten Sehenswürdigkeiten auf der Strecke und das Besorgen von Jakobsmuscheln, die als Erkennungsmerkmal für Pilger dienen. Außerdem sollten sowohl die Wegbeschaffenheit, als auch die Städte mit ihren Unterkünften auf Barrierefreiheit überprüft werden.

Die Pilgerreise begann mit der Fahrt nach Steinhausen (Baden - Würtemberg), wo die bekannte barocke Wallfahrtskirche besichtigt wurde. Anschließend kam es aber bei der Suche nach Schildern, die durch das Symbol der Jakobsmuschel den Weg anzeigen, zu Orientierungsschwierigkeiten. Diese konnten durch das Nachfragen bei ansässigen Einwohnern wegen ihres stark schwäbischen Dialekts nur teilweise überwunden werden. Nach vielen Stunden Wanderung durch abwechslungsreiche Landschaft kam man schließlich erschöpft in Bad Waldsee, dem Ziel der ersten Etappe an. Eine heiße Dusche und ein reichhaltiges Buffet erweckten die erschöpften Lebensgeister, sodass man den Abend gemeinschaftlich mit Massagerunden und Gymnastikübungen ausklingen lassen konnte. Nach einem kurzen Morgenimpuls starteten dann die meisten ausgeruht und fit in den nächsten Tag, auch wenn sich kaum einer an das schwere Gewicht des Rucksacks gewöhnt hatte. Die Pilger verbrachten die Zeit während des Gehens überwiegend mit intensiven Gesprächen oder ließen ihren Gedanken freien Lauf. Der Weg beinhaltete an diesem Tag zwar viele anstrengende Steigungen, doch daraufhin boten sich bei herrlichem Sonnenschein faszinierende Ausblicke. In Weingarten angekommen, wurde zunächst die Unterkunft direkt neben der St. Peter Basilika bezogen. Ein gemeinsamer Stadtrundgang und ein Restaurantbesuch rundeten diesen Tag ab. Die nächste Etappe führte zunächst nach Ravensburg, in dessen Zentrum die Mittagspause eingelegt wurde. Bei sommerlichen Temperaturen ging es nachmittags vorbei an großen Apfelplantagen bis nach Meckenbeuren, welches im Lied „Auf der schwäb’schen Eisenbahne“ erwähnt wird. Der Jakobsweg führte am folgenden Tag durch Wälder und an einem Bach entlang. Da man sich weniger Kilometer als an den vorherigen Tagen vorgenommen hatte, war das Ziel in der Nähe von Markdorf trotz Blasen schnell erreicht. Dadurch blieb ausreichend Zeit für Erholung und Entspannung im Gasthaus, wo man übernachtete. Am fünften und gleichzeitig letzten Tag des Pilgerns ging man zügig, weil am Nachmittag bereits die mehrstündige Rückreise mit dem Zug ab Konstanz stattfinden sollte. Zeit blieb aber trotzdem, um den Anblick des Bodensees in Meersburg und während der Fährüberfahrt zu genießen. Endlich war es geschafft: Alle Teilnehmer waren nach über 100 Kilometern in Konstanz, dem Ziel der Reise angekommen. Dies zeigte sich auch daran, dass der Pilgerausweis der Gruppe nun mit vielen Stempeln, die man in Kirchen und Kapellen abgeholt hatte, versehen war. Zum Abschluss wurde ein Gemeinschaftsfoto am Bahnhof in Nördlingen gemacht, bevor man wieder in den Alltag zurückkehrte.

Insgesamt war das Pilgern eine einzigartige Erfahrung. In positiver Erinnerung werden den Wanderern vor allem die beeindruckende Natur und die Ruhe während des Gehens bleiben. Auch die Begegnung mit verschiedenen Tieren erfreute sich großer Beliebtheit, so entdeckte man zum Beispiel einen Salamander oder freundete sich mit einem reinrassigen Esel an. Zudem waren die Teilnehmer vor allem von der Freundlichkeit der Menschen, denen man begegnete, begeistert. Auf diese Weise kam man beispielsweise in den Genuss frischen Quellwassers und saftiger Weintrauben. Des Weiteren hat sich das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe trotz individueller Interessen stark entwickelt. Leider musste man feststellen, dass sich der Weg - wie auch einige der Unterkünfte - nicht für Rollstuhlfahrer eignen. Die Strecke verläuft häufig auf engen Trampelpfaden und unebenen Feldwegen, nur vereinzelt sind Wege asphaltiert. Ein Aufzug ist in vielen Gebäuden noch nicht Standard. Es wäre erfreulich, wenn eine Pilgerreise zukünftig auch für Behinderte realisierbar ist.

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