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So alt und doch so modern!

Mit einem eindrucksvollen Festakt feierte die Schulfamilie des Albrecht-Ernst-Gymnasiums zusammen mit zahlreichen Ehrengästen den 450. Geburtstag der Schule.

Was ist ein Fest ohne entsprechende Musik? Dass der Abend zu einem Highlight in der langen Geschichte des Gymnasiums wurde, lag nicht zuletzt an den glanzvollen musikalischen Beiträgen des Schulorchesters unter Leitung von Günter Simon,  der Gesangssolisten Ines Graf und Stefan Schneider (beides ehemalige A-E-G Abiturienten), dem Bläserquintett mit ebenfalls vier ehemaligen A-E-Glern sowie den Brüdern Ludwig und Michael Burger. Zu einem Fest gehört auch gutes Essen, das den Gästen in mehreren Gängen  zwischen den Grußworten serviert wurde. Durch das umfangreiche Festprogramm führten sehr charmant und gekonnt Jasmin Hönle und Tim Pius Vogel, beide aus der Klasse 8c.
Schulleiterin Claudia Langer freute sich über vielen Gäste, die der Einladung gefolgt waren und konnte auch eine Vielzahl an Ehrengästen begrüßen.

An die Anfänge des Albrecht-Ernst-Gymnasiums erinnerte der Schirmherr des Jubiläums, S.D. Fürst Albrecht zu Oettingen-Spielberg. Die Gründung der Schule durch Graf Ludwig XVI. im Jahr 1563 erfolgte mit einem Direktor, zwei Lehrern und „ein paar Schülern“. Der Namensgeber der Schule. Fürst Albrecht Ernst, habe im Jahr 1724 für einen Neubau neben der St.Jakobskirche, heute beheimatet er die Oettinger VHS, gesorgt. Wieder war es dann ein Neubau, der für einen Meilenstein in der Schulgeschichte sorgte. Um die Schülerzahl zu erhöhen, es waren damals nur 140 Kinder am A-E-G, sorgte maßgeblich der ehemalige Wirtschaftsminister Anton Jaumann dafür, dass 1975 das Gebäude an der Goethestraße bezogen werden konnte. „Wenn wir unsere Freiheit und unseren Wohlstand weiter erhalten wollen, müssen wir in Wissen und Können investieren, Kinder charakterfest und entscheidungsstark machen. Unser Albrecht-Ernst-Gymnasium ist mit seinem Konzept dabei auf einem ganz hervorragenden Weg“, schloss der Fürst sein Grußwort, nicht ohne der Schulleiterin eine großzügige Spende für den Ankauf mehrerer Tablets zu übergeben.

„Was gibt es schöneres als Lehrer zu sein, vor allem in dieser wundervollen Schule?“, meinte Staatssekretär Bernd Stibler, der in seinem Grußwort mit einer Anekdote für Erheiterung sorgte. Angeblich solle Anton Jaumann den erwähnten Neubau beim Kartenspiel mit dem damaligen Finanzminister gewonnen haben. „Man spürt, dass in dieser Schule ein sehr guter pädagogischer Geist herrscht“, so Sibler weiter. In Bayern gebe es eben nicht nur ein „Unterrichtsgesetz“, sondern eben ein „Erziehungs- und Unterrichtsgesetz“. Herz und Charakter zu bilden seien wesentliche Aufgaben der Schule. „Im didaktischen Konzept der Lernlandschaften am A-E-G spiegelt sich das deutlich wider.“

„Tradition und Fortschritt finden am Albrecht-Ernst-Gymnasium eine ideale Verbindung“, stellte Landrat Stefan Rößle in seinem Grußwort fest. Das zukunftsweisende pädagogische Konzept orientiere sich an den Kindern. „Der natürliche Eifer der Kinder wird durch das Konzept der offenen Lernlandschaften gefördert und gestärkt.“  Rößle gab anschließend einen Überblick über die Baumaßnahmen, die der Landkreis am A-E-G seit 2002. Nach der baulichen Erweiterung an der Goethestraße folgte 2004 das Ganztagesgebäude, das zum „Vorbild für die Schulen im Kreis wurde“,  2006/7 das Musikgebäude und die Aufstockung des naturwissenschaftlichen Traktes. 2008/2009 entstand die Turnhalle und seit 2011 wurden schrittweise die Lernlandschaften für die Unterstufe erstellt. „Wissen und Tugenden in Verbindung zu bringen, war schon vor 450 Jahren wichtig. Getreu der humanistischen Bildung legt das A-E-G bis heute  Wert darauf, die Schüler so umfassend auszubilden, dass sie als konstruktiver Teil am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihr Leben meistern können. Insofern ist das Konzept des Albrecht-Ernst-Gymnasiums passgenau für die heutige Zeit“, schloss der Landrat.

