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"An dieser Schule weht ein anderer Wind"

Der Bayerische Rundfunk berichtete live aus dem A-E-G

 

Ein weiß-blauer LKW im Pausehof, viel Technik und zahlreiche blaue Mikrofone mit dem "BR" Logo - es war schnell klar: An diesem Schultag stand etwas Besonderes auf dem Stundenplan. Der Bayerische Rundfunk war vor Ort und berichtete live über eine halbe Stunde in seinem Programm Bayern 2 in der Sendereihe "Notizbuch aus den Lernlandschaften und der Aula. Der Erfolg unseres innovativen Schulkonzepts hatte die Redaktion des BR veranlasst, den Weg des A-E-G einer breiten Hörerschaft vorzustellen.

"Man spürt, dass in dieser Schule ein anderer Wind weht", begann Jutta Prediger ihre Reportage, bevor sie in die Lernlandschaft der 5. Klasse zu ihrer Kollegin Sandra Weber schaltete. "Man kann sich vorstellen, man ist wie in einem Bienenstock mit Waben ohne Türen und um mich herum sind überall Schüler, die arbeiten", beschrieb sie den Hörern ihre Eindrücke, bevor ihr Lara gekonnt, souverän und ohne erkennbare Nervosität wie alle interviewten Kinder erläuterte, an welchem Projekt sie gerade mit ihren Teammitgliedern arbeitet.

Das pädagogische Konzept und die Raumstruktur sollen kind- und gehirngerechtes Lernen ermöglichen, erläuterte Günther Schmalisch den Hörern. "Man lernt am besten, wenn man es selber macht und es dann anderen erklärt." Wichtig sei außerdem, dass die Kinder so arbeiten können, dass Lerninhalte vernetzt werden und somit sinnhaft gelernt werden können. Deshalb werden die beiden Fächer Deutsch und Geographie in weiten Teilen des Schuljahres vernetzt, das heißt, dass die Kinder nicht nach den Fächern, sondern nach Themen wie aktuell "Deutschland" lernen. Schriftsteller führen dabei die Kinder durch verschiedene Regionen Deutschlands.

In der Aula fragte Jutta Prediger Schulleiterin Claudia Langer nach dem Grund für die besondere Architektur der Lernlandschaften. Die Architektur müsse dazu helfen, Kinder individuell zu fördern. "Neben der Raumstruktur ist die Zeitstruktur wichtig, die Kinder müssen die Möglichkeit haben, in ihrem individuellen Lerntempo zu lernen", machte die Schulleiterin deutlich und beschrieb auf Nachfrage auch den Weg, den das A-E-G bis zur aktuellen Situation beschritten hat. "Kinder müssen lernen, für ihr Lernen Verantwortung zu übernehmen, deswegen haben wir in der 5. Jahrgangsstufe damit begonnen."

Wie erfolgreiche Teamarbeit der Lehrer aussehen kann, erklärten anschließend die beiden Englischlehrer Christian Heinz und Klaus Kögel. Jutta Prediger hörte mit Interesse, wie Kompetenzraster und vielfältiges Arbeitsmaterial die Schüler anleiten, selbstständig und mit viel individueller Beratung durch die Lehrer zu lernen und vor allem viel mehr zu sprechen als im herkömmlichen Unterricht.

Zurück in der Lernlandschaft ließ sich Sandra Weber von Agnes, Sophie und Sophie erklären, wie sie sich gerade in Mathematik auf eine "Ex" vorbereiten, deren Termin sie selbst bestimmen können. Mit einigem Erstaunen fragte Sandra Weber bei Linda Lutter dazu nach. Die Deutsch- und Geographielehrerin ging deshalb noch mal genauer auf das System der Tests ein. "Es gibt flexible Tests. In einem vorgegebenen Zeitraum können die Kinder üben und entscheiden, wann es den entsprechenden Test schreiben möchte. Wir versuchen so  auf das individuelle unterschiedliche Lerntempo der Schüler einzugehen."
Dass das Konzept dem Lehrer viel mehr Zeit zur individuellen Beratung und auch Beobachtung der Schüler lässt, ergänzte Günther Schmalisch. Nach seiner Vision für die Zukunft gefragt antwortete er: "Das Leben ist nicht nach Schubladen geordnet, sondern komplex und vernetzt, deshalb müssen wir dahin kommen, mehr nach Themen und weniger nach Fächern zu lernen", Wieder mitten unter den Kindern beobachtete Sandra Weber, wie Luis an seinem Tablet arbeitete. "Du hast Spaß am Lernen, oder?" "Wenn es so ist, schon", war dessen spontane Antwort.

"Man hat den Eindruck, dass an dieser Schule bei Lehrenden und Lernenden jede Menge Dopamin ausgeschüttet wird", beschrieb Jutta Prediger in der Aula das, was sie gehört und gesehen hat und fragte Claudia Langer nach ihrem Dopaminpegel. "Wenn es so läuft, wie jetzt, dann freut es mich natürlich," bestätigte die Schulleiterin und ergänzte eine weiteren wichtigen Punkt des Konzeptes für einen schülerzentrierten Untericht: In den Klassen 5-8 werden am A-E-G statt der Zwischenzeugnisse im Schuljahr zwei Zwischenberichte erstellt. Wie sie neuen Kollegen den Mehrwert all dieser Neuerungen erklärt, war die nächste Frage, die Jutta Prediger der Schulleiterin stellte. "Unsere Kinder sind es wert, dass man sich individuell Gedanken über sie macht. Die Mehrarbeit wird durch die positive Reaktion der Kinder belohnt."
Zum Stichpunkt " vernetztes Lernen" wies Claudia Langer auf den Lehrplan hin, der dies ja vielfach vorgebe, man müsse es nur aufgreifen.

Im letzten Teil der Sendung spielte eine weitere Besonderheit des A-E-G, die Streicherklasse, die Hauptrolle. Musiklehrer Günter Simon erläuterte dieses Konzept, nachdem Julia und Veronika, Mitglieder der ersten Streicherklasse vor acht Jahren, eine Kostprobe ihres Könnens gegeben hatten. Ein wichtiger Teil des Streicherklassenkonzepts ist der Assistentenunterricht - ältere Schüler unterrichten jüngere - wie so eine Assistentenstunde abläuft, demonstrierte zum Schluss Maria Stimpfle mit zwei ihrer Schülerinnen.

"Damit geben wir zurück nach München ins Funkhaus."

Wer die ganze Sendung nachhören möchte, kann dies tun unter

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/notizbuch/notizbuch-live-uebertragung-aus-dem-gymnasium-oettingen-100.html

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