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Auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges

Exkursion der Fachschaft Geschichte zum ehemaligen Militärflugplatz Heuberg bei Oettingen

Am 5. Oktober 2011 traf sich die Fachschaft Geschichte am A-E-G im Rahmen einer regionalen Lehrerfortbildung zum Thema „Flugplatz und Gedenkstätte Heuberg“. Treffpunkt war die nicht weit von Oettingen gelegene Ortschaft Heuberg, wo sich der ab 1934 ausgebaute Militärflugplatz Heuberg findet. Als Referent führte der renommierte Lokalhistoriker Werner Paa durch die Exkursion.

Nach einer kurzen Einordnung in die historische Situation 1933-1945 und dem Hinweis, dass bezogen auf den ehemaligen Militärflugplatz Heuberg eine schwierige Forschungslage vorherrscht, ging Herr Paa zunächst auf die Entwicklung des Flugplatzes Heuberg während der Nazi-Diktatur ein.

Nach Abschluss von Pachtverträgen mit 192 örtlichen Bauern begann man 1934 den Bau des Flugplatzes Heuberg, und zwar als Einsatzhafen I. Ordnung. Zwar war dieser Flugplatz kein regulärer Fliegerhorst mit ständiger Besatzung, jedoch verfügte er bereits über Bahnanschluss, wie man heute noch erkennen kann. Darüber hinaus gab es eine 1000m lange Start- und Landebahn, von der auch Nachtstarts möglich waren. Wesentlich beteiligt beim Bau sowie Ausbau des Flugplatzes Heuberg war der RAD (Reichsarbeitsdienst) sowie verschiedene Baukompanien. In der Regel stand der Flugplatz unter ziviler Verwaltung, v.a. unter der des örtlichen Platzlandwirts. Er wurde v.a. zur Pilotenausbildung in der Region genutzt. Besonders nach Kriegsbeginn 1939 nahm diese Funktion an Wichtigkeit zu.

Nachdem Hitler im Juni 1941 die Sowjetunion überfiel und seine Wehrmacht innerhalb kurzer Zeit massenhaft Kriegsgefangene machte, wurden auch in Heuberg russische Kriegsgefangene interniert. Sie mussten – gemäß der damaligen Ideologie – unter unmenschlichen Umständen leben, viele von ihnen starben den Hungertod oder wurden ermordet.

Große Veränderungen gab es in Heuberg 1944. Die strategische Situation hatte sich nun geändert. Nach dem Rückzug der deutschen Streitkräfte an nahezu allen Fronten wurden auch die Bombenangriffe direkt auf Deutschland heftiger. Zum Schutz des Luftraums im Reich wurde nun als einer von vielen der Flughafen Heuberg bis Kriegsende stark ausgebaut und gesichert (Flak, Bunkeranlagen etc.). Die relativ zentrale Lage zwischen Nürnberg, Stuttgart, Augsburg und München dürfte wohl für diesen Ausbau gesprochen haben.

Die US-Amerikaner jedoch hatten den militärischen Zweck des Flugplatzes bereits 1941 erkannt, bis Kriegsende 1945 wurden nun heftige Bombardements geflogen. Die hier stationierten Jagd- bzw. Zerstörergeschwader wurden vermehrt in aussichtslose Luftkämpfe über dem Ries und in angrenzenden Regionen verwickelt. Davon zeugen noch heute viele Grabsteine. Die Erlebnisse des ehemaligen Jagdfliegerkommandeurs Julius Meimberg, der noch immer lebt und als wichtiger Zeitzeuge zur Verfügung steht, machen die damalige Situation besonders deutlich. Ende April 1945 übernahmen die US-Amerikaner auf ihrem Vormarsch den Flughafen Heuberg, wo sie einige Anlagen sprengten. Dennoch ist heute noch vieles zu sehen, wie Werner Paa der Fachschaft bei der sehr ausführlichen dreistündigen Geländebegehung deutlich machte. Dabei wies er auch ausführlich auf die Nutzung des ehemaligen Militärflugplatzes als Heimatvertriebenenlager nach dem Zweiten Weltkrieg hin.

Werner Paa aus Oettingen hatte im Jahre 2005, also 60 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, mit der Erforschung der Geschichte des ehemaligen Militär-Flugplatzes in Heuberg begonnen. Die schlimmen Ereignisse auf und im Umfeld des ehemaligen Flugplatzes ließen bei ihm schon bald den Entschluss reifen, mit einer Gedenkstätte an die zahlreichen Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung zu erinnern.

Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Oettingen-Erlbach-Heuberg-Niederhofen mit ihrem Vorsitzenden Josef Ruhland und engagierte Heuberger Bürger fanden sich im Laufe der Zeit zusammen, um die dafür notwendigen Schritte einzuleiten. Der Entwurf für die Gedenkstätte stammt vom ehemaligen Heuberger Bürger Berthold Kretschmer.
Beim Bau der Gedenkstätte wurde nur Material vom ehemaligen Flugplatz verwendet. Die Umrandung wurde aus Betonschwellen der ehemaligen Eisenbahn erbaut, die schräg gestellte Säule stammt aus der ehemaligen Werft, das Kreuz aus Eisenbahnschienen, zwei Tafeln aus Flugzeugaluminium und die Pflasterung aus Basaltsteinen, die beim Bau der Startbahn verwendet wurden.

Durch zahlreiche Spenden von Privatpersonen, der Stadt Oettingen, der Gemeinde Maihingen und der Sparkasse Oettingen sowie des Bayerischen Soldatenbundes konnte das Projekt realisiert werden. Die Gedenkstätte wurde im Mai 2008 eingeweiht, wobei der Zeitzeuge Julius Meimburg, ehemaliger Jagdgeschwaderkommandeur in Heuberg, eine sehr eindringliche Rede im Sinne des Weltfriedens hielt.

Marco Hüttinger

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