Vier Punkte für gelingendes Lernen nannte Professor Ulrich Herrmann in seinem Festvortrag:

-          Wenn man das herkömmliche System als unbefriedigend betrachtet, kann der Ausweg nur darin bestehen, dass der einzelne Schüler nicht dem Unterricht beiwohnt und der Lehrer Unterricht erteilt, sondern, dass die Kinder mehr selbst arbeiten

-          Das erfordert aber neue zeitliche, räumliche und soziale Strukturen und Arrangements

-          Die angeborene Neugier ist der Motor des Lernens, der Lust auf mehr Lernen macht, was man „Motivation“ nennt. Diese ist Folge eines Erfolgserlebnisses und nicht der Grund für das Lernen. Deshalb ist es die erste Aufgabe der Lehrer, den Kindern zu Lernerfolgen zu verhelfen und ihre Neugier und ihr Interesse zu wecken.

-          Arbeiten, Lernen und Entspannen muss rhythmisiert auf den ganzen Tag verteilt werden

„Am Albrecht-Ernst-Gymnasium ist man bei der Umsetzung dieser Punkte auf einem hervorragenden Weg“, bestätigte Herrmann. In den vergangenen drei Jahrhunderten habe es immer zu den Jahrhundertwenden neue Impulse in der Pädagogik gegeben. Anfangs des  17. Jahrhundert war die Zeit der Schulgründungen um einerseits eine Elementarbildung für das Volk und andererseits die gelehrte Schulbildung in Lateinschulen – wie auch in Oettingen - zu ermöglichen. Entscheidend dabei war die Erfindung des Buchdruckes. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde die Erziehung und Ausbildung wichtig für den ökonomischen und sozialen Aufstieg des sich formierenden Bürgertums. Durch die Förderung und Entfaltung möglichst vieler Begabungen entstand ein neues Menschenbild. Aufstieg war nur durch Bildung möglich. Dem Wandel des Menschenbildes folgt der Wandel der Pädagogik. Pädagogik wird vom Kind aus gedacht. Schulen sollen Bildungsanstalten und nicht nur Belehrungsschulen sein.  Anfang des 20.Jahrhunderts entsprach das straff organisierte schulische Lernsystem nicht mehr den Vorstellungen des liberalen Bildungsbürgertums. Lebensformbewegungen führten zu Lernreformbewegungen. Dies führte zu einer europäischen Reformpädagogik, einer Form des arbeitenden Lernens.

Für das 21. Jahrhundert spielen, so Herrmann weiter, zwei Faktoren eine wichtige Rolle: die Erkenntnisse der Hirnforschung und die Informationstechnologie.

„Am Albrecht-Ernst-Gymnasium ist man dabei Prozesse in Gang zu setzen die aufzeigen, was neue Lernkultur bedeutet.“  Die Hirnforschung habe unter anderem deutlich gemacht, dass Erfolgszuversicht mit Abwesenheit von Angst ein entscheidender Faktor für gelingendes Lernen ist. „Die gute Schule der Zukunft ist keine Lern- sondern eine Arbeitsschule“, fasste Herrmann seine Ausführungen zusammen.

Für die Stadt Oettingen gratulierte Bürgermeister Matti Müller dem Albrecht-Ernst-Gymnasium. „Oettingen wäre nicht Oettingen ohne das A-E-G“, hob Müller die Bedeutung der Schule hervor und verwies auf die enge Verbundenheit der Stadt Oettingen mit dem A-E-G. „Mit dem Gymnasium und der Grund- und Mittelschule ist Oettingen ein hervorragender Schulstandort, der alle Abschlüsse ermöglicht.“

Auch der Vorsitzende des Elternbeirates, Manfred van Rinsum, und Schülersprecherin Mira Vieting gratulierten zum außergewöhnlichen Jubiläum.

Mit dem Dank für die Bewahrung in der zurückliegenden Zeit und der Bitte um den Segen für die kommenden Jahre durch Pfarrer Paul Sattler und Religionslehrerin Anita Hönle wurde der offizielle Teil des Festaktes beendet.

 

